Warum der Rüstungssektor hinter den Erwartungen bleibt
Die Aktien von Rüstungsgütern entwickeln sich seit einiger Zeit schwächer als viele andere Sektoren. Das könnte entweder nur ein "Durchatmen" nach den starken Kursgewinnen der letzten Jahre, oder bereits das Rally-Ende sein. Denn die technologische Weiterentwicklung schreitet rasant voran.

Eckpunkte:
- Der Luftfahrt- und Verteidigungssektor bleibt seit einiger Zeit hinter den Investorenerwartungen
- Das könnte an der technologischen Weiterentwicklung im Bereich des Kriegshandwerks liegen
Technische Schwächezeichen
Der Luftfahrt- und Verteidigungssektor hat sich seit Jahresbeginn schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Der Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben blieb bislang hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig haben neue Verteidigungstechnologien bei Investoren Zweifel daran aufkommen lassen, ob etablierte Rüstungsunternehmen über die richtigen Produktportfolios verfügen. Diese Entwicklungen beobachten Mathieu Racheter, Head of Equity Strategy Research, und Britta Simon, Equity Research Analyst bei Julius Bär.
Das schlechte Abschneiden des Luftfahrt- und Verteidigungssektors markiert laut Racheter und Simon eine Umkehr der positiven Stimmung gegenüber der Branche, die seit 2022 herrschte.
Große Vorsätze, aber...
Diese Stimmung baute auf der Überzeugung auf, dass Europa nach Jahrzehnten der Unterinvestition seine Verteidigungsausgaben erhöhen muss. Das ist eine Ansicht, die durch die Vereinbarung der Mitgliedstaaten der NATO bekräftigt wurde, 3,5 Prozent des BIP für Kernverteidigungsausgaben bereitzustellen. Aber: Einige Länder haben bereits erklärt, dass sie dieses Ziel nicht erreichen werden, bei anderen ist die Realisierbarkeit aufgrund hoher Staatsverschuldung zweifelhaft.
Deutschland verfügt über den finanziellen Spielraum, doch die Vergabe von Aufträgen hinkt hinter den ursprünglichen Plänen hinterher. Der aktuelle Konsens scheint unter dem 3,5-Prozent-Ziel zu liegen, wenn auch nicht um viel.
Knappe Resourcen
Nach Ansicht von Racheter und Simon stehen den meisten europäischen Verteidigungsunternehmen mindestens fünf Jahre starkes Wachstum bevor. Aber es bleiben einige Herausforderungen. Viele Unternehmen scheinen Schwierigkeiten zu haben, so schnell zu wachsen, wie sie es gerne hätten.
Neue Zeiten erfordern neue Arten der Kriegsführung
"Wir glauben, dass Europa aufgrund seines Investitionsrückstands das gesamte Spektrum traditioneller militärischer Plattformen ausbauen muss. Die Frage ist, ob dieses aber im ursprünglich prognostizierten Umfang benötigt wird, da Europa seine Ausgaben auf neue Verteidigungstechnologien verlagern wird. Verteidigungsausgaben werden nicht mehr ausschließlich an etablierte Rüstungsunternehmen gehen", prognostizieren Racheter und Simon abschließend. (aa)


