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Wasser in den Wein: 2026 birgt auch Unsicherheiten und Gefahren

Das neue Jahr hält Risiken und Enttäuschungen parat, warnt der Investmentberater Dolphinvest. Trotz der massiven fiskalischen und monetären Unterstützung gibt es laut Portfoliomanager Thomas Böckelmann Gefahren für die Wirtschaft dies- und jenseits des Atlantik. Für China zeigt er sich optimistisch.

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Die gute Stimmung, die in den meisten Jahresausblicken zum Kapitalmarkt verbreitet wird, dämpft der Investmentberater Dolphinvest. Die fiskalischen Anreize aus Donald Trumps "Big Beautiful Bill" gingen "zulasten des finanziell bereits maximal gedehnten Staatshaushaltes" der USA, schreibt Thomas Böckelmann, Leiter Portfoliomanagement bei dem Frankfurter Unternehmen. Verzögert eintretende Bremswirkungen erwartet er auch aus den US-Importzöllen.

Die großen Konjunkturpakete, die auch in Europa, China und Japan erwartet werden, nennt Böckelmann "ungewöhnlich", da es solche Maßnahmen historisch nur bei schweren Rezessionen oder nach Kriegen gegeben habe. Diese und die Zinssenkungen, die für viele Länder erwartet werden, sieht er skeptisch: Es werde "ausgeblendet, dass im Zustand einer gesunden, zumindest widerstandskräftigen Wirtschaft zusätzliche Impulse für Risiken sorgen – ein erneutes Aufflackern der Inflation einerseits, die Bildung von Vermögenspreisblasen andererseits“. Neben geopolitischen Verwerfungen nennt er vor allem Enttäuschungen an der Zinsfront und Zweifel um die Rentabilität überbordender KI-Investitionen.

Trump habe in den ersten Monaten seiner Amtszeit "viel erreicht", so Böckelmann. Trotz dem "historischen Ausmaß an Re-Nationalisierung und Protektionismus, das jeder belastbaren ökonomischen Theorie widerspricht“ wachse die US-Wirtschaft, und viele Handelspartner richteten sich US-freundlich aus. Bislang trügen viele ausländische Unternehmen die "Zollzeche", doch Böckelmann sieht die Möglichkeit von negativen Auswirkungen auch auf die US-Konsumenten, deren Vertrauen sich bereits auf einem Fünfjahrestief befinde. Er verweist auf Befürchtungen von Ökonomen, dass die Wirtschaft vor allem durch politische Programme und KI-Investitionen wachse, aber Arbeitsmarkt und Konsumenten nicht profitierten.

Bürokratischer Würgegriff
Die EU befindet sich laut Böckelmann im "bürokratischen Würgegriff, der Innovationen lähmt und Wohlstand nachhaltig gefährdet". Die positiven Kommentare vieler Volkswirte zu Deutschland ignorierten die "Reformunfähigkeit" der Regierung, und Frankreich habe unabdingbare Reformen aufgeschoben. Im europäischen Binnenmarkt sieht Böckelmann eine "Riesenchance", mit den Vorarbeiten von Enrico Letta und Mario Draghi lägen die entsprechenden marktwirtschaftlichen Konzepte vor. Böckelmann befürchtet aber, dass die Lage in Europa "noch schlechter werden müsse, bevor tatsächlich politische Umsetzungsimpulse gesetzt werden".

Im chinesischen Staatskapitalismus sieht er ein "Erfolgsmodell". Das Land habe seine Dominanz im Rohstoffsektor ausgebaut und präsentiere sich, anders als die USA, als verlässlicher Handelspartner. Die Abhängigkeit zwischen China und den USA sei wechselseitig, dennoch arbeiteten beide Länder an ihrem "De-Coupling", das auch Auswirkungen auf die Lieferketten von Drittregionen wie Europa habe. (dv)

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