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"Währungsmanipulator Deutschland" – eine britische Abrechnung

Laut David Collins von der University of London gibt es "überzeugende Argumente dafür, dass Deutschland ein Währungsmanipulator ist". Für die Brexit-Verhandlungen könnte das Königreich diesen Vorwurf laut dem Professor für internationales Wirtschaftsrecht als Hebel gegen die EU verwenden.

euro pfund
Deutschland als Währungsmanipulator in einem Währungskrieg gegen das Pfund? So ähnlich sieht man es mitunter im UK.
© fabioberti.it

"Es gibt in der Tat überzeugende Argumente dafür, dass Deutschland ein Währungsmanipulator ist, ein Status, der schon viel zu lange unangefochten blieb", erklärt David Collins von der University of London, dem man somit durchaus zugute halten kann, mit offenem Visier zu kämpfen. Denn "Wie einige Ökonomen seit Jahren betonen, ist der Euro im Vergleich zu den Altwährungen mehrerer nördlicher Mitglieder der Eurozone (insbesondere der Deutschen Mark) erheblich unterbewertet, was den Herstellern aus diesen Ländern einen enormen Preisvorteil für ihre Exporte auf den Weltmärkten verschafft. Die Lage wird dadurch verschärft, dass Deutschland und in geringerem Maße auch die Niederlande diesen Vorteil nicht "bezahlen", indem sie ihre Bilanzen in Gefahr bringen", so der Professor für internationales Wirtschaftsrecht weiter.

Keine echte Währung
Laut Collins ist "der Euro ist zunächst einmal keine echte Währung. Richtige Währungen, wie das Pfund Sterling oder der US-Dollar, werden von der Regierung unterstützt, die sie ausgibt.Die Schulden, die entstehen, wenn Regierungen zu viel Geld ausgeben, wie z.B. wenn sie auf Situationen wie die Coronavirus-Pandemie reagieren, werden also immer zurückgezahlt, weil die ausgebende Regierung ihre Zentralbank kontrolliert, so dass sie bei Bedarf mehr Geld drucken kann. Beim Euro ist dies jedoch nicht der Fall, da kein einzelner Mitgliedstaat für die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Verwaltung der Währung zuständig ist."

Strategische Unterbewertung
Da der Euro "strategisch unterbewertet ist, ohne dass den wirtschaftlich mächtigen nördlichen Mitgliedsstaaten der Eurozone Kosten entstehen, übertreffen die deutschen und niederländischen Exporte systematisch die Exporte aus dem Vereinigten Königreich, was den britischen Produzenten, die im Vereinigten Königreich und auf ausländischen Märkten verkaufen, ernsthaft schadet. So wie die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten der Eurozone bei der EZB Kredite auf der Grundlage von Anleihen aufnehmen, die niemals zurückgezahlt werden, können die Privatbanken in der Eurozone nach den Finanzvorschriften der EU in großem Umfang Kredite bei den Zentralbanken ihrer Mitgliedsstaaten aufnehmen, obwohl diese Kredite im Wesentlichen notleidend sind, was bedeutet, dass sie niemals zurückgezahlt werden", so der britische Professor.

Diese Banken wiederum gewähren den in der Eurozone ansässigen Herstellern laut Collins "günstige Kredite, so dass sie leichter Zugang zu Kapital haben als ihre Konkurrenten, die in Ländern mit realen Währungen wie Pfund oder Dollar tätig sind. Die unbegrenzte Geldmenge ist eine bequeme Subvention für deutsche und niederländische Produzenten, die ihre Fähigkeit, Waren zu günstigeren Preisen zu exportieren, fördert. Weit entfernt von gleichen Wettbewerbsbedingungen kämpfen britische Firmen einen harten Kampf", so der Brite, der vor diesem Hintergrund eine potenziell permanente Verletzung von WTO-Regeln seitens der nördlichen Eurozonen-Länder ortet.

Druckmittel für Brexit-Verhandlungen
Im Zusammenhang mit EU-Handelsverhandlungen, bei denen eine Partei die andere beschuldigt, eine Strategie der unfairen Deregulierung zu verfolgen, könnten Antisubventions- oder Antidumpingzölle gemäß Collins "der beste Weg für das Vereinigte Königreich sein.Das bloße Hinweisen auf das durch den Euro verursachte Ungleichgewicht könnte in der Zeit, die für die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen bleibt, als wirksames Druckmittel für Verhandlungen dienen."

Demnach müsse "der Euro verschwinden und durch eine souverän gestützte, voll kapitalisierte und liquide Währung ersetzt werden, oder aber Großbritannien sollte deutsche und niederländische Exporte mit entsprechenden Zöllen ins Visier nehmen. Es gibt natürlich eine dritte Lösung. Die EU könnte ihre Forderungen nach einer Angleichung der Rechtsvorschriften fallen lassen und stattdessen dem Vereinigten Königreich ein umfassendes Freihandelsabkommen anbieten, wie sie es mit Kanada und Japan getan hat. In diesem Fall könnte Großbritannien bereit sein, die Augen vor dem Unheil des Euro zu verschließen, zumindest noch eine Weile lang", so die Einschätzung von Collins, dessen gesamte Original-Analyse wir als Download weiter unten angefügt haben. (hw)


Anhang:

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