Vontobel: Disziplin bei der Titelauswahl entscheidend!
2026 bleibt am Anleihenmarkt zwar ein Jahr der laufenden Erträge, aber nur mit Disziplin bei der Titelauswahl. Dieser Ansicht ist Kai Hirschlein, Portfoliomanager bei Vontobel, der zurzeit drei wichtige Einflussfaktoren genau im Auge behält.
Eckpunkte:
- Globales Wachstum bleibt positiv, aber unterdurchschnittlich
- Nachfrage nach attraktiven laufenden Erträgen intakt
- KI verstärkt die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern
- 2026 bleibt ein Jahr der laufenden Erträge, aber nur mit Disziplin bei der Titelauswahl
„Wir erwarten bis Jahresende weiterhin ein positives, aber unterdurchschnittliches globales Wachstum – nicht Rezession, sondern ein Umfeld mit deutlichen regionalen Unterschieden", schreibt Vontobel-Portfoliomanager Kai Hirschlein in einem aktuellen Marktkommentar.
In den USA dürfte Hirschlein zufolge die Konjunktur vergleichsweise robust bleiben, gestützt durch KI-bezogene Investitionen, private Investitionstätigkeit und einen insgesamt stabilen Arbeitsmarkt.
Europa erscheint dagegen anfälliger: Höhere Energiepreise treffen auf eine bereits fragile Ausgangslage, belasten Kaufkraft und Stimmung, und die Exportseite bleibt durch schwache globale Nachfrage sowie strukturellen Wettbewerbsdruck eingeschränkt.
Drei Faktoren entscheidend: Fiskalpolitik, Emissionsangebot und Kreditqualität
Für Anleiheinvestoren rückt damit laut Hirschlein das Zusammenspiel aus Fiskalpolitik, Emissionsangebot und Kreditqualität in den Vordergrund.
Fiskalpolitik bleibt global eher unterstützend, allerdings weniger über breit angelegte Stimuli als über zielgerichtete strukturelle Ausgaben etwa für Verteidigung, Infrastruktur, Energiesicherheit und industrielle Resilienz. "Das spricht für anhaltend erhöhte staatliche Emissionstätigkeit, insbesondere in Europa", merkt Hirschlein an.
Gleichzeitig zeigt Hirschlein zufolge der Primärmarkt, dass hohe Volumina weiterhin absorbiert werden: "Die Nachfrage nach laufenden Erträgen ist intakt. Die Märkte funktionieren auch in volatileren Phasen, allerdings mit deutlich steigender Selektivität, vor allem gegenüber schwächeren Credits und aggressiveren Strukturen."
KI mischt die Karten neu
KI ist dabei aus unserer Sicht weniger ein allgemeines Marktrisiko für Anleihen als ein Faktor, der die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern verstärkt: Einige Emittenten profitieren durch Investitionen, Produktivität und robustere Ertragsprofile, andere geraten durch technologischen Wandel und Preisdruck stärker unter Druck.
"Daraus leiten wir eine konstruktive, aber disziplinierte Positionierung ab: Wir bevorzugen qualitativ bessere laufende Erträge. Das heißt: ausgewählte Investment-Grade-Papiere, Finanzanleihen und die bessere Qualität im High Yield (BB sowie selektiv stärkere B)", erklärt Hirschlein, um abschließend zu warnen: "Vorsicht ist dort angebracht, wo Spreads wenig Puffer lassen: bei CCCs, niedrigeren B-Qualitäten mit Refinanzierungsbedarf und Emittenten mit strukturellem Geschäftsmodellrisiko." (aa)