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Warum Big Tech trotz Milliardeninvestments weiterhin dominieren wird

Ein bekannter Portfoliomanager von Eyb und Wallwitz geht der Frage nach, ob die milliardenschweren Investitionen im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) eines Tages die Technologiekonzerne in wirtschaftliche Bedrängnis bringen könnten.

Ingo Koczwara, Eyb & Wallwitz
Ingo Koczwara, Eyb & Wallwitz© Eyb & Wallwitz

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie ist zur Realität geworden, und mit ihr ein beispielloser Investitionsboom. Die großen Tech-Konzerne pumpen Milliarden in Infrastruktur, Forschung und Talente, um sich ihre Vormachtstellung in der digitalen Welt zu sichern. Doch während die Summen steigen, wächst auch die Skepsis: Sind diese Investitionen nachhaltig oder nur der nächste Hype?

Dieser für institutionelle Investoren wichtigen Frage geht Portfoliomanager Ingo Koczwara von Eyb & Wallwitz in einem "Institutional Money" vorliegenden Beitrag nach. In diesem analysiert Koczwara, warum KI-Investments mehr sind als Science-Fiction – und was sie für Anleger bedeuten.

Hohe Nachfrage sorgt für Hype und erste Bedenken
Die großen US-Tech-Konzerne – bekannt als die „Magnificent 7“ – investieren allein im Jahr 2025 rund 340 Milliarden US-Dollar in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz. Angesichts der enormen Datenmengen, die durch KI-Anwendungen entstehen, ist der Bedarf an leistungsfähigeren Rechenzentren, spezialisierter Software, Hardware und qualifiziertem Personal offensichtlich – selbst für weniger technikaffine Investoren.

Gleichzeitig häufen sich Meldungen über spektakuläre Personalwechsel, bei denen Schlüsselkräfte für dreistellige Millionensummen abgeworben werden.

"Das wirft bei manchen Aktionären die Frage auf, ob diese Mittel nicht besser in Dividenden oder Aktienrückkäufe fließen sollten. Die enge Verzahnung von Unternehmensführungen mit einer oft überhöhten politischen Rhetorik verstärkt die Skepsis gegenüber den ambitionierten Zukunftsvisionen zusätzlich", merkt Koczwara in seinem Beitrag an.

KI-Ausgaben der Tech-Konzerne im Überblick

Es gibt auch teure Fehlschläge
Technologische Durchbrüche mit dem Potenzial, unseren Alltag grundlegend zu verändern, gab es in den letzten Jahren viele – vom autonomen Fahren über Flugtaxis bis hin zur Blockchain. Doch tragfähige Geschäftsmodelle lassen oft auf sich warten. Koczwara nennt Facebooks Umbenennung zu Meta und die Investition von über 100 Milliarden US-Dollar ins Metaverse als ein prominentes Beispiel: "Die Technologie konnte sich bislang nicht durchsetzen, und der Aktienkurs reagierte 2022 entsprechend empfindlich. Ähnlich enttäuschend verlief die Entwicklung rund um 3D-Brillen und Virtual Reality. Zwar verfügen die großen Tech-Unternehmen über ausreichend finanzielle Mittel, um solche Rückschläge zu verkraften – doch stellt sich die Frage, ob das auch für die aktuellen Milliardeninvestitionen in KI gilt. Denn letztlich steigen Aktien nur dann nachhaltig, wenn Umsatz und Gewinn kontinuierlich wachsen."

Vom Softwarehersteller zum Immobilienbesitzer
Ein Großteil der Investitionen fließt in Infrastruktur, konkret Datenzentren. Die typischen Hyperscale-Datenzentren der Cloud-Betreiber kosten Koczwara zufolge etwa eine Milliarde US-Dollar im Bau, die operativen Folgekosten betragen im Durchschnitt 150 Millionen US-Dollar pro Jahr. Der Hauptkostenblock ist dabei die Energieversorgung, gefolgt von der Kühlung. "So überrascht es nicht, dass Microsoft und Meta überlegen, eigene Kraftwerke zu betreiben", merkt Koczwara an.

Die Kühlung geschieht meistens durch Wasser und muss unbedingt gewährleistet sein, weshalb teilweise extra Wasserreservoirs angelegt werden. Alles braucht doppelte und dreifache Backup-Stromleitungen, Kanäle, muss erdbeben- und feuersicher sein usw. usw.

