Was haben Fußball, Wintersport und Dekaden mit der Börse zu tun?
Haben Ereignisse wie eine Fußball-WM oder eine Olympiade, denen man nachsagt, dass während dieser Zeit unliebsame politische Entscheidungen getroffen werden, überhaupt Einfluss auf die Kurse in Deutschland? Vielleicht ist es aber auch besser, den Dekadenzyklus zu betrachten, um erfolgreich zu sein.

"Spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft in Katar weiß man, dass dieses Großereignis nicht zwangsläufig im Sommer unserer Hemisphäre stattfinden muss. Daher fällt dieser Zeitraum für eine explizite Analyse weg. Trotzdem lohnt der Blick auf die Jahre, in denen solche Turniere stattgefunden haben", findet Christoph Geyer, Gewinner des AktienAnalystenAwards Technische Analyse.
Fußball-WM am Seziertisch
Betrachtet man die letzten 16 Jahre, in denen eine Fußball-Weltmeisterschaft der Herren stattgefunden hat, fallen zwei Zeiträume besonders auf. Geyer dazu: "Der erste erstreckt sich vom April bis zum Oktober. Hier ist spontan eine ausgeprägte Abwärtsbewegung zu erkennen. Diese fällt mit drei zu 13 Jahren besonders auffällig aus, und auch die Performance, die in dieser Zeit mit einer Shortposition zu erzielen ist, kann sich mit über 17 Prozent sehen lassen.
DAX-Saisonalität über 16 Jahre mit anhaltendem Abwärtstrend bis in den Herbst hinein
Über diesen Zeitraum ist eine anhaltender Sommer- und Frühherbstschwäche beim führenden deutschen Aktienbarometer zu konstatieren.
Quelle: Seasonax
Zweiter Zeitraum
Dieser schließt unmittelbar an die eben beschriebene Phase an. Über einen wesentlich kürzeren Zeitraum, nämlich von Oktober bis Dezember, ist hier mit einer Erfolgsquote von zwölf zu vier Jahren ein durchschnittlicher Ertrag von knapp zehn Prozent zu erwarten. Geyers Rezept: "Setzt man den Stopp bei fünf Prozent für beide Zeiträume fest, ergibt sich insgesamt eine sehr gute Chance, mit der Statistik dieses Events erfolgreich zu sein."
Olympische Winterspiele in Cortina d‘ Ampezzo Italien
Was den Zeitraum betrifft, so finden Olympische Winterspiele notwendigerweise immer im Winter statt. Geyer führt aus: "So könnte man nun sagen, der Jahresverlauf in einem olympischen Winterspiele-Jahr muss identisch mit dem einer Herren Fußball-Weltmeisterschaft sein. Dies ist seit 1994 auch der Fall. Davor fanden die Winterspiele immer im gleichen Jahr wie die Sommerspiele statt. Aus diesem Grund haben wir auch diese Jahre vor 1994 im entsprechenden Vier-Jahres-Rhythmus untersucht."
Der Zeitraum, in dem die Winterspiele stattfinden, zeigt keine besondere Auffälligkeit, weshalb dieser vernachlässigt werden kann. Es ist allerdings nicht sonderlich verwunderlich, dass dieser Chart recht ähnlich dem des Fußball-Events ist. Allerdings sind die Zeiträume kürzer, passen aber zum eben beschriebenen Verhalten.
Handelsidee
Von Mitte August bis Anfang Oktober könne mit einer Short-Position ein durchschnittlicher Ertrag von gut neun Prozent bei zwölf entsprechenden Abwärtsbewegungen erzielt werden. Diese hohe Durchschnittsperformance werde allerdings besonders durch die Jahre 1998 und 2002 generiert, so Geyer.
Langfristiger saisonaler DAX-Trend
Dieser zeigt wiederkehrende Abwärtsphasen im Spätsommer und Stabilisierungen im Herbst.
Quelle: Seasonax
Die positive Phase, die sich wiederum direkt an die Abwärtsphase anschließt, dauert nur bis November und kann mit elf zu sechs auf eine gute Verhältniszahl blicken. Hier werden gut neun Prozent in den positiven Jahren im Schnitt verdient werden. Aber auch hier tragen die oben genannten Jahre besonders zur Gesamtperformance bei.
Vielleicht doch lieber auf den Dekadenzyklus schauen?
Es darf sicher trefflich darüber gestritten werden, ob Sportereignisse einen Einfluss auf die Börse haben. "Die gerade gezeigten Zahlen sprechen zwar in Teilen dafür, sind aber natürlich keine Garantie, für künftige Ereignisse", sagt Geyer. "Viele Marktteilnehmer schauen jedes Jahr auf den Dekadenzyklus. Hier wird jede Dekade auf die jeweiligen Jahre überprüft. Das jetzt anstehende Jahr endet auf eine Sechs, weshalb alle diese Jahre zusammengefasst und ein entsprechender Durchschnitt gebildet wurde. Beim DAX liegen zurückgerechnet 60 Jahre zur Begutachtung vor. Die daraus resultierenden sechs Jahre, die auf eine Sechs enden, sind alle im Zeitraum von April bis Juli negativ verlaufen. Im Durchschnitt wurden hier rund zehn Prozent eingebüßt. Allerdings sind für diesen hohen Schnitt besonders die Jahre 1966 und 1986 verantwortlich."
Saisonaler DAX-Verlauf mit deutlicher Schwäche von Frühjahr bis Sommer
Daran schließt eine Erholung zum Jahresende an.

