Wenn ein Prozent Re-Allokation einen Anstieg von 140 Prozent auslöst
Der Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management zeichnet ein aktuelles Bild vom Goldmarkt und verweist auf Berechnungen, die im Falle von Umschichtungen großer Kapitalsammelstellen dem Goldpreis noch sehr hohes Kurspotenzial bescheinigen.

Hohe Long-Positionen bei Gold machen Gewinnmitnahmen und Kurskorrekturen in den kommenden Monaten wahrscheinlicher, ohne jedoch das langfristige bullische Szenario zu untergraben. Denn der Goldpreis wird weiterhin von mehreren strukturellen Faktoren angetrieben, wie Benjamin Louvet, Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management, in einer aktuellen Analyse festhält:
Zentralbanken haben noch viel Spielraum für den Goldankauf
Die durchschnittliche Goldallokation der Zentralbanken liegt in Schwellenländern etwas über 10 Prozent - im globalen Durchschnitt sind es 30 Prozent. Die Goldallokation der chinesischen Zentralbank – mit Abstand der größte Käufer unter den Zentralbanken – beträgt nur 12 Prozent ihrer Reserven. Bei ihrem derzeitigen Kaufvolumen würde sie etwa 30 Monate benötigen, um eine Allokation von 20 Prozent zu erreichen. Die Umfrage des World Gold Council vom Juni 2025 ergab, dass 43 Prozent der Zentralbanken planen, ihre Goldallokation innerhalb der nächsten 12 Monate zu erhöhen – keine plant einen Verkauf.
Regierungen wollen sich ihrer Schulden zu Lasten der Bürger entledigen
Der stärkste Faktor, der für Gold spricht, ist aus Sicht von Louvet die Befürchtung von Anlegern, dass Regierungen zum „Mittel“ der Inflation, negativer Realzinsen oder Umschuldungen zurückgreifen, um dem Problem der enormen Verschuldung zu begegnen. Dies treibt Anleger in Sachwerte wie Gold.
Smart Money empfiehlt höhere Goldgewichtungen
Einige renommierte Vermögensverwalter wie Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater, empfehlen eine Allokation von 15 Prozent in Gold. Mike Wilson, Chief Investment Officer bei Morgan Stanley, spricht sich sogar für einen Anteil von bis zu 20 Prozent aus. "Einige institutionelle Anleger beginnen, Investitionen in Gold in Betracht zu ziehen. Indien beispielsweise hat gerade den Pensionsfonds des Landes gestattet, bis zu 1,0 Prozent ihres Vermögens in Gold und Silber zu investieren", merkt Louvet an.
The Sky is the Limit...
Vor diesem Hintergrund könnte Gold nach Ansicht des Edelmetallexperten Louvet "leicht" neue Allzeithochs erreichen, zumal der physische Markt, der weitaus kleiner ist als traditionelle Anlageklassen, nur begrenzt in der Lage ist, große Kapitalströme in kurzer Zeit aufzunehmen. Louvet verweist in diesem Zusammenhang auf ein paar Rechenbeispiele der Branchengrößen:
So hat die Investmentbank Goldman Sachs die Auswirkungen, die eine solche Verlagerung von Kapital aus traditionellen Sektoren in Gold auf die Goldpreise haben könnte, berechnet Demnach würde eine Verlagerung von 1 Basispunkt (0,01%) der Gesamtinvestitionen in traditionelle Vermögenswerte wie Aktien und Anleihen in den Goldmarkt zu einem Anstieg des Goldpreises um 1,40 Prozent führen. "Mit anderen Worten: Wenn 1,0 Prozent der traditionellen Vermögenswerte in Gold umgeschichtet würden, könnte der Goldpreis um 140 Prozent steigen!", rechnet Louvet vor.
Goldförderung sinkt
Ofi Invest AM geht nicht davon aus, dass eine Steigerung der Fördermengen den Markt ausgleichen wird, da es in den letzten Jahrzehnten keine größeren Funde gab. Die Goldgewinnung könnte laut der Beratungsfirma CRU Group im Jahr 2025 ihren Höhepunkt erreicht haben und bis 2030 um fast 17 Prozent zurückgehen.
"Unser Fazit: Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis im Jahr 2026 weiter steigen wird, jedoch mit erhöhter Volatilität. Seit April 2025 haben wir keine Kursziele für Edelmetalle mehr festgelegt, da auch FOMO, die Angst, etwas zu verpassen, die Kurse bestimmt – nicht nur die Fundamentaldaten", erklärt Louvet abschließend. (aa)

