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Was können Investoren von Peru vor der Präsidentenstichwahl erwarten?

Seit dem überraschenden Sieg von Pedro Castillo, dem Präsidentschaftskandidat der Partei Freies Peru, beim ersten Wahlgang im April summiert sich sein Vorsprung in den Umfragen nun auf komfortable zehn bis 15 Prozent. Damit rückt eine Präsidentschaft Castillos in greifbare Nähe.

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Peter Eerdmans, Head of Fixed Income beim Asset Manager Ninety One
© Ninety One (vormals Investec AM)

"In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass Pedro Castillo die Stichwahl gewinnt. Dennoch ist die Ungewissheit weiterhin groß und das Ergebnis könnte knapp ausfallen, wie das Aufholen von Keiko Fujimori in den letzten Umfragen beweist", sagt Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One.

Welche Politik ist zu erwarten, falls Castillo die Stichwahl für sich entscheidet?
Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick in das Jahr 2011, als Ollanta Humala die Präsidentschaftswahl gewann. Auch er trat mit einem radikalen Wahlprogramm an, bevor er in die politische Mitte rückte und das Land schließlich als ein auf Kontinuität setzender Präsident führte. Castillo ist ideologischer als Humala. Doch eine Reihe von Faktoren wird einen künftigen Präsidenten Castillo wohl daran hindern, die radikaleren Elemente seiner Agenda umzusetzen.

Es wird wohl nicht so heiß gegessen wie gekocht werden
"Die Verfassung zu ändern, dürfte Castillo kaum gelingen, da er dafür die Hürde einer Zweidrittelmehrheit im Kongress nehmen muss. Auch wird er in der Bevölkerung vermutlich keine ausreichende Unterstützung für einen Volksentscheid bekommen, mit dem das Wirtschaftssystem des Landes umgestaltet werden könnte. Für Verstaatlichungen oder Strafsteuern wäre es erforderlich, dass der Kongress kooperiert, womit nicht zu rechnen ist. In Anbetracht seines bisher sehr überschaubaren Teams aus Technokraten muss Castillo möglicherweise anderen Parteien „Friedensangebote“ machen. Zudem muss er die Basis seiner Unterstützer ausbauen, indem er relativ gemäßigte Persönlichkeiten für Schlüsselpositionen seines Kabinetts und für den Vorstand der Zentralbank auswählt", meint Peter Eerdmans. Die Wahrscheinlichkeit, dass Castillo eine gemäßigte Politik verfolgt, sieht Ninety One derzeit bei 40 Prozent. Zudem ist eine Erholung der Vermögenspreise von Aktien und Anleihen, aber keine Rückkehr auf die Niveaus vor der Wahl zu erwarten.

Radikales Programm wäre für Investoren unattraktiv
Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Castillo als Präsident seine radikalen Ideen umzusetzen versucht und eine sehr polarisierende fünfjährige Amtszeit antritt. Das wäre aus Investorensicht das unattraktivste Szenario. Eine solche Politik würde zu großen Spannungen mit dem Kongress führen, der ihm im Weg stehen dürfte.

Fujimoris Chance
Castillos Rivalin bei der Stichwahl im Juni, Keiko Fujimori, Tochter des inhaftierten ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori, sollte aber noch nicht abgeschrieben werden. Als scheinbare Verfechterin einer freien Marktwirtschaft steht Fujimori vor einer schweren Aufholjagd, um die Lücke in den Umfragen zu Castillo zu schließen. Das könnte ihr mit einer guten Wahlkampagne gelingen, die sich auf die Eindämmung der Pandemie konzentriert, die für die Peruaner derzeit an erster Stelle steht. In dem von der Pandemie schwer gebeutelten Kontinent hat Peru eine desaströse Bilanz vorzuweisen: Laut dem Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins University gehört es zu den Ländern mit den höchsten Infektionszahlen gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Fujimori muss ihre Kandidaten für Schlüsselpositionen klug auswählen, um die Angst vor einer Rückkehr zu einer autokratischen Politik im Stile ihres Vaters zu zerstreuen. Sie könnte aber vergleichsweise gut mit dem Kongress zusammenarbeiten, besonders zu Beginn ihrer Präsidentschaft, was eine gewisse Kontinuität signalisieren würde. Eerdmans: "Dies wäre eindeutig die vom Markt bevorzugte Option. Sollte es dazu kommen, erwarten wir eine kräftige Erleichterungsrallye".

Szenarien für die Stichwahl und ihre politischen Folgen
Die folgende Auflistung enthält die neuesten Prognosen von Ninety One vom 11. Mai 2021 in der Reihenfolge ihrer Wahrscheinlichkeit, inklusive Annahmen zur Entwicklung der Vermögenspreise.

1)       Castillo gewinnt die Stichwahl und verhält sich wie Humala (40 Prozent  Wahrscheinlichkeit). Die Folge wären ähnliche Kursverluste wie bei Humala im Jahr 2011

2)       Keiko Fujimori gewinnt die Stichwahl (40 Prozent Wahrscheinlichkeit). Dies würde bedeuten, dass die Vermögenspreise in die Bandbreiten vor Beginn der wahlbedingten Unsicherheiten zurückkehren .

3)       Castillo gewinnt die Stichwahl und verfolgt eine radikale Politik (20 Prozent  Wahrscheinlichkeit). Dies hätte zur Folge eine signifikante Neubewertung des Länderrisikos; der Markt preist nach und nach eine mögliche Herabstufung peruanischer Anleihen in das Hochzinssegment ein.

Wer wird sich durchsetzen?
Es bleibt also abzuwarten, ob sich Castillo im Juni durchsetzt und wenn ihm das gelingt, welchen Weg er in seiner Amtszeit einschlagen wird. "Investoren sollten in den kommenden Wochen jedenfalls diese drei Szenarien und ihre möglichen Auswirkungen im Blick behalten", sagt Ninety One-Experte Eerdmans. (kb)

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