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Was ein Währungskrieg für die USA und den Rest der Welt bedeutet

Im internationalen Handels- und Währungssystem wird es immer ungemütlicher. Was würde ein Währungskrieg wirklich für die wesentlichen Akteure auf der Weltbühne bedeuten?

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
Ein Währungskrieg sei nach den jüngsten Äußerungen des amerikanischen Präsidenten wahrscheinlicher geworden, sagt Dr. Martin Hüfner (Bild), Chefökonom der Münchner Investment-Boutique Assenagon Asset Management.
© Assenagon

Immer mehr rückt die Möglichkeit eines Währungskrieges ins Visier. Bisher haben die USA die Welt mit Handelsrestriktionen überzogen. Nachdem diese aber nicht die er­wünschten Wirkungen für die USA erbrachten, liegt es nahe, dass sie jetzt auch in die Devisenmärkte eingreifen. Präsident Trump hat in den letzten Wochen mehrfach beklagt, dass die Wechselkurse vor allem Europas und Chinas für die Vereinigten Staaten unfair seien. Das werfe eine Reihe von Fragen auf, meint Dr. Hüfner.

Was heißt Währungskrieg?
Aus Sicht der USA geht es zunächst darum, den US-Dollar abzuwerten. Trump denkt im Augenblick wohl an moderate Größenordnungen von zehn bis 15 Prozent. Dann würde sich der Euro/Dollar-Kurs der Kaufkraftparität (derzeit 1,32) nähern. Das könnte man öko­nomisch noch einigermaßen begründen.

Es kann aber auch ganz anders kommen
Hüfner dazu: "Wechselkurse kann man nicht wie Zölle per "executive order" dekretieren. Es sind Marktbewegungen, die manchmal eine Eigendyna­mik entwickeln, die am Ende schwer zu bremsen ist. Nach dem Plaza-Abkommen von 1985, das viele heute als histo­rische Parallele im Kopf haben, wertete der US-Dollar um gut 50 Prozent (!) ab (gemessen am Anstieg des fiktiven Eurokurs von 0,59 auf 1,22, siehe Grafik). Es war so viel, dass man sich gleich wieder zusammensetzte, um die Entwicklung wieder umzu­kehren (Louvre-Abkommen)."

Währungskrieg?
Euro/USD, Kurse vor 1999 aus der D-Mark abgeleitet

Quelle: Bundesbank

Wie beginnt man einen Währungskrieg?
Das sei schwe­rer als man denke, sagt Hüfner. Die erste Möglichkeit sei, dass man den Wechselkurs herunterrede. Das tue der amerikanische Prä­sident bereits. Eigentlich hätte der Markt darauf mit einer Abschwächung des US-Dollar reagieren müssen. Das sei zunächst aber nicht der Fall gewesen. Offenbar habe Trump am Markt nicht die nötige Glaubwürdigkeit. Erst als die Notenbank Zinssenkungen andeutete, habe sich die amerikanische Währung leicht abgeschwächt. Die zweite Möglichkeit sei, dass die USA auf den Märkten kaufen. Hüfnder dazu: "Das haben sie meines Wissens bisher noch nie ge­tan (und wenn, dann nur in geringem Ausmaß). Das wirkt selbstverständlich sofort. Voraussetzung ist aber, dass die betroffenen Gegenparteien nicht ebenfalls aktiv werden und ihrerseits Dollar kaufen. Das ist dann wie bei Zöllen und den entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen: Jeder gegen je­den, ohne dass am Ende einer wirklich profitiert."

Die dritte Möglichkeit sei eine multilaterale Währungskonfe­renz, wie es sie unter dem früheren Präsidenten Reagan in den 80er Jahren gegeben habe. Das habe damals funktioniert. Allerdings seien die Bedingungen in jener Zeit ganz andere gewesen. Es herrschte weltweit Einigkeit, dass der Dollar überbewertet wäre. Er hatte sich zuvor um über 50 % aufgewertet. Jeder wusste, dass das nicht so bleiben konnte. Hüfner: "Diesmal ist der Dollar zwar auch stark. Dafür gibt es aber gute Gründe, vor allem das hohe Wachstum und die hohen Zinsen der USA. Ich bin mir nicht sicher, dass die Euro­päer, Chinesen oder die Japaner unter diesen Umständen so einfach einer stärkeren Dollarabwertung zustimmen würden. Ganz abgesehen davon ist die Bereitschaft zu multilateralen Verhandlungen heute nach den Erfahrungen in der Handelspolitik weder bei den Amerikanern noch bei ihren Partnern sehr groß."

Was sind die Wirkungen eines Währungskrieges?
"Grundsätzlich sind die Wirkungen sehr viel größer als bei einem Handelskrieg", ist Hüfner überzeugt, "denn betroffen sind nicht nur ausge­wählte Einfuhren der Amerikaner (beziehungsweise Ausfuh­ren bei Vergeltungsmaßnahmen). Bei Wechselkursverände­rungen bewegen sich die Preise aller Güter und Dienste, die international gehandelt werden. Dazu kommen auch noch die Effekte auf die Kapitalströme. Währungskriege sind da­her viel schlimmer als Handelskriege."

Was wird passieren?
Anders als bei Zöllen sind die Wirkun­gen asymmetrisch. Wenn die Wechselkursveränderungen über zehn oder 20 Prozent hinausgehen, bekäme die Konjunktur in den USA einen kräftigen Schub. Exporte steigen, Importe gehen zurück. Gleichzeitig erhöht sich die Inflation, weil die Einfuhren aus dem Ausland teurer werden. Die amerikani­sche Notenbank würde nicht mehr an Lockerungen denken, sondern an Zinserhöhungen. In jedem Fall wären die ge­planten Zinssenkungen passé. Das würde der intendierten Dollarabwertung entgegenwirken.

Umgekehrt stellt sich die Situation in den aufwertenden Ländern dar. Hüfners Szenario sieht wie folgt aus: "In Europa, insbe­sondere natürlich in Deutschland, wäre angesichts der hohen außenwirtschaftlichen Abhängigkeit eine Rezession nicht mehr zu vermeiden. Die Preissteigerung würde noch kleiner, vielleicht würde das Preisniveau sogar sinken. Die EZB müsste gegensteuern. Da sie die Leitzinsen nicht, je­denfalls nicht mehr viel senken kann, kommen hier einmal Wertpapierkäufe in Frage. Noch naheliegender sind aber Dollarkäufe am Devisenmarkt. Das würde die Euroaufwer­tung bremsen."

Was bedeutet das für den Investor?
Ein Währungskrieg mit einer Abschwächung des US-Dollars sei als Ergänzung des Handelskrieges nicht unwahrschein­lich, findet Hüfner. Der US-Dollar würde sich abwerten, der Euro, der Ren­minbi und vielleicht auch der japanische Yen würden sich festigen. Es sehe aber nicht danach aus, dass die Größen­ordnung der Währungsveränderung Dimensionen wie zu Zeiten des Plaza-Abkommens erreichten. US-Aktien würden vom Währungskrieg profitieren. Allerdings müsste jeder ausländische Investor in den USA auch die erhöhten Wäh­rungsrisiken einbeziehen. In Europa sei bei den Aktien mit größeren Einbrüchen zu rechnen. Die langfristigen Zinsen würden in den USA nach oben gehen, in den aufwertenden Ländern trotz der bereits erreichten niedrigen Niveaus nach unten. (kb)

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