Quelle: Seasonax
Von Juli bis September zeigt sich in dieser Statistik ein Aufwärtstrend mit einer Verhältniszahl von fünf zu eins. Im Schnitt sind hier gut acht Prozent zu verdienen gewesen, weiß Geyer.
Für eine aussagekräftigere Statistik sollte man aber einen noch längeren Zeitraum zu Rate ziehen. Dieser ergibt sich beim S&P 500, bei dem die Statistik der Fußball-Weltmeisterschaft (auch wenn diese dieses Jahr unter anderem in den USA stattfindet) weniger von Interesse sein dürfte, da Fußball (Soccer) als Sportart in den Vereinigten Staaten nicht den Stellenwert wie in den Europäischen Ländern besitzt.
Bei den immerhin neun Jahren, die auf eine Sechs enden, zeigt sich eine positive Entwicklung von Mitte Januar bis Mitte April. Dieser Zeitraum kann mit acht positiven Jahren durchschnittlich mit fast neun Prozent performen.
Saisonaler S&P 500-Verlauf mit insgesamt stabiler, überwiegend positiver Entwicklung

Quelle: Seasonax
Von August bis Oktober stellt sich dann wieder eine Abwärtsbewegung ein, die allerdings keine allzu ausgeprägte Statistik aufweist. Immerhin steht hier noch eine drei zu sechs Jahre mit einem Durchschnitt von knapp acht Prozent in den negativen Jahren zu Buche.
Was kommt dabei heraus, wenn alle Zyklen zusammengenommen werden?
Geyer: "Alle jetzt betrachteten Events zeigen im nun gestarteten Jahr eine mehr oder weniger ausgeprägte Abwärtsbewegung in den Sommermonaten auf. Dies bedeutet, dass man sich entweder mit Short-Positionen befassen, oder zumindest Stopp-Marken für bestehende Engagements festlegen sollte." Und weiter: "Auffällig ist auch der Jahresauftakt, der noch recht positiv verlaufen sollte, und so eine gewisse Sorglosigkeit für den Sommer befeuern könnte. Mit dem Start der statistischen Jahresendrallye, zeigen alle Events das Gleiche oder zumindest ein ähnliches Muster auf."
Fazit
Somit dürfte das Neue Jahr große Herausforderungen mit sich bringen, die man über die hier beschriebenen Zyklen ausnutzen, zumindest aber in den Griff bekommen sollte. Und es kann eine verbesserte Aussage getroffen werden, wenn man Zyklen zusammen betrachtet. "Auch wenn diese analysierten Zyklen auf den ersten Blick nicht viel mit einander zu tun haben, zeigt sich doch, dass es gewisse Überlappungen gibt, die zu mehr Sicherheit bei der Beurteilung von künftigen Verläufen führt", merkt Geyer an. Mit diesem Ansatz könne die Performance gesteigert und die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Trade erheblich verbessert werden. (kb)

