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Weltgrößter Pensionsfonds bald insolvent? Ex-Verwaltungsrat sagt "ja"

Geht es nach einem Ex-Verwaltungsrat von CalPERS (California Public Employees' Retirement System), dem Pensionsfonds der öffentlich Bediensteten des Bundesstaates Kalifornien, lenken die Diskussionen um den Kurseinbruch Anfang Februar nur von der drohenden Pleite der Altersvorsorgeeinrichtung ab.

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Die deutlich unterdeckten Pensionsverpflichtungen in Kalifornien machen sowohl dem Pensionsfonds CalPERS als auch den öffentlichen Arbeitgebern schwer zu schaffen. Rettet sich die eine Seite, ist die andere insolvent - und vize versa.
© Fotolia

Schon vor einigen Tagen hat David Hunt, CEO des Asset Managers PGIM mit 1,2 Billionen US-Dollar, im Nachgang der scharfen Kursrückgänge und stark angestiegener Volatilitäten Anfang Februar gesagt, dass die wahre Bombe die Pensionen der öffentlich Bediensteten immer schon gewesen wären und nach wie vor seien. CalPERS verfügt zwar über Assets von zirka 350 Milliarden US-Dollar, doch reichen diese nicht aus, um die Verpflichtungen zu bedecken.

Pensionsverpflichtungen verfügen nicht über die entsprechende Deckung
Wer nicht in den Rückspiegel schaue, der müsse das große Krisenpotential der Pensionsfonds erkennen. Man sollte sich vor Augen führen, was Bundesstaaten, Städten und Gemeinden sowie Schulbezirken bei Rückgängen der lokalen Steuereinnahmen und steigender Arbeitslosigkeit in der nächsten Rezession tun würden. Die hohen Pensionsverpflichtungen bereiten Hunt jedenfalls Sorgen.

Pensionskrise kommt schleichend näher
Mit der Ansicht, das System der Finanzierung der öffentlichen Pensionen befinde sich in argen Schwierigkeiten, steht er aber nicht alleine. Letzte Woche ließ niemand Geringeres als der ehemaliger Controller von Kalifornien, Steve Westly, der früher im Verwaltungsrat von CalPERS saß, mit der Aussage aufhorchen, dass die Pensionskrise langsam immer näher komme. So habe CalPERS dafür gestimmt, dass die Beiträge der Städte steigen müssten. Die Städte wiederum hätten auf eine mögliche Insolvenz ihrerseits hingewiesen, sollten die Beitragszahlungen weiter steigen. Westly weiter: "CalPERS selbst ist nahe der Insolvenz und muss bald Reformen durchführen oder einen Bail-Out ansteuern."

Kleine Maßnahme, große Wirkung
Kürzlich stimmte das CalPERS-Board dafür, den Zeitraum der Aufholung künftiger Anlageverluste von 30 auf 20 Jahre zu verkürzen. Das klingt nach einer kleinen Änderung, bedeute aber letztlich, dass die öffentlichen Arbeitgeber Kaliforniens ihre Pflichtbeiträge aufstocken müssen. Die Beiträge an CalPERS steigen seit einiger Zeit zweistellig und bringen manche Gebietskörperschaften an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die Verkürzung der Verlustamortisation auf 20 Jahre kann da schon einigen den Todesstoß versetzen. 

Pensionsfonds dreht an mehreren Stellschrauben, um die Insolvenz zu vermeiden
Früher betrug der Deckungsgrad mehr als hundert Prozent, nun liegt er bei nicht einmal zwei Dritteln der diskontierten Verpflichtungen. Dabei wird von einer erzielbaren langfristigen Anlagerendite, die gleichzeitig den Abzinsungsfaktor der Liabilities darstellt, von 7,0 Prozent ausgegangen. Viele Experten halten es für unrealistisch, dass der Kapitalmarkt auf lange Sicht solche Renditen hergibt.

CalPERS in der Klemme tritt die Flucht ins Risiko an
Der Fonds ging mehr ins Risiko und gab Anfang Dezember bekannt, seine Aktien-Allokation auf 50 Prozent zu erhöhen. Würde man diese im Gegenzug senken, müsste man auch den Rechnungszins von sieben Prozent weiter absenken - zuvor war er bei 7,5 Prozent gelegen, doch das würde unmittelbar zu höheren Beitragsvorschreibungen an die öffentlichen Arbeitgeber führen. Ein Verwaltungsrat von CalPERS forderte sogar, die Aktienquote auf 60 Prozent anzuheben, um auch den Rechnungszins wieder höher als 7,0 Prozent ansetzen zu können und damit den Deckungsrad besser aussehen zu lassen. 

Wiederholt sich 2007/08?
Ironischerweise hat die hohe Aktienquote bei CalPERS in der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise dem Fonds um die 100 Milliarden US-Dollar an Buchverlusten beschert, von denen man sich bis dato nicht vollstöndig erholen konnte. Im Dezember 2016 hatte man dann den Rechnungszins um 50 Basispunkte zurückgenommen, seitdem geht man mit der Aktien-Allokation langsam wieder nach oben.    

Sollte es nun zu einem Déjà-vu mit Verlusten in ähnlichen Größenordnungen kommen, käme CalPERS an einen Punkt, wo man nie und nimmer die Leistungsversprechen erfüllen könnte. Oder man schreibt den Arbeitgebern Beiträge vor, die diese beim besten Willen aus ihrem Steueraufkommen nicht leisten können. Drei kalifornische Städte sind in den letzten Jahren schon Pleite gegangen, zum Teil aufgrund ihrer Pensionsbürde, die sie nicht mehr stemmen konnten. 

Auf dünnem Eis - und mit Kreativität zu Lasten der Versicherten oder der Steuerzahler
CalPERS bewegt sich auf schwierigem Terrain: Tut man das Nötige, um selbst solvent zu bleiben, befördert man lokale Gebietskörperschaften in die Insolvenz. Vorschläge gehen etwa in die Richtung der Sistierung des Inflationsausgleichs für Pensionen über 100.000 US-Dollar pro Jahr. Im Board von CalPERS sitzen viele Gewerkschaftsvertreter, die eher das gesamte Pensionssystem des Staates den Bach hinuntergehen lassen würden, als Einschnitte bei den seinerzeit getätigten großzügigen Zusagen hinzunehmen.

Sie vertrauen letztlich auf einen Bail-Out durch den US-Steuerzahler. Das ist aber nun etwas, das auch dem geplagten europäischen Steuerpflichtigen abseits des öffentlichen Bereiches wiederum durchaus bekannt vorkommt..... (kb) 

 

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