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Kostenoptimierung mit ETFs - aber bitte nachhaltig

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Wandler als smarter Weg, die Transformation zur E-Mobilität zu spielen

Das Rennen um die Zukunft der automobilen Fortbewegung ist bereits voll im Gange, wenn auch bei weitem noch nicht alle Investoren ihre Wetten gesetzt haben.

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Alexander Mueller, Partner und Geschäftsführer von Holinger Asset Management 
© Holinger Asset Management

Nimmt man die Börsenkurse als Maßstab für den Ausgang des Rennens und zukünftigen Erfolg, liegen per Stand 6. März 2019 die Vertreter der batteriegetriebenen Hersteller vor den traditionellen Automarken wie BMW, Daimler und Volkswagen, die sich der neuen disruptiven Herausforderung tendenziell eher zögerlich und bislang vorwiegend verbal gestellt haben. Alexander Mueller, Partner und Geschäftsführer der auf Wandelanleihen spezialisierten Züricher Investment-Boutique Holinger Asset Management, analysiert trocken: "Die drei großen deutschen Autohersteller haben seit ihren Höchstständen Anfang 2015 rund ein Drittel an Wert eingebüßt: Sinkende Einnahmen durch steigende regulatorische Anforderungen und zunehmende Marktsättigung bei den traditionellen Verbrennungsmotoren bei gleichzeitig hohen Neuinvestitionen in batteriegetriebene Technologien sorgen aus allen Richtungen für Gegenwind auf Umsatz und Marge."

Teslas Chart sieht anders aus als Daimler, BMW & Volkswagen

Quelle: Bloomberg

Interessanterweise scheine der Markt dem stark verschuldeten Herausforderer Tesla trotz mehrheitlich enttäuschenden Unternehmensmeldungen und einem nach wir vor verlustschreibenden Geschäft höhere Gewinnchancen einzuräumen, so Mueller weiter. "Als Investor sollte man sich bewusst sein, dass es sich hier um eine Momentaufnahme und höchstens indikativen Zwischenstand handelt, denn bis zum Ende dieses Rennens werden die Karten mehrmals gemischt, noch ist alles offen."

Das Match ist noch offen, aber warum sollte man das volle Aktienrisiko nehmen? 
Genau in dieser Unsicherheit liegt die Zurückhaltung auf Investorenseite begründet, selbst wenn damit große Renditechancen verbaut werden. Dabei gebe es Optimierungsmöglichkeiten, diese Chancen zu nutzen und dabei gleichzeitig den unsicheren Ausgang des Anlageergebnisses zu reduzieren, weiß Mueller.

Die Wandelanleihe als bessere Aktie 
Wandelanleihen sind hybride Finanzinstrumente und bieten die Möglichkeit, an zukünftigen Aktienkursgewinnen zu partizipieren, liefern dabei gleichzeitig gewissen Kapitalschutz bei Kursrückschlägen, sofern das Unternehmen in der Lage ist, seinen Zinsverpflichtungen nachzukommen und die Schulden zu bedienen. Befürworter der Anlageklasse nennen Wandler deshalb nicht völlig zu Unrecht "die besseren Aktien" und stützen sich dabei auf das historisch vorteilhaftere Risiko-Rendite Verhältnis von Wandlern wie der überlegenen Sharpe-Ratio. Globale Wandelanleihen sind zu globalen Aktien hoch korreliert, besitzen aber ein  ausgeprägteres Alphapotential als Aktien. Das zeigt die folgende Tabelle:

 Ann. Rendite Volatilität Sharpe Ratio
Globale Aktien7.5%  14.5%0.27
Globale Wandelanleihen6.8%   10.5% 0.32

Smart an disruptivem Wandel partizipieren 
Viele disruptive und höchst interessante Unternehmen aus der Technologiebranche haben ihr Wachstum in den letzten Jahren mit Wandelanleihen finanziert. "Tesla hatte beispielsweise  sogar drei Wandler ausstehend  - einer wurde erst kürzlich bedient -, dass sich darüberhinaus auch zwischen unterschiedlichen Anlageprofilen je nach Delta von renditeorientiert bis aktienlastig wählen lässt", weiß Mueller. Die Wahl beschränke sich nicht ausschließlich auf US-amerikanische Technologie- oder Biotech-Werte, eine Reihe interessanter chinesischer Technologiewandler ließen sich ebenfalls finden. Die folgende Bloomberg-Tabelle gibt einen interessanten Überblick.

Konvexe Anlageprofile in disruptiven Sektoren?
Wandelanleihen bieten vielfältige Antworten

Mobilität von morgen als Anlagethema von heute
Warum also sollte man nicht elektrifizierte Autohersteller via Wandelanleihen allokieren? Mueller: "Die Wandelanleihenbeispiele von Tesla und dem chinesischen Pendant NIO veranschaulichen exemplarisch, wie sich - von der fundamtentalen Einschätzung der beiden Unternehmen lösgelöst - gleichzeitig die Renditechancen erhöhen und das Verlustrisiko vermindert werden kann."

