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Warburg und Aramea spielen Geopolitik mit verschiedenen Ansätzen

Christian Jasperneite von M.M.Warburg und Lars Dollmann von Aramea erläuterten in einer Online-Diskussion ihren Blick auf die Implikationen der geopolitischen Lage für Investoren. Dabei fahren Sie unterschiedliche Strategien: Der eine setzt auf Verteidigung, der andere auf Osteuropa.

© Natallia / stock.adobe.com

Kernpunkte:

  • Verteidigung ist langfristiges Wachstumsthema
  • Gewinner nicht zwingend die großen Rüstungskonzerne
  • Osteuropa ist strukturelle Wachstumsstory
  • Auch Werte mit Listing im Westen und Geschäft im Osten im Blick

Geopolitik entwickelt sich für institutionelle Investoren immer stärker vom Risikofaktor zum eigenständigen Investmentthema. Das wurde in einer Diskussion mit Dr. Christian Jasperneite, CIO von M.M.Warburg & Co., und Lars Dollmann, Senior Portfolio Manager bei Aramea Asset Management, im Rahmen der "Punica Invest Frühjahrs-Roadshow" deutlich. Trotz unterschiedlicher Ansätze – europäische Verteidigung auf der einen, Osteuropa auf der anderen Seite – sehen beide ihre Fonds als Antwort auf denselben strukturellen Wandel.

Jasperneite machte klar, dass der Investmentcase für den European Defence Equity Fund nicht von akuten Krisen abhängt. „Die Welt, so wie sie die letzten 80 Jahre funktioniert hat, ist vorbei“, sagt er. Europa müsse sich zwischen den Machtblöcken USA und China neu positionieren und eigene militärische Fähigkeiten aufbauen. Der amerikanische Schutzschirm sei nicht mehr selbstverständlich, Europa habe über Jahrzehnte zu wenig in Verteidigung investiert. Daraus ergebe sich ein langfristiger Trend, der nicht an einzelne geopolitische Eskalationen gekoppelt sei.

Software, Logistik, Materialwissenschaften
Für Europa rechnet Jasperneite in den kommenden Jahren mit zusätzlichen Verteidigungsausgaben von rund tausend Milliarden Euro gegenüber früheren Planungen. Für Anleger sei jedoch entscheidend, dass viele Aufträge noch gar nicht vergeben seien. Zudem ändere sich die Militärdoktrin rasant.

Künftige Gewinner müssten daher nicht zwingend die bekannten großen Rüstungskonzerne sein. Chancen sieht Jasperneite auch bei Unternehmen aus Bereichen wie Software, Logistik oder Materialwissenschaften, die bislang nicht als klassische Defense-Werte wahrgenommen werden.

Entsprechend kritisch sieht er passive Produkte in diesem Segment. ETFs seien meist stark auf einige wenige große Titel konzentriert und würden der tatsächlichen Breite des Sektors nicht gerecht.

Sein Fonds setzt deshalb bewusst auf eine breitere Gewichtung und will gerade auch kleinere Werte stärker berücksichtigen. Die Annahme dahinter: In einem sich neu sortierenden Markt könnten nicht die Offensichtlichen, sondern die heute noch unterschätzten Anbieter überproportional profitieren. Seine Renditeerwartung liegt bei rund acht Prozent pro Jahr.

Osteuropa profitiert von Nearshoring und geringerer Verschuldung
Auch Dollmann argumentiert langfristig – nur mit anderem regionalen Fokus. Für ihn bietet Osteuropa eine strukturelle Wachstumsstory, die nicht vom Frieden in der Ukraine abhängt, auch wenn dieser ein zusätzlicher Katalysator wäre. Schon in den vergangenen Jahren habe die Region trotz des Kriegs besser abgeschnitten als DAX oder Euro Stoxx. Dahinter stünden Trends wie Nearshoring, niedrigere Kosten, geringere Verschuldung und überdurchschnittliches Wachstum.

Sein Fonds "Aramea Aurora Equity" beschränkt sich nicht auf lokal gelistete Unternehmen. Dollmann investiert auch in Firmen, die in Kanada, London oder Frankfurt notiert sind, aber ihr operatives Geschäft in Osteuropa haben. Das sei aus seiner Sicht oft sogar vorteilhaft, weil westliche Börsenplätze strengere Governance- und Rechnungslegungsstandards böten. Genau darin liege ein zentraler Unterschied zu Osteuropa-ETFs, die häufig zu eng auf lokale Listings und einzelne Sektoren, vor allem Finanzwerte, fokussiert seien.

Alpha-Potenzial sieht Dollmann in der geringeren Analystenabdeckung vieler Titel. Während große westliche Aktien von Dutzenden Analysten beobachtet würden, gebe es in Osteuropa oft nur wenige Marktbeobachter. Dadurch hätten aktive Manager bessere Chancen, Ineffizienzen auszunutzen. Langfristig hält Dollmann deshalb Renditen für möglich, die beim "1,5- bis Zweifachen einer Standardaktienrendite in westlichen Märkten" liegen.

In einem Punkt herrschte zwischen beiden Fondsmanagern große Einigkeit: Geopolitik wird zum dominierenden Makrothema der kommenden Jahre. Jasperneite spricht sogar vom "Thema für die nächsten Jahrzehnte". Lieferketten würden nicht länger nur auf Effizienz, sondern zunehmend auf Resilienz ausgerichtet.

Für institutionelle Investoren heißt das: Politische und sicherheitspolitische Entwicklungen lassen sich nicht mehr nur als exogene Risiken behandeln, sondern werden selbst zu Renditetreibern und strategischen Allokationsfaktoren. (dv)

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