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Warum die nächste Inflationswelle in den USA unvermeidlich ist

Nach Ansicht von Vates Invest stehen die USA vor einem neuerlichen Inflationsschub, den viele Marktteilnehmer nicht auf der Rechnung haben. Der Geldmarkt preist derzeit sogar eine baldige Zinssenkung ein. Falls die Inflationsraten wirklich steigen sollten, wird es an den Märkten spannend.

Benjamin Bente, Vates Invest
Benjamin Bente, Vates Invest© Vates Invest

Die nächste Inflationswelle in den Vereinigten Staaten ist nicht nur absehbar, sie ist bereits im Gange – und sie wird strukturell angetrieben. „Was wir derzeit beobachten, ist nicht das Ende der Inflation, sondern der Beginn einer neuen Phase der strukturellen Inflation, die stets in Wellen verläuft“, schreibt Benjamin Bente, Geschäftsführer von Vates Invest, in einer aktuellen Markteinschätzung. Bente prognostiziert: „Nicht ob sie kommt, ist offen, sondern nur die Frage, wie stark sie ausfällt.“

Inflationsgespenst geistert hartnäckig weiter
Trotz kurzfristiger Entspannungstendenzen zeigen aktuelle Daten wieder einen Aufwärtstrend bei der Kerninflationsrate. Und das, obwohl die Kerninflationsrate von den Höchstständen bei sechs bis sieben Prozent im Jahr 2022 deutlich zurückgekommen ist. „Doch das Fed-Ziel von zwei Prozent wurde noch nicht wieder erreicht“, so Bente. Im Gegenteil: Die Inflationsrate verblieb in den vergangenen Monaten stets hartnäckig bei um die drei Prozent und steigt nun erneut an.

Vieles spricht für höhere Inflation
Grundsätzlich zeigt die Inflation immer eine Wellenbewegung – bedingt schon durch Basiseffekte. Doch jetzt ist die Inflation selbst in den Tälern nicht nachhaltig unter drei Prozent gefallen. „Das zeigt, dass die Kräfte des Preisauftriebs immer noch stark sind“, sagt Bente. „Auch die gut laufende Konjunktur in den USA stärkt diese Bewegung.“ Doch zu den strukturellen Faktoren kommen jetzt zusätzliche preissteigernde Impulse, vor allem die Importzölle. „Gleichzeitig laufen die zuvor dämpfenden Basiseffekte aus – ein weiterer Grund, warum sich die Preissteigerungen nun verstärken, anstatt nachzulassen“, so Bente.

Und während die Märkte durch ihre Aufwärtsbewegung zeigen, dass sie mit den von Trump jetzt ausverhandelten 15 Prozent Basiszollsatz gut leben können, werden diese auf der Inflationsseite deutlicher durchschlagen. „Noch haben sich die Importeure angesichts der Unwägbarkeiten kein abschließendes Bild gemacht“, sagt Bente. „Doch sind die Zölle erst einmal fix und in Kraft, werden die Preise angepasst.“ Das bedeutet in jedem Fall Preissteigerungen, egal wer sie am Ende trägt.

Glaubwürdigkeit der Fed steht auf dem Spiel
Trotz dieser Lage lassen sich innerhalb der Fed zunehmend Stimmen für Zinssenkungen hören – ein Kurs, der kaum nachvollziehbar ist. „Bei der jüngsten Entscheidung der Fed zur Beibehaltung der Zinsen gab es mehrere abweichende Voten“, so Bente. „Die sprachen sich nicht etwa für Zinssteigerungen zur Inflationsbekämpfung, sondern für Zinssenkungen aus.“

Die Diskussion um Leitzinssenkungen in einem Umfeld strukturell anziehender Inflation könnte der Glaubwürdigkeit der Fed massiv schaden. „Wenn eine Notenbank, deren Mandat Preisstabilität lautet, inmitten steigender Inflation über Lockerung diskutiert, dann stellt sich die Frage, ob politischer Druck die geldpolitische Rationalität verdrängt hat“, so Bente.

Es könne ebenfalls sein, dass sich hier der ein oder andere Notenbank-Gouverneur bei US-Präsident Trump beliebt machen möchte, um sich so für die Nachfolge von Fed-Chef Powell warmzulaufen. „Auch das wäre jedoch sehr bedenklich“, sagt Bente.

Märkte spekulieren auf Zinssenkung
Die Finanzmärkte scheinen diese Entwicklung bisher nicht eingepreist zu haben, denn Zinserhöhungen werden nicht erwartet. Im Gegenteil preisen die Geldmärkte derzeit weitere Zinssenkungen in den kommenden zwölf Monaten ein. „Vielleicht haben sie damit Recht und die nächsten Zinssenkungen sind politisch motiviert“, so Bente.

Eine anziehende Inflation in Verbindung mit politisch motivierten Zinssenkungen wäre jedoch fatal, denn sie könnte das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Fed gefährden. „Und das wäre ein wesentlich größerer Schaden als das, was die Zollpolitik von Donald Trump auszulösen vermag“, warnt Bente abschließend. (aa)

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