Tesla versus NIO
Mit einer Börsenkapitalisierung von 47 Milliarden versehen, liefern Teslas Unternehmsanleihen mit einer Restlaufzeit von 6 Jahren acht Prozent Rendite auf Verfall. Die optisch hohe Risikoprämie wird ebenfalls durch die Aktienvolatilität von ca. 60 Prozent gespiegelt. Die beiden derzeit noch ausstehenden Wandelanleihen besitzen eine verbleibende Laufzeit von 2 und 3 Jahren und tragen einen Kupon von 1,25 Prozent und 2.,75 Prozent. Das kürzere Papier handelt bei 106 Prozent mit einer Aktiensensitivität (Delta) von 60 Prozent, das ein Jahr länger laufende bei 114 Prozent mit einer Sensitivität von 73 Prozent. Mueller dazu;: "Setzt man die Aktienvolatiliät und den Credit Spread der Anleihen dazu ins Verhältnis, errechnet sich eine implizite Volatilität auf die Wandelanleihen von sagenhaft günstigen 40 Prozent. Genauso wie die Wandelanleihe bei vielen Managern durch ihr absolutes Risiko gemieden wird, wird sie von Hedge Funds für ihr relatives Risiko geliebt, denn auf abgesicherter Basis bietet sie eine äußerst günstige Möglichkeit, von den Kursausschlägen der Aktie zu profitieren."

Optionalität zu einem vernünftigen Preis
Aber auch ungesichert zeigt sich der Vorteil der Wandler im deutlich defensiveren Verhalten gegenüber der Aktie, ohne ausgesprochen viel an Partizipation aufzugeben. Mueller birngt es auf den Punkt: "Hierbei handelt sich um den Grundbaustein in jeglicher Portfoliokonstruktion: der Maximierung von wertvoller Optionalität für eine vergleichsweise günstige Prämie."

Wandler zahlte sich bei Tesla in den letzten zwei Jahren aus
In den vergangenen zwei Jahren präsentierte sich Teslas Kursbild nervös und richtungslos. Aktionäre zeigen sich mit dem mageren Kursgewinn von fünf Prozent tendenziell enttäuscht, die deutlich defensiveren Wandler haben im gleichen Zeitraum mit mindestens doppelt so hoher Rendite aufgewartet.

Günstig gepreister Wandler von NIO kam Ende Janaur 2019 
Die in Shanghai domizilierte NIO ist nach langer Vorankündigung letzten September als American Depository Receipt (ADR) an der Börse in New York kotiert worden. Von Tencent teilfinanziert, plaziert sich NIO im Hochtechnologiesegment und zielt mit dem EP9 auf das Segment der leistungsstärksten puristischen Sportwagen ab. Mit knapp acht Milliarden kapitalisiert, begab NIO Ende Januar 2019 zusätzlich eine Wandelanleihe über 750 Millionen US-Dollar, einer Laufzeit von fünf Jahren und versehen mit einem Kupon von 4,5 Prozent. Über das Pricing und die Entwicklung des Wandlers in letzten Wochen weiß Alexander Mueller folgendes zu berichten;: "Sowohl das derzeit noch verlustträchtige Segment der EV-Hersteller, als auch das Domizil China waren ausschlaggebend, dass die Investoren-Nachfrage lediglich verhalten und die Emissionskonditionen dementsprechend attraktiv ausgestaltet waren, um die Wandelanleihe am Markt plazieren zu können. Nach einer Aktienkurssteigerung von 40 Prozent gegen Ende Februar verkündete NIO am 6. März einen verhaltenen Ausblick zu den bevorstehenden Auslieferungen, was der Aktie einen Tagesverlust von minus 20 Prozent bescherte. Die bereits günstig gepreiste Wandelanleihe zeigt sich von der Aktienkorrektur mit einem Verlust von minus acht Prozent relativ unbeeindruckt."

Wie Tesla bietet NIOs Wandler das bessere Risiko-Rendite Verhältnis als die Aktie  

Quelle: Bloomberg

Wandelanleihen in einer von anhaltender Unsicherheit geprägten neuen Welt
Nur wenige Dinge scheinen sich heutzutage mit Sicherheit behaupten zu lassen. Lediglich der Gedanke, dass uns zunehmende Unsicherheit und schwindende Planbarkeit fürs erste weiter beschäftigen werden, scheine nicht allzu vermessen, meint Mueller. In dieser neuen Welt von herausfordernder Prognostizierbarkeit liege der Primat bei jeglicher Art von Entscheidungsfindung darauf, die Suche nach Ergebnisprofilen mit weiter Chancenoffenheit bei gleichzeitig deutlicher Risikominderung zu intensivieren und die Konvexität der Anlagebausteine in der Asset Allokation zu erhöhen. "Weit schauen muss man nicht, Wandelanleihen stehen dabei vorne in der ersten Reihe", lautet Muellers Credo. 

Wandelanleihen bis auf die USA überall unter dem Fair Value gepreist

Quelle: Nomura

Gegenwärtig biete sich bei einer regionalen Sicht auf die Wandelanleihenmärkte eine äußerst seltene Fehlbewertungsituation, so Mueller. "Bis auf die USA, wo Wandler fair gepreist sind, handeln Wandelanleihen derzeit deutlich unter ihrem fairen Wert, nämlich in Europa um 1,5 Prozent, in Japan um 3,5 Prozent und in Asien ex Japan um 5,5 Prozent zu günstig, wie Nomura-Daten zeigen." (kb)

 

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