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Was der Anleihe-Herbst laut M&G bringt

"Tapering" ist nach wie vor das beherrschende Thema an den weltweiten Anleihemärkten. Trotz der Aussicht auf eine Straffung der Geldpolitik waren die Bewegungen bei den Renditen von Staatsanleihen in diesem Jahr aber relativ gedämpft. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, weiß Jim Leaviss von M&G.

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Jim Leaviss, CIO des Public Fixed Income Teams bei M&G Investments 
© M&G

"Der Hauptfaktor für das eher gedämpfte Reagieren der US Treasury-Renditen ist wahrscheinlich die schnelle Ausbreitung der Delta-Variante in den USA und Teilen Asiens. Dies scheint sich bereits auf die jüngsten Wirtschaftsdaten auszuwirken. So ist eine deutliche Abschwächung des Verbrauchervertrauens in den USA zu erkennen und die Einzelhandelsumsätze in China liegen hinter den Erwartungen. Fed-Beobachter werden daher genau beobachten, ob es in den Herbstmonaten weitere Anzeichen für eine wirtschaftliche Verschlechterung oder ein Wiederaufleben des Virus in den USA gibt", analysiert Jim Leaviss, CIO des Public Fixed Income Teams bei M&G Investments.

Zu dieser Diskussion gehört auch das Thema Inflation
Die Meinungen sind nach wie vor geteilt, ob der jüngste Anstieg der Verbraucherpreise nur vorübergehend oder dauerhaft sein wird. Leaviss dazu: "Ich bin der Ansicht, dass die strukturellen Triebkräfte, wie Demografie, Globalisierung und technologische Entwicklung nach wie vor greifen. Diese haben die Inflation über viele Jahre hinweg niedrig gehalten. Aber: Investoren sollten diesbezüglich dennoch zum ersten Mal seit vielen Jahren vorsichtig agieren."

Symmetrisches Inflationsziel?
Die hohe Inflation in diesem Jahr gleicht in den USA die niedrige Inflation des letzten Jahres aus. Man könnte also bald an den Punkt kommen, an dem die Fed ihr symmetrisches Inflationsziel erreicht hat. Dies ist ein weiterer Faktor, der den Ruf nach einer Anhebung der Zinssätze verstärken könnte. Auch in Europa zeigt sich ein ähnliches Bild. Die EZB hat kürzlich ihr Inflationsziel von „unter, aber nahe zwei Prozent" auf ein klares Zwei-Prozent-Ziel verschoben. Derzeit sind die Aussagen der EZB eher uneinheitlich, ob es ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel geben sollte. Wird die EZB also einen Zeitraum mit einer über dem Ziel liegenden Inflation zulassen, um eine frühere Periode mit niedriger Inflation auszugleichen? Leaviss: "Eine Reihe von EZB-Mitgliedern hat eine ausgesprochen hawkische Haltung eingenommen. So warnte der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann davor, die Zinssätze zu lange niedrig zu halten. Denn es bestehe die Gefahr die Inflation anzuheizen. Entgegen anderer Mitglieder forderte Weidmann auch eine Rückführung des als PEPP bekannten Coronavirus-Stimulierungsprogramms der EZB. Insgesamt hat man den Eindruck, dass die EZB sich mehr anstrengen muss, ihre geldpolitische Strategie in einer Welt nach der Pandemie zu klären."

Für Risikoanlagen wie Unternehmensanleihen ist das Umfeld derzeit günstig
Etwa 85 Prozent der Unternehmen haben bei den letzten Gewinnmeldungen die Schätzungen übertroffen. Ein weiterer positiver Faktor ist das niedrige Niveau der Staatsanleiherenditen, weshalb Anleger auf der Suche nach Rendite in risikoreichere Anlagen investieren. So sind die Creditspreads sowohl auf den Investment-Grade- als auch auf den High-Yield-Märkten wieder auf das Niveau von vor der Covid-Krise gestiegen. Die Ausfallquoten werden wohl angesichts eines starken Wirtschaftswachstums und anhaltender staatlicher Unterstützung wahrscheinlich sehr niedrig bleiben. "Dennoch möchte ich auch auf einige erste Anzeichen einer Verschlechterung der wichtigsten Kreditkennzahlen hinweisen. So steigt das Verhältnis zwischen Schulden und Gewinn allmählich. Außerdem ist fraglich, ob Produktionsunternehmen die aktuell höheren Herstellungskosten vollständig weitergeben können. Dies wirkt sich natürlich auf die Gewinnspannen aus. Obwohl sich immer noch Wertpotentiale finden lassen, glaube ich, dass Investoren in diesem Bereich zunehmend selektiv vorgehen sollten", so Leaviss.

Gegenwind für Schwellenländer
Diese haben bisher ein schwieriges Jahr hinter sich. Die Anlageklasse hatte mit viel Gegenwind zu kämpfen, darunter einem stärkeren US-Dollar, einer Abschwächung des Welthandels als Folge der Pandemie und der Ausbreitung der Delta-Variante in Teilen Asiens. Darüber hinaus gab es eine Reihe geopolitischer Probleme zu bewältigen. All dies hat zu starken Kursverlusten bei einer Reihe von Schwellenländerwährungen und zu einer Ausweitung der Creditspreads bei Hartwährungsanleihen geführt. Nichtsdestotrotz ist dies immer noch ein attraktiver Anleihemarkt, der hohe Renditen möglich macht. Viele Schwellenländer sind inzwischen hinsichtlich ihrer längerfristigen Wachstumsaussichten und ihres Verschuldungsgrads im Verhältnis zum BIP mit den Industrieländern vergleichbar. Natürlich gibt es hier von Land zu Land große Unterschiede und verschiedene Wachstumstreiber. Das biete zahlreiche Möglichkeiten, interessante Werte zu entdecken, ist Leaviss überzeugt. (kb)

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