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Vontobel AM: Gefährdet Joe Bidens Politik die Märkte?

Anlässlich der ersten einhundert Tage der US-Regierung von Joe Biden zieht Matthew Benkendorf, CIO der Quality Growth Boutique von Vontobel Asset Management, ein gemischtes Fazit hinsichtlich der Auswirkungen für Anleger.

Matthew Benkendorf, Chefanlagestratege von Vontobel
Matthew Benkendorf, CIO der Quality Growth Boutique von Vontobel Asset Management
© Vontobel

Die Vielzahl von COVID-19-Konjunkturprogrammen, kombiniert mit den angekündigten Infrastrukturprojekten im Umfang von 2,25 Billionen US-Dollar, haben zu einer gewissen Ausgabemüdigkeit in den USA geführt. Matthew Benkendorf, CIO der Quality Growth Boutique von Vontobel Asset Management, geht in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag der wichtigen Frage nach, welche Auswirkungen diese Programme auf die Inflation und die Zinssätze, und damit mittelfristig auch auf die Kapitalmärkte, haben könnten.

Inflation wird irgendwann für Unruhe bei Investoren sorgen
Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in den USA erwartet Benkendorf durch die Maßnahmenpakete kurzfristig einen positiven wirtschaftlichen Einfluss mit nur minimalen Auswirkungen auf die Inflation und die Zinsen. Allerdings war der US-Arbeitsmarkt zu Beginn der Pandemie ziemlich angespannt, und auch jetzt scheinen Unternehmen bereits im Aufschwung Schwierigkeiten zu haben, genügend Arbeitskräfte zu finden. Für Benkendorf zeigt der Blick in die Geschichte, dass die massiven Staatsausgaben das Ziel mit höherer Wahrscheinlichkeit verