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Welche Faktoren den deutschen Gasmarkt heute prägen

Panik sei angesichts der niedrigen Füllstände in den Gasspeichern unangebracht, schreibt Senior Portfoliomanager Thomas Benedix von Union Investment in seinem aktuellen „Standpunkt“. Gasmarkt und Nachfrage hätten sich stark verändert.

Zu einer Gasmangellage werde es nicht kommen, glaubt Senior Portfoliomanager Thomas Benedix von Union Investment. 
Zu einer Gasmangellage werde es nicht kommen, glaubt Senior Portfoliomanager Thomas Benedix von Union Investment. © Union Investment

Eckpunkte:

  • Gasspeicherfüllstände liegen weiterhin weit unter historischen Durchschnitten
  • Es hat sich vieles verändert: Mehr Flüssiggas, was leichter beschafft werden könne
  • Gesunkene Nachfrage: Haushalt verabschieden sich von der Gasheizung

Die deutschen Gasspeicher sind längst nicht gut gefüllt. Das ursprünglich von der Regierung ausgegebene Ziel, bis November einen Füllstand von 80 Prozent sicherzustellen, könne kaum noch erreicht werden, konstatiert auch Thomas Benedix, Senior Portfoliomanager bei Union Investment. In seinem aktuellen „Standpunkt“ schreibt er: „Beruhigend ist das nicht, Panik ist allerdings unangebracht.“

Für die aktuelle Sitation gebe es verschiedene Gründe: Erstens sei ein Angebotsdefizit angesichts des Konflikts im Nahen Osten und der Sperrung der Straße von Hormus vorhanden. Zweitens war „Gas in der ersten Jahreshälfte schlicht so günstig, dass es sich für viele Exporteure nicht gelohnt hat, nach Europa zu verschiffen. Der Rohstoff ging also bevorzugt nach Asien, wo zudem höhere Preise gezahlt wurden als in Europa“, weiß Benedix.

Mittlerweile habe sich diese Situation allerdings gedreht: „Inzwischen bekommen die Exporteure mittlerweile eine Prämie von rund fünf Euro pro Megawattstunde, wenn sie das Gas nicht nach Asien, sondern nach Europa liefern.“ Die Speicher begönnen sich inzwischen auch zügiger zu füllen als in den vergangenen Monaten.

2022: 300 Euro pro Megawattstunde
Wie verlässlich der Mechanismus funktioniert, habe sich zudem im Jahr 2022 gezeigt, als nach dem russischen Überfall auf die Ukraine die Pipelines gekappt wurden und die Bundesregierung alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um Gas zu importieren. „Der Preis lag mit rund 300 Euro pro Megawattstunde seinerzeit weit jenseits der gewohnten Niveaus. Zu einer Mangellage kam es in Europa aber nie. Aktuell erreicht die Megawattstunde schon überdurchschnittliche 80 Euro“, so Benedix.

Auch habe sich die Importstruktur verbessert: „Vor fünf Jahren kamen Gasimporte fast ausschließlich über Pipelines aus Osteuropa nach Deutschland. Mittlerweile ist die Versorgung durch Flüssiggasterminals diversifiziert, so dass an mehreren Stellen von verschiedenen Anbietern Gas abgenommen werden kann“, schreibt Benedix. Deutschland sei also nicht mehr so sehr auf prall gefüllte Lager angewiesen.

Sorge um hohe Gaspreise
Außerdem habe sich die Nachfrage in Europa in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent verringert, nicht zuletzt, weil viele Haushalte sich von ihrer Gasheizung verabschiedet hätten. Ein Teil des Rückgangs gehe allerdings auch auf die geringere Auslastung energieintensiver Industrien zurück. Dementsprechend halte heute ein zu 70, 75 oder 80 Prozent gefüllter Speicher länger als noch vor fünf Jahren.

Benedix warnt aber auch vor höheren Gasrechnungen aufgrund der bereits gestiegenen Preise. „Zum Vergleich: „Vor dem Iran-Krieg waren eher 30 Euro pro Megawattstunde üblich. Wenn sich die Lage zuspitzt, sind auch 100 Euro im Rahmen des Möglichen“, so der Portfoliomanager. (de)

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