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Warum sich Aktivisten bei Silber eine blutige Nase holen

Laut Einschätzung von OFI Asset Management könnten sich Anlegeraktivisten mit ihren Long-Positionen auf Silber verzockt haben. Denn das Edelmetall ist keine marktenge Aktie und es gelten andere Regeln. Im Worst Case würden diese einfach geändert werden.

Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds bei OFI Asset Management
Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds bei OFI Asset Management
© OFI Asset Management

Vor dem Hintergrund des rasant gestiegenen Silberpreises Anfang dieser Börsenwoche erläutert Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds bei OFI Asset Management, welche Annahmen der Aktivisten dahinterstecken könnten und ordnet das Geschehen ein.

Behauptungen, der Silber- oder sogar der Goldpreis sei manipuliert, werden seit Jahren immer wieder laut. Einige der größten amerikanischen Banken sollen zu den potenziellen Schuldigen gehören. "Wir haben das nie ernst genommen und nehmen es auch heute nicht ernst. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Einige Banken tätigen tatsächlich Leerverkäufe auf Silber, aber nur als Absicherung für eine physische Position", hält Louvet fest.

Höherer Preis führt zu höherem Silberangebot
Silber ist ein Sachwert und sein Wert hängt von den Fundamentaldaten ab. Sollten die Preise ohne fundamentalen Grund weiter steigen, würden sich die Produzenten von Silber Louvet zufolge freuen. Denn sie könnten das Edelmetall zu einem höheren Preis verkaufen.

Außerdem würde aufgrund höherer Profitabilität mehr Silber recycelt werden; der dadurch erzeugte Angebotsanstieg könnte den Preis dann wieder drücken.

Auf der anderen Seite würde die Nachfrage in Bereichen, in denen Silber nicht unbedingt benötigt wird – zum Beispiel bei Schmuck – tendenziell zurückgehen. So übernehmen die Fundamentaldaten dann wieder die Regie. Eine Aktienbewertung ist sehr subjektiv, doch der Preis für einen Rohstoff wird letztendlich vom langfristigen Angebot und der Nachfrage bestimmt.

Das Establishment ändert bei drohender Schieflage die Regeln
Der Silbermarkt ist laut Louvet etwas ganz anderes als eine Aktie. Silber ist ein wichtiger Teil des COMEX-Clearinghauses. Sollte dieser Markt also destabilisiert werden, könnte das Sorgen um die Lebensfähigkeit des Clearinghauses erzeugen – eine staatsähnliche Institution. Sie wäre dann gezwungen zu reagieren: Erhöhung von Initial Margins, Änderung der Abwicklungsregeln von physischer Lieferung zu Barabwicklung, Begrenzung der Hebelwirkung, Begrenzung der maximalen Position für private Investoren usw.

Erinnerung an das Cornering der legendären Hunt-Brüder
Es mag in Vergessen geraten zu sein, aber der Silbermarkt war bereits das Ziel einer Short-Squeeze-Aktion. Im Jahr 1980 versuchten die Hunt-Brüder, diesen Markt in die Enge zu treiben ("Cornering").

Das veranlasste die COMEX, die Regel 7 einzuführen, um die Hebelwirkung auf diesem Markt zu begrenzen. Die Gebrüder Hunt gingen während des "silbernen Donnerstags" in Konkurs.

"Hier ist die Situation anders, weil es nicht den Anschein hat, dass die Aktivisten Hebelwirkung einsetzen. Trotzdem hat das Clearinghaus viele Optionen, um den Markt an die neue Situation anzupassen, und die WallStreetBets-Anleger könnten in eine unangenehme Situation geraten", erklärt Louvet abschließend. (aa)

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