"Das sind Infrastrukturinvestitionen in reale Anlagegüter, die über die kommenden Jahrzehnte betrieben werden. Das ist neu für die Big Techs! So lässt sich beispielsweise aus der Bilanz von Alphabet ablesen, dass sich der Wert von Property, Plant & Equipment (Sachanlagevermögen) in den vier Jahren von 2020 bis 2024 von 115 Milliardne auf 264 MIlliarden US-Dollar mehr als verdoppelt hat", hält Koczwara fest.

Finanzmärkte sorgen wieder einmal für den Ausbau der Infrastruktur
Aus der Perspektive ist die Frage nach baldigen, ertragsreichen Geschäftsmodellen weniger dringlich. Passender ist Koczwara zufolge eher der Vergleich mit dem Eisenbahn-Boom Ende des 19. Jahrhunderts: Wann wie viele Passagiere und Fracht mit welchen Zügen über die kommenden Jahrzehnte fahren werden ist ungewiss. Aber die Schienen werden gelegt und damit die Voraussetzungen für zukünftige Geschäftsmodelle überhaupt erst geschaffen.

Alles eine Frage der Finanzierung und des Kredithebels
Ein wesentlicher Unterschied zu vergangenen Spekulationsblasen und deren platzen gibt es laut Koczwara bei der Technologie-Rally: Schulden. "Die Big-Tech-Unternehmen sind so gut wie schuldenfrei und stemmen die hohen jährlichen Investitionen aus noch höheren Free-Cash-Flows. Um beim Beispiel Alphabet zu bleiben: Den Investitionen von 55 Milliarden US-Dollar stand im Jahr 2024 ein generierter Free-Cash-Flow von 73 MilliardenUS-Dollar gegenüber. Es ist auf absehbare Zeit also sehr unwahrscheinlich, dass diese Unternehmen in finanzielle Bedrängnis geraten werden."

Schumpeter lässt grüßen
"Was wir derzeit beobachten, ist ein Paradebeispiel für Schumpeters Prinzip der schöpferischen Zerstörung", merkt Koczwara an. Joseph Schumpeter beschrieb den Kapitalismus als einen Prozess ständiger Erneuerung – getrieben durch Innovation, die bestehende Strukturen zerstört und neue schafft. Alte Strukturen und Geschäftsmodelle werden durch neue Technologien verdrängt – nicht immer sanft, aber oft unumgänglich.

"Genau diesen Mechanismus beobachten wir aktuell im Kontext der KI-Investitionen: Es geht nicht nur um technologische Fortschritte, sondern um tiefgreifende wirtschaftliche Umwälzungen. Alte Geschäftsmodelle verlieren an Relevanz, während neue Ökosysteme entstehen, deren Tragweite heute noch kaum abschätzbar ist. Die Dynamik der „schöpferischen Zerstörung“ zeigt sich dabei nicht nur in Produkten, sondern auch in Organisationsformen, Wertschöpfungsketten und Kapitalallokation. KI ist nicht bloß ein Werkzeug – sie ist ein Katalysator für strukturellen Wandel", betont Koczwara.

Fazit: Die Akzeptanz der Hegemonie
Die Big-Tech-Unternehmen legen mit den massiven Investitionen den Grundstein für das Fortbestehen ihrer zukünftigen Dominanz über das Internet und allem, was damit zusammenhängt. Der Zugriff auf schier unerschöpfliche Ressourcen schützt sie vor Herausforderern. Falls neue Technologien aufkommen, wie z.B. Chat GPT, kann man sich diese einverleiben.

So könnte es mit der Marktaufteilung und den Umsätzen im KI-Bereich ähnlich laufen wie im Cloud-Computing über die letzten Jahre: Ein neuer Markt mit weltweiten Umsätzen von 312 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 wächst auf etwa 800 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 und wird im Wesentlichen von Amazon, Microsoft und Alphabet kontrolliert.

"Anleger werden es sich nicht leisten können, nicht in diesen Trend investiert zu sein. Natürlich wird es immer wieder Phasen der Überbewertung und Rücksetzer an den Börsen geben. Der unternehmerische Wachstumspfad der Big Techs ist für absehbare Zeit jedoch ungebrochen. Die verschiedenen Abwandlungen zur Definition einer Hegemonie haben stets einen Aspekt gemeinsam: Eine gewisse Akzeptanz der Vorherrschaft durch die Beherrschten", erklärt Koczwara abschließend. (aa)

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