Vontobel: Warum Kurzläufer wieder attraktiv sind
Die jüngsten geopolitischen Spannungen und gestiegenen Inflationserwartungen haben die Renditen kurzlaufender Unternehmensanleihen nach oben getrieben. Vontobel sieht darin eine attraktive Einstiegschance für Anleger, die laufende Erträge suchen und zugleich das Zinsrisiko begrenzen wollen.

Eckpunkte:
- Deutlich gestiegene Renditen aufgrund geopolitischer Spannungen
- Keine aggressive Reaktion der Notenbanken zu erwarten
- Kurzläufer weniger empfindlich gegenüber Zinsänderungen
- Fokus auf Qualität, stabile Lage für viele Investment-Grade-Unternehmen
Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Zinserwartungen an den Finanzmärkten kräftig bewegt. Vor allem am kurzen Ende der Zinskurven sind die Renditen deutlich gestiegen. Für Anleger eröffnet dies nach Einschätzung von TwentyFour Asset Management, einer auf Fixed Income spezialisierten Tochter von Vontobel, neue Chancen bei kurzlaufenden Unternehmensanleihen hoher Bonität. „Investment-Grade-Kurzläufer bieten aktuell wieder spürbar höhere laufende Erträge – und das bei vergleichsweise begrenzten Kursschwankungen“, schreibt Johnathan Owen, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management, in einem Kommentar.
Auslöser der jüngsten Marktbewegungen waren Befürchtungen, dass steigende Energiepreise die Inflation erneut anheizen könnten. Die Folge war ein Renditeanstieg insbesondere bei Anleihen mit kurzen Laufzeiten. Anders als nach der Corona-Pandemie erwartet Owen jedoch keine breit angelegte Inflationswelle, die eine aggressive Reaktion der Notenbanken erforderlich machen würde.
Damals sei eine sehr starke Nachfrage auf knappe Kapazitäten getroffen, mit der Folge eines breiten und nachhaltigen Anstiegs von Löhnen und Preisen.
"Heute geht es eher um einen einmaligen Energie-Schock in einem ohnehin weniger dynamischen Wirtschaftsumfeld", erläutert der Portfoliomanager. "Viele Notenbanken dürften deshalb den Energieschub nicht mit einer aggressiven Serie von Zinserhöhungen beantworten, sondern zunächst abwarten."
Höhere Erträge, begrenztes Durationsrisiko
Vor diesem Hintergrund erscheinen kurzlaufende Unternehmensanleihen aus Sicht des Asset Managers besonders interessant. Zum einen profitieren Anleger von höheren laufenden Erträgen. Zum anderen reagieren Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten typischerweise weniger empfindlich auf Zinsänderungen als langlaufende Titel. Das begrenzt das Durationsrisiko in einem Umfeld, das weiterhin von Unsicherheit geprägt bleibt.
Hinzu kommt nach Ansicht von Owen ein weiterer Vorteil: Das gestiegene Renditeniveau schafft einen gewissen Puffer gegen mögliche weitere Zinsanstiege. Höhere laufende Kuponerträge können einen Teil möglicher Kursverluste auffangen und damit die Gesamtrendite stabilisieren.
Die Renditen im Segment kurzlaufender Investment-Grade-Anleihen haben sich in den vergangenen Monaten spürbar erhöht. Per 10. Juni lagen sie laut TwentyFour Asset Management bei rund 4,8 Prozent für US-Unternehmensanleihen, 5,3 Prozent für britische Emittenten und etwa 3,5 Prozent für europäische Unternehmensanleihen. Damit seien sowohl die Ausgangsrenditen als auch das Ertragspotenzial deutlich gestiegen.
Trotz des positiven Ausblicks rät Owen zu einer sorgfältigen Titelauswahl. Unternehmen, die besonders stark von Energiepreisen oder geopolitischen Entwicklungen betroffen seien, könnten anfälliger bleiben. Insgesamt bewertet der Portfoliomanager die Lage für viele Investment-Grade-Emittenten jedoch als robust. Solide Bilanzen und eine weiterhin vorhandene Preissetzungsmacht sprächen dafür, dass hochwertige Kurzläufer derzeit eine attraktive Kombination aus Rendite und Stabilität bieten. (dv)