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Was man über das Fed-Kaufprogramm für Bond-ETFs wissen muss

Nicht einmal Ben Bernanke hatte es 2008 am Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise gewagt, über den Kauf von Unternehmensanleihen oder gar Aktien nachzudenken. Doch unter Jerome Powell ist nun alles anders.

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Unter seiner Führung betritt die Fed neues Terrain. Ob die Übung den gewünschten Effekt haben wird, wird man im Markt bald sehen können. 
© Andrew Harrer / Bloomberg

Nun schreitet die Fed zur Tat und hilft durch Corporate Bond-Käufe allen aus der Patsche, die ihre Aktienkurse durch Stock Buyback-Programme in die Höhe getrieben haben - oder noch schlimmer - die wie Private Equity-Gesellschaften, ein Spiel mit hohen Hebeln gespielt haben und sich nun (Moral Hazard!) von der Fed retten lassen, indem die Zentralbank deren Anleihen kauft und damit im Kurs stabilisiert.  

Kurz zusammengefasst, sagte die Fed, sie werde Investment Grade Bonds kaufen, kurz darauf besserte sie noch nach und verkündete, auch Anleihen von Fallen Angels und damit High Yield im BB-Bereich durch die Secondary Market Corporate Credit Facility (SMCCF) zu erwerben. Am Dienstag startete das Kaufprogramm, und der LQD (iShares IBoxx $ Investment Grade Corporate Bond Fund) ging gleich nach oben, wie der folgende Chart zeigt.

Investment Grade Corporate Bond ETF für Dollar-Papiere legte gleich zu

Quelle: Bloomberg

Das Programm sieht vor, liquide Investment Grade und High Yield ETFs zu kaufen, wobei der Schwerpunkt der Käufe auf ersteren liegt. Der Kauf von Bonds einzelner Emittenten ist auch zulässig, wenn sich diese als qualifiziert erweisen. Wie diese Zertifizierung aussehen soll, steht noch in den Sternen, Bis diese Papiere publiziert werden, könnte es noch dauern, meinen Beobachter, sodass die Einzeltitelkäufe erst in einigen Wochen umgesetzt werden können.  

Investmentstrategie der Fed
In der ersten Phase beginnt die Fazilität mit dem Kauf von ETFs, wobei diese Deals auf die Verringerung der breitbasierten verschlechterten Liquidität am Bondmarkt, die man im März 2020 beobachten konnte, abzielen, um einen Zustand ähnlich dem vorangegangenen in ruhigen Zeiten wiederherzustellen. Diese erste Phase soll rasch vonstatten gehen. Dann folgt die laufende Beobachtung (Onging Monitoring): Wenn sich die Funktionstüchtigkeit des Marktes verbessert und an das Niveau herankommt, das den wirtschaftlichen Bedingungen entspricht, wird das Ankaufsprogramm verlangsamt auf reduziertem Niveau weitergeführt. Mit 30. September läuft das Ankaufsprogramm dann aus (Reduction in Support), es sei denn, dass vorher etwas anderes entschieden wird. 

Parameter entscheiden über Tempo, Volumen, Branchen
Zweitens werden Tempo und Pfad der Ankäufe, die die Fed vorgibt, von verschiedenen Parametern wie etwa dem täglichen Handelsvolumen in den relevanten Märkten abhängen. Dazu kommen verschiedene Kenngrößen betreffend die Funktionsfähigkeit des Marktes, die Veränderungsrate dieser Kenngrößen sowie eine breiter gefasste Gesundheit des Marktes und makorökonomische Indikatoren. All diese Messzahlen wie Transaktionskostenschätzungen, Geld-/Brief-Spannen, der Verlauf der Kreditkurve, Spreadniveaus und Volatilitäten, Volumina und Handelsbestände bestimmen die Ankaufsstrategie. Dazu kommen noch ETF-spezifische Kenngrößen wie Prämien beziehungsweise Discounts zum NAV und Creation-/Redemption-Volumina. Sollte man ein verbessertes Funktioneren des Marktes beobachten können, sollten die Ankäufe am unteren Ende des täglichen Handelsvolumens liegen; im anderen Fall am oberen Ende. 

Fed gibt den Ton an als Herrin des Verfahrens
Die Vereinbarungen mit den Investment Managern, die dieses Geschäft für die Fed besorgen, sehen weiters vor, dass die Fed die bestimmende Kraft ist und anfangs vor allen dort gekauft werden soll, wo die Herausforderungen in Bezug auf die (mangelnde) Liquidität am größten sind, später allerdings sollen über das Bonduniversum der zertifizierten Emittenten proportional zu deren ausstehenden Anleihevolumen Papiere erworben werden.  

Single Bonds als Krönung nach dem Ausreizen der ETF-Quote
Der Markt wartet natürlich auf den Beginn des Ankaufs individueller Anleihen durch die Fed. Die Bank of America schätzt, dass die Fed nur die Kapazität hat, zirka 28 Milliarden US-Dollar an Investment Grades Bond-ETFs und acht Milliarden US-Dollar an High Yields ETFs kaufen zu können, um nicht mehr als 20 Prozent der Anteile an Bond-ETFs zu halten, berichtet zerohedge. Zudem wird die Fed nicht mehr als ein Prozent Prämie auf den NAV eines ETFs bezahlen. Das bedeutet, dass ein größeres Repricing zwischen ETFs und den zugrunde liegenden Anleihen letztendlich immer zugunsten des Assets gelöst wird, das billiger ist. (kb)

 

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