Warum dieses bekannte Wall Street-Haus nun auf Europa-Aktien setzt
JP Morgan sieht deutlich mehr Potenzial für Europas Aktien als die meisten anderen Strategen. Nach der Anhebung des Kursziels für den Stoxx Europe 600 erwartet die Bank bis Jahresende weitere Kursgewinne und setzt dabei vor allem auf zyklische Branchen.

Eckpunkte:
- JP Morgan ist bullisch für Aktien des Alten Kontinents
- Kursprognose per Ultimo 2026 für den Stoxx 600 Europe: 680 Punkte
- Für dieses Kursziel sprechen mehrere Gründe
Während Europas Aktien im Iran-Krieg unter Druck gerieten, sagte Mislav Matejka von JP Morgan voraus, dass die Verluste nur von kurzer Dauer sein würden. Nun legt der Stratege nach: Unter den von "Bloomberg" erfassten Prognostikern ist er inzwischen der größte Optimist.
Matejka und sein Team hoben ihr Jahresendziel für den Stoxx Europe 600 von 630 auf 680 Punkte an. Das impliziert ein Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Die neue Prognose liegt über der bisherigen Höchstmarke von 670 Punkten, die Barclays und HSBC in einer Anfang des Monats veröffentlichten "Bloomberg"-Strategenumfrage gesetzt hatten.
Gewinnwachstum soll anziehen
"Das Gewinnwachstum in der Eurozone zieht in diesem Jahr an, nach drei weitgehend stagnierenden Jahren", schrieben die Strategen in einer Mitteilung. Darin prognostizieren sie ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 18 Prozent für 2026 und zwölf Prozent für 2027. "Wenn sich der Markt in der zweiten Jahreshälfte verbreitert, könnte Europa wieder zu einer überzeugenden Story werden."

Europäische Aktien hatten ihre US-Pendants in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 übertroffen, bis der Krieg im Iran begann. Die Abhängigkeit der Region von Energieimporten sowie ihr Gewicht in energieintensiven Branchen und die direkte Verbindung zum Nahen Osten wurden während des Konflikts zur Belastung. Seit Mitte Juni ein vorläufiges Friedensabkommen erzielt wurde, entwickeln sich Aktien aus dem Euroraum jedoch wieder besser.
"Es ist ermutigend, dass die EPS-Prognosen für Europa seit Beginn des Iran-Konflikts tatsächlich gestiegen sind", schrieben die Strategen. "Während der Markt die Auswirkungen des Konflikts weiter abbaut, dürfte die Eurozone profitieren."
Zyklische Branchen im Fokus
Matejka hatte sich bereits im Oktober optimistisch zu europäischen Aktien geäußert und hielt auch während des Iran-Kriegs an dieser Einschätzung fest. Die durch den Konflikt ausgelöste Schwäche sah er als Kaufgelegenheit. Anfang des Monats prognostizierte er, dass die Aktien der Region in der zweiten Jahreshälfte besser abschneiden würden als US-Werte.
Das Team hob zudem sein Ziel für den Euro Stoxx 50 von 6.350 auf 6.800 Punkte an. Das entspräche einem Plus von neun Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Die Strategen erwarten, dass die Erholung von Aktivitätsindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes sowie ein robusteres globales Wachstum europäische Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte stützen werden. Zu den Aktien, die die Indexgewinne anführen dürften, zählen nach ihrer Einschätzung Konsumwerte sowie Halbleiter, Industriewerte, Bergbauunternehmen und Banken.
Stärkere wirtschaftliche Aktivität bedeute andererseits, dass defensive Werte im Allgemeinen nicht bevorzugt werden sollten, erklärten die Strategen. Der Energiesektor habe zudem weiteres Abwärtspotenzial, falls die Ölpreise sinken. Vorsichtig sind sie auch bei Unternehmensdienstleistungen, Software und Medien. (mb/Bloomberg)