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Was nach dem Abschwung kommt: Aufschwung, Rezession oder etwas anderes

Dr. Martin Hüfner, Chief Economist der Münchner Investment-Boutique Assenagon Asset Management, findet Gründe, warum sowohl eine Rezession als auch ein neuer Aufschwung aus heutiger Sicht unwahrscheinlich sind. Er hat dafür eine andere Formation im Auge.

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Dr. Martin W. Hüfner sagt: "Der konjunkturelle Abschwung hat sich zuletzt verlangsamt. Noch ist er aber nicht vorbei". Am plausibelsten erscheint dem Ökonomen derzeit ein konjunkturelles "L" mit einer längeren Phase niedrigen Wachstums.
© Assenagon AM

Wie geht es mit der Konjunktur weiter? Das fragt sich nicht nur  Dr. Martin Hüfner. Zuletzt gab es rund um den Globus Anzeichen, dass sich der Abschwung ver­langsamen würde. Sowohl in China als auch in den USA und in Europa war das Wachstum im ersten Quartal über­raschend hoch. Die Talfahrt der Wirtschaft hat offenbar eine Pause eingelegt. Es wäre jedoch zu früh, dem Abschwung endgültig "goodbye" zu sagen.

Was kann konjunkturell passieren?
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten. Erstens kann der Abschwung wieder Fahrt aufnehmen. In dieser Woche hat der Konjunkturindikator des ZEW wieder nach unten ge­dreht. Es geht dann in Richtung Rezession. Das reale BIP schrumpft  - im Jahr 2009 verringerte es sich am Tiefpunkt um fast acht Prozent, und die Arbeitslosigkeit steigt. An den Finanz­märkten kommt es zu größeren Verwerfungen. Geld- und Finanzpolitik werden alles tun, um das Schlimmste zu verhindern. 

Das ist es, was die "ewigen Pessimisten" im Kopf haben. Sie meinen, der Aufschwung habe schon viel zu lange ge­dauert. Die Bewertungen an den Finanzmärkten seien über­zogen. Überall gebe es Blasen. Die Verschuldung der Staa­ten und der Unternehmen sei auf Dauer nicht mehr tragfä­hig. Das fordere eine Korrektur. Es gäbe also noch einmal eine große Finanzkrise wie 2008/2009.

Szenarien der Konjunktur anhand des ifo-Indexes

Quelle: ifo

Bauchgefühl kann auch trügen
Andererseits gibt es außer dem unguten Bauchgefühl ei­niger Investoren keine konkreten Hinweise, dass ein sol­ches Szenario zwingend oder auch nur wahrscheinlich ist. Das Finanzsystem ist heute risikobewusster und besser mit Kapital ausgestattet. Viele Unternehmen haben Strukturver­besserungen eingeleitet. Der Arbeitsmarkt ist stabil. In der Geschichte hat es noch nie zwei große Finanzkrisen so kurz hintereinander gegeben.

Dreht der Abschwung in einen Aufschwung im weiteren Jahresverlauf?
Das ist die zweite Möglichkeit: Die wirtschaftliche Dynamik nimmt wieder zu. Hüfner dazu: "Das ist es, was die meisten pro­fessionellen Prognostiker derzeit annehmen. Der IWF bei­spielsweise geht davon aus, dass sich das Wachstum des realen BIPs der Welt 2020 von 3,3  auf 3,6 Prozent beschleu­nigt. Ähnlich der deutsche Sachverständigenrat, die Ge­mein­schaftsprognose der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute, die Bundesregierung, die EZB oder die OECD. Die Sachverständigen rechnen damit, dass sich das Wachstum im Euroraum von 1,2 auf 1,4 Prozent erhöht, in Deutschland von 0,8 auf 1,3 Prozent."

Wenig überzeugende Gründe für dieses Szenario
"Da wird auf zyklische Gesetzmäßigkei­ten verwiesen, nach denen nach einem Abschwung stets ein Aufschwung folgt. Da wird gesagt, dass die Handelsre­striktionen wieder abgebaut werden könnten", merkt Hüfner an. Es heiß auch, die Situation in Lateinamerika, Russland und im Nahen Osten werde sich verbessern. Andererseits werde sich die Lage in den USA und in Japan eher verschlechtern. "Als kritischer Beobachter hat man den Eindruck, dass bei vielen dieser Vorhersagen der Wunsch der Vater des Ge­dankens ist, nicht der ökonomische Verstand", so Hüfners Résumé.

Dritte Möglichkeit: Der Abschwung kommt zum Ende
Es gibt aber keine Rezession. Es folgt auch kein wirklicher Aufschwung. Vielmehr folgt eine Seitwärtsbewe­gung. Das Ergebnis ist nicht das bekannte "U", sondern ein "L". Das sei ein Fall, der derzeit eher weniger diskutiert werde, so Hüfner. Er sei aus seiner Sicht aber nicht unplausibel.

Es fehlt an Kräften, die die Wirtschaft wieder nach oben ziehen
Hüfners Befund lautet: Die Finanzpolitik ist zwar expansiv, aber eher nur halbherzig. Größere Konjunktur- oder Investitions­programme gibt es nicht. Auch die Geldpolitik ist zögerlich. Die EZB stellt etwas mehr Liquidität zur Verfügung und ver­schiebt die angekündigten Zinserhöhungen nach hinten. Ein Ruck wird dadurch nicht durch die Wirtschaft und die Fi­nanzmärkte gehen. Andererseits werden die Handelsrestrik­tionen und die politischen Spannungen in der Welt nicht so "mir nichts dir nichts" verschwinden. 

Das konjunkturelle "L" muss nicht ewig anhalten
Es wird in den einzelnen Ländern auch unterschiedlich ausgeprägt sein. Für Deutschland, Italien und zum Teil Frankreich wird es zu einem Japan-Szenario kommen. Das Wachstum wird niedrig sein, vielleicht um die ein Prozent p. a. Die Inflation wird sich unterhalb des Stabilitätsziels von zwei Pozent bewegen. In Deutschland wird es wieder öffentliche Defizite geben. In anderen Ländern werden die Fehlbeträge über die Maas­tricht-Grenze von drei Prozent des BIPs steigen. Die langfristigen Zinsen bleiben nominal bei Null und real (also abzüglich der Preissteigerung) negativ. Hüfner ergänzt: "In anderen Ländern der Eurozone wie Österreich, Spanien oder den Niederlanden wird es nicht so schlimm kommen. Vor allem ist das Wachstum dort höher. Im Euroraum gibt es Spannungen, weil diese Länder eigentlich höhere Zinsen vertragen könnten."

Was bedeutet das für den Investor?
Hüfner: "Ein Japan-Szenario klingt auf den ersten Blick bedrohlich. So etwas will in Europa niemand haben. Andererseits hat das fernöstliche Land seit fast 30 Jahren damit gelebt, und es ist ihm in dieser Zeit nicht schlecht gegangen. Es ist kein sterbendes Land geworden. Bei Bonds kann man unter die­sen Verhältnissen mit Trading oder mit Investitionen in schlechter geratete Papiere Geld verdienen. Der japanische Aktienmarkt hat sich lange Zeit mit den neuen Gegebenhei­ten schwer getan. In den letzten zehn Jahren ist er jedoch stärker gestiegen als etwa der DAX Kursindex. Anleger brauchen vor einer Japanisierung keine Angst zu haben." (kb)

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