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Wellington: KI schafft am Kreditmarkt Chancen und Risiken

In seinem Workshop unter dem Titel "KI, Datencenter, Hyperscaler" widmete sich Mahmoud El-Shaer von Wellington Management am Institutional Money Kongress der Frage, welche Folgen der KI-Boom für die Kreditmärkte hat. Für Investoren sieht er Veränderungen, die sowohl Chancen als auch Risiken bergen.

Mahmoud El-Shaer, Wellington Management
Mahmoud El-Shaer, Wellington Management© Christoph Hemmerich

Kernpunkte:

  • Günstiges Umfeld mit geopolitischen Risiken und eingeschränkter Visibilität
  • Zulieferer für den KI-Ausbau in guter Ausgangsposition
  • Hyperscaler können hohe Investitionen verkraften
  • Hybridanleihen im Kommen

"Wir haben dieses Jahr mit einem der solidesten Umfelder im makroökonomischen Bereich begonnen, an das ich mich erinnern kann", sagte El Shaer auf dem Institutional Money Kongress. Das Wachstum in den meisten westlichen Volkswirtschaften liege oberhalb des Trends, für die Eurozone werde ein Plus von 1,7 Prozent erwartet, erklärte er. Gestützt werde dies in Europa durch fiskalpolitische Impulse und günstige Finanzierungsbedingungen, in Nordamerika zusätzlich durch einen massiven Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz.

Diese günstige Ausgangslage sei jedoch nicht frei von Risiken. Besonders der Krieg im Nahen Osten könne die Energiepreise hoch halten und damit in Europa die Inflation treiben und das Wachstum belasten. El Shaer verwies auf ein Szenario, in dem ein dauerhaft hohes Energiepreisniveau die Kerninflation in Europa um 0,5 Prozentpunkte und die nominale Inflation um 1,3 Prozentpunkte erhöhen könnte, während das Wachstum um bis zu 1,2 Prozentpunkte sinkt. Noch wichtiger im KI-Kontext: Der Nahe Osten ist nicht nur Energielieferant, sondern auch für Rohstoffe wie Helium, Schwefel oder Brom relevant, die für die Chipproduktion benötigt werden. Engpässe könnten daher den Ausbau der KI-Infrastruktur, vor allem in Asien und in Taiwan, bremsen.

Mehrere Glieder der Wertschöpfungskette profitieren
Trotz dieser Risiken bleibt die Grundthese positiv: KI-Investitionen wirken derzeit als makroökonomischer Wachstumstreiber. El Shaer erwartet in diesem und im kommenden Jahr weltweit rund 750 Milliarden Dollar an Investitionen in KI-Infrastruktur. Getragen werde dieser Boom vor allem von den Hyperscalern, aber auch von Unternehmen, die Rechenzentren auf eigenen Servern oder in privaten Cloud-Umgebungen betreiben wollen. Aus Kreditmarktsicht sei das relevant, weil der Ausbau von KI-Kapazitäten reale Nachfrage nach Halbleitern, Rechenzentren, Elektrifizierung und Energieversorgung auslöse. "In Amerika waren die KI-Investitionen der Hyperscaler, also Unternehmen wie Meta, Amazon oder Google, letztes Jahr für bis zu 50 Prozent des Wirtschaftswachstums verantwortlich", erklärte El Shaer.

Davon profitieren mehrere Glieder der Wertschöpfungskette: Chiphersteller, Hyperscaler, Versorger und Unternehmen aus dem Bereich Elektrifizierung und Infrastruktur. Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Energie, was Versorgungsunternehmen und entsprechende Zulieferer in eine strukturell attraktive Lage versetze. Auch auf der Finanzierungsseite eröffne der Trend Chancen: Um steigende Investitionen zu stemmen, ohne die Bilanzrelationen zu stark zu belasten, werde ein wachsender Teil der Finanzierung über Hybridanleihen abgewickelt. Gerade bei engen Spreads könnten solche Instrumente zusätzliche Renditechancen bieten.

Erhebliche Unsicherheiten
Gleichzeitig warnt der Portfoliomanager vor erheblichen Unsicherheiten. Die Rendite auf viele IT-Investitionen lasse sich derzeit kaum verlässlich einschätzen. Niemand könne sicher sagen, wie schnell sich die Technologie weiterentwickle, wie lange heutige GPUs wirtschaftlich nutzbar seien oder wann Rechenzentren technisch nachgerüstet werden müssten. Dennoch seien die Hyperscaler bilanziell robust genug, um auch hohe KI-Ausgaben zu verkraften. "Wenn alle KI-Investments der Hyperscaler auf null abgeschrieben würden, würde sich wahrscheinlich kein einziges Rating dieser Unternehmen verändern", erklärte El Shaer. Anders sei die Lage bei Unternehmen mit aggressiverer Bilanzpolitik.

Al Shaer betonte, dass die eigentliche Revolution nicht in Chatbots als Suchmaschinenersatz liege, sondern in der Umgestaltung von Arbeitsprozessen, vor allem im Servicebereich. Diese Umstellung werde jedoch nicht über Nacht erfolgen, da neue Technologie in bestehende Prozesse integriert werden müsse. Das führe zu Unsicherheit und Marktverwerfungen. Als Beispiel nennt er den Softwaresektor: Nach dem Erscheinen neuer KI-Modelle sei zeitweise befürchtet worden, dass klassische Software-Geschäftsmodelle überflüssig werden könnten. Aktienkurse gerieten stark unter Druck. Aus Kreditsicht sei das Bild jedoch differenzierter: Die fundamentale Bonität vieler großer Softwareunternehmen sei stabil geblieben, da sie über starke Wettbewerbsvorteile, proprietäre Daten und tiefe Kundenintegration verfügten.

Für Bond-Investoren liege das Risiko daher oft weniger in unmittelbaren Ausfällen als in einer veränderten Finanzpolitik. Unternehmen könnten mit höheren Schulden, Übernahmen oder Aktienrückkäufen auf den wachsenden Wettbewerbsdruck reagieren. Gerade dadurch entstünden auch Opportunitäten, wenn Spreads überreagieren. (dv)

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