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Weiterer Tabubruch: Kauft die EZB zukünftig auch Bankanleihen?

Anleiheinvestoren in Europa beginnen darüber zu spekulieren, ob die Europäische Zentralbank eine potenzielle Zinssenkung mit noch nie dagewesenen Käufen von vorrangigen Bankverbindlichkeiten verknüpfen wird. Damit droht aber ein Interessenskonflikt, da die EZB die Banken auch beaufsichtigt.

lagarde draghi
© Andreas Arnold / Bloomberg

Nachdem die EZB nicht nur Anleihen von mehr oder weniger solventen Staaten und auch Industrieanleihen im Rahmen ihres Quantitative-Easing-Programmes kauft, könnte der nächste Tabubruch erfolgen. Bisher haben die geldpolitischen Entscheidungsträger davor zurückgeschreckt, unbesicherte Bankanleihen zu kaufen - nicht zuletzt wegen möglicher Interessenkonflikte, die sich aus der Rolle der EZB bei der Regulierung der Banken ergeben, von denen sie die Bankbonds erwerben würde.

Irgendwann könnten Käufe von Bankanleihen jedoch ein Thema werden - insbesondere wenn eine weitere Senkung der Negativzinsen im Raum stünde, die seit Jahren auf die Gewinne der Kreditinstitute drücken. Über diese Überlegungen berichtet Bloomberg.

„Viel effizienterer Weg“
„Es wäre natürlich nicht ideal, aber die EZB ist bereits gezwungen gewesen, sich mit der quantitativen Lockerung in ein ziemlich umstrittenes Gebiet zu wagen”, sagte Gilles Moec, Chefvolkswirt bei Axa Investment Management. “Wenn man überlegt, was vom EZB-Arsenal noch übrig bleibt, gibt es keine idealen Optionen.”

Käufe von vorrangigen Anleihen wären ein „viel effizienterer Weg“, den Banken zu helfen, eine weitere Zinssenkung zu verkraften, als dies bei potenziellen Alternativen der Fall wäre. Denn die Bankbondkäufe würden Kreditinstituten in schwächeren Volkswirtschaften mit einem erheblichen bevorstehenden Emissionsbedarf zugute kommen, sagte Moec. Mit dieser Veränderung würde auch das Universum der für EZB-Käufe zulässigen Papiere erheblich erweitert, da Bankanleihen rund 30 Prozent des bonitätsstarken Euro-Universums ausmachen, erklärt M&G Investments.

Investoren spekulieren bereits am Rentenmarkt auf eine Wiederaufnahme und Ausweitung der EZB-Bondkäufe, nachdem Notenbankpräsident Mario Draghi in vergangenen Monat mögliche Lockerungsmaßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur signalisierte.

EZB hielt sich bislang aus guten Gründen bei Bankanleihen zurück
Bisher hat die EZB von Banken nur Covered Bonds gekauft, die in der Regel durch Hypotheken besichert sind. Unbesicherte Bankanleihen waren vom Programm zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors (CSPP) ausgeschlossen, über das seit 2016 Papiere im Volumen von erworben wurden. Direktoriumsmitglied Benoit Coeure sagte im Jahr 2016, dass der Kauf von vorrangigen Bankanleihen die falschen Reformanreize für Banken schaffen würde.

Ein weiteres Direktoriumsmitglied, Yves Mersch, sagte im März, er glaube nicht, dass der Kauf von Bankanleihen unter dem gegenwärtigen geldpolitischen Regime in Kürze passieren werde. Auch sein Kollege Peter Praet äußerte kürzlich Bedenken hinsichtlich des Kaufs von Bankanleihen angesichts der aufsichtsrechtlichen Funktion der EZB. Die Zentralbank hat die direkte Aufsicht über 114 Kreditinstitute, auf die laut deren eigenen Daten zufolge fast 82 Prozent der Bankaktiva im Euro-Währungsgebiet entfallen.

“Wir sind überzeugt, dass vorrangige Bankverbindlichkeiten aus offensichtlichen Gründen von Interessenkonflikten in keinem zukünftigen CSPP 2.0 enthalten sein werden”, sagte Franck Dixmier, globaler Leiter Festverzinsliche bei Allianz Global Investors. Die EZB könne noch viele Unternehmensanleihen zum Kauf finden, ohne ihre Kriterien zu erweitern, sagte er.

Chinese Walls könnten die Lösung sein
Interessenkonflikte könnten überwunden werden, da der Aufsichtsarm der EZB operativ von der geldpolitischen Seite getrennt ist, sagt Moec von Axa. Zudem liegt die Entscheidung über die Abwicklung einer gestrauchelten Bank bereits in der Verantwortung des Einheitlichen Abwicklungsgremiums, einer EU-Agentur, und nicht in der Verantwortung der Zentralbank.

Anleihekäufe könnten auch andere EZB-Programme, wie das Repo-Geschäft, untergraben, indem sie den Kreditinstituten neuen Zugang zu Zentralbankfinanzierungen ermöglichen, sagten die Commerzbank-Analysten Ted Packmohr und Michael Weigerding.

Draghi hat jedoch in der Vergangenheit bei der Ankündigung von geldpolitischen Stimuli des öfteren für Überraschungen gesorgt. Das ist möglicherweise der beste Grund zu erwarten, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger trotz aller damit verbundenen Herausforderungen den Vorstoß in den Markt für Bankanleihen wagen werden.

„Die EZB könnte die Märkte erneut überraschen”, schrieb Wolfgang Bauer von M&G in einer Notiz. “Die große Wende könnte diesmal die Einbeziehung von vorrangigen Bankanleihen sein.” (aa)

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