Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Warum Rohstoffe interessanter sind, als viele glauben wollen

Tal Lomnitzer, Senior-Portfoliomanager in der Abteilung Global Natural Resources bei Janus Henderson, sieht eine starke Rohstoff-Nachfrage, angetrieben vom wachsenden weltweiten Energiebedarf. Er analysiert die Vorteile eines Langfrist-Engagements als Teil eines ausgewogenen Portfolios.

lomnitzer_tal_klein_quer.jpg
Der globale Rohstoffsektor gilt allgemein als stark zyklisch. Der gebannte Blick auf die kurzfristigen Konjunkturaussichten sei von daher nur natürlich, meint Tal Lomnitzer (Bild). Allerdings könne die Verengung des Blicks auf kurze Zeiträume dazu führen, dass die erheblichen Vorteile einer längerfristigen Perspektive übersehen werden.
© Janus Henderson Investors

Janus Henderson ermuntert Investoren, ein Investment im Rohstoffsektor als Teil ihrer langfristigen Asset-Allokation in Betracht zu ziehen und in Rohstoffen ein Investment zu sehen, nicht bloß ein Trading-Objekt. Im Unterschied zu anderen Segmenten des Markts haben Rohstoffaktien (also Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Roh- und Werkstoffe, Energie und Landwirtschaft) gezeigt, dass sie mit dem breiten Aktienmarkt auf lange Sicht negativ korrelieren können. Dabei haben sie das Potential, ähnlich hohe Renditen abzuwerfen. Vergleichbare Renditen bei geringerem Risiko – ist das überhaupt möglich?

Natürliche Ressourcen, unverzichtbare Bausteine der wirtschaftlichen Entwicklung
Die Nachfrage nach einigen Rohstoffen wie Kohle und Öl wird wahrscheinlich nicht mehr lange steigen und dann sogar sinken, doch andere Ressourcen sind weiter gefragt, und die Nachfrage nach ihnen dürfte zunehmen. So werden Kupfer, Lithium, Kobalt, Nickel, Eisenerz und Silber für die erneuerbaren Energien benötigt. Die Digitalisierung erfordert riesige Serverfarmen und enorme Mengen an Energie. Auf dem Weg zu einer digitalisierten, elektrifizierten Zukunft, in der auf fossile Brennstoffe völlig verzichtet werden kann, spielen Rohstoffe eine entscheidende Rolle. Die Nachfrage nach Energiequellen und Nahrungsmitteln für die Zukunft wächst, und Antworten auf die Frage, woher sie kommen sollen, kann nur der Rohstoffsektor geben. Parallel zum globalen Wandel ändern sich
auch die Beiträge, die einzelne Bereiche des Sektors leisten. 

Vorteil einer langfristig negativen Korrelation
Lucas White und Jeremy Grantham von GMO konnten 2016 in ihrem Weißbuch zeigen, dass
„Rohstoffaktien eine Diversifikation relativ zum breiten Aktienmarkt ermöglichen und dass die Vorteile dieser Diversifikation mit zunehmender Dauer wachsen“. Lomnitzer dazu: "Wir haben einmal versucht, diese Hypothese anhand umfangreicherer Daten und unter Einbeziehung des Agrarsektors zu testen. Aufbauend auf den Arbeiten von White und Grantham teilten wir den US-Markt in seine einzelnen Sektoren auf und berechneten die Korrelationen zwischen diesen und dem S&P 500 Index (als Stellvertreter des Gesamtmarkts) für verschiedene rollierende Zeiträume. Dazu verwendeten wir Daten für den Zeitraum von November 1993 bis Juni 2019 (siehe nachstehende Grafik).

Rohstoffaktien zeigen längerfristig negative Korrelation mit dem breiten Aktienmarkt
Rohstoffe definiert Janus Hendersen als gleichgewichteten Index mit den Komponenten Bergbau, Energie und Landwirtschaft, also ähnlich wie beim S&P Global Natural Resources Index. Die Analyse zeigt, dass die Verbindung zwischen Rohstoffaktien, den anderen Sektoren und dem Gesamtmarkt auf kurze Sicht hoch ist, bei längerfristiger Betrachtung jedoch dramatisch abnimmt. Über einen rollierenden Zeitraum von zehn Jahren war die Korrelation zwischen Rohstoffsektor und breitem Markt in der Tat negativ, während sie bei den anderen Sektoren positiv blieb und mit der Zeit zunahm.

Rollierende Sektor-Korrelationen im Vergleich

Quelle: Janus Henderson Investors und Factset.


Potenziell höhere Rendite bei geringerem Risiko?
Neben ihrem Beitrag zur Schaffung von Wohlstand und zu unserer Lebensqualität haben Rohstoffe die Merkmale einer eigenständigen, attraktiven Anlageklasse. Wie in der Physik mit der Schwerkraft gibt es auch in der Welt der Kapitalanlage bestimmte unveränderliche Gesetzmäßigkeiten. Dazu zählt insbesondere das Verhältnis von Risiko und Rendite. Janus Hendersons Untersuchung deutet darauf hin, dass es durch Beimischung von Rohstoffaktien in ein Marktportfolio möglich ist, eine ähnlich hohe Rendite zu erzielen, aber bei geringerem Risiko, gemessen an der Volatilität.

GMO wies den Weg
In Anlehnung an das Weißbuch von GMO führte das Team um Tal Lomnitzer eine Analyse von historischen Daten für über 25 Jahre durch. Dabei kam heraus, dass die durchschnittliche nominale Rendite eines Portfolios aus 75 Prozent S&P 500 und 25 Prozent Rohstoffaktien bei einem Betrachtungszeitraum von zehn Jahren höher war als für den Gesamtmarkt, bei geringerer Standardabweichung. Interessanterweise sind die Ergebnisse ganz ähnlich, wenn auch weniger dramatisch, bei einer Aufteilung in 90 Prozent S&P 500 und 10 Prozent Rohstoffaktien. Es verwundert nicht, dass die Sharpe-Ratio auf Basis dieser Werte ebenfalls nichts anderes ausdrückt. 

Rohstoffaktien-Allokation kann langfristige risikoadjustierte Rendite verbessern Dargestellt sind die Ergebnisse rollierender Zehn-Jahreszeiträume zwischen November 1993 und Juni 2019.

Quelle: Janus Henderson Investors und Factset. 

Schrödingers Katze
Aus der Quantenphysik ist bekannt, dass Dinge in zwei Zuständen vorkommen können. Materie hat sowohl Teilchen- als auch Wellencharakter, und Rohstoffaktien sind einerseits zyklischer Natur, können andererseits aber auch als effektiver Diversifikator in einem Portfolio dienen. Mit den Worten Schrödingers liegt darin „weder eine Unklarheit noch ein Widerspruch“. Entscheidend ist die Zeitspanne der Betrachtung. Während Rohstoffe kurzfristig an den Konjunkturzyklus gebunden sind, folgen sie über längere Zeiträume tendenziell ihrem eigenen Rhythmus. Nicht jeder Anleger denkt in Zehn-Jahresperioden, und Janus Henderson Investors hat deshalb die Risiko-Rendite-Analyse anhand der gleichen Daten auch für rollierende 5-Jahreszeiträume durchgeführt. Die Ergebnisse waren sehr ähnlich. 

Fazit
Zusammengefasst ergibt sich also, dass die Aufnahme von Rohstoffaktien (inklusive Landwirtschaft) in ein Portfolio bei fünf- oder zehnjährigem Betrachtungszeitraum wahrscheinlich zu besseren Renditen bei geringerem Risiko führt. (kb)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren