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Wellington sieht Ölpreis über 100 Dollar, Stagflation akutes Risiko

Wellington Management erwartet 2026 einen durchschnittlichen Ölpreis von mehr als 100 US-Dollar je Barrel. Die Märkte unterschätzten die Risiken dauerhaft hoher Energiepreise und steigender Inflation. Die Möglichkeit einer Stagflation sei vom Extrem- zum akuten Risiko geworden.

Eoin O’Callaghan, Wellington Management: "Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Stagflation schlagartig von einem Extremrisiko zu einem akuten Risiko gemacht."
Eoin O’Callaghan, Wellington Management: "Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Stagflation schlagartig von einem Extremrisiko zu einem akuten Risiko gemacht."© Wellington Management

Eckpunkte:

  • Märkte setzen auf Best-Case-Szenario
  • Wellington sieht Risiko länger erhöhter Ölpreise
  • Glaubwürdigkeit der Geld- und Fiskalpolitik wird zum Anlagerisiko

Eoin O’Callaghan und John Butler von Wellington halten die Marktreaktion auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran für bemerkenswert gelassen. "Trotz der erhöhten geopolitischen Unsicherheit preist der Markt weiterhin eine relativ schnelle und dauerhafte Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie eine Normalisierung der Energieversorgung, der Energiepreise, des Wachstums und der Inflation ein", schreiben die Makrostrategen. "Wir gehen jedoch davon aus, dass das Risiko eher in Richtung eines anhaltenden Anstiegs der Energiepreise und der Inflation tendiert."

Selbst bei einer Wiederöffnung der Straße von Hormus werde es Zeit benötigen, bis sich die Energiemärkte normalisieren. Deshalb rechnen die Strategen damit, dass der Ölpreis im laufenden Jahr durchschnittlich über 100 US-Dollar je Barrel liegen wird.

Besonders problematisch sei, dass der Energieschock auf ein bereits expansives geld- und fiskalpolitisches Umfeld treffe. Bereits vor dem Konflikt seien Geld- und Fiskalpolitik unterstützend ausgerichtet gewesen, inzwischen seien beide nochmals gelockert worden.

Stagflation rückt in den Fokus
Mit dem Konflikt im Nahen Osten habe sich auch das makroökonomische Risikobild verändert. Während Stagflation bislang als eher extremes Szenario betrachtet worden sei, habe sich die Lage inzwischen verschärft. "Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Stagflation schlagartig von einem Extremrisiko zu einem akuten Risiko gemacht", heißt es in dem Kommentar.

Wie stark die Folgen ausfallen werden, hänge vor allem davon ab, wie lange die Energiepreise erhöht bleiben und wie Regierungen und Zentralbanken reagieren. Zusätzliche fiskalische Stimulierungsmaßnahmen oder eine höhere Toleranz gegenüber Inflation könnten den Schock sogar noch verstärken.

Glaubwürdigkeit wird zum Anlagethema
Für Anleger gewinnt laut Wellington ein weiterer Faktor an Bedeutung: die Glaubwürdigkeit von Regierungen und Notenbanken. Länder mit hohen Haushaltsdefiziten, steigenden Inflationserwartungen und einer wenig überzeugenden Geldpolitik könnten stärker unter Druck geraten.

"Für Anleger bedeutet dies, dass die Glaubwürdigkeit der Politik von Regierungen und Zentralbanken einerseits zu einer immer wichtigeren Risikoquelle wird, andererseits aber auch eine Quelle für Renditepotenzial darstellt."

Besonders aufmerksam sollten Investoren nach Einschätzung der Strategen die Entwicklung in Japan, Großbritannien, Frankreich und den USA verfolgen. Dort könnten Zweifel an der geld- und fiskalpolitischen Disziplin künftig stärker auf Anleihemärkte, Währungen und Risikoanlagen durchschlagen. (dv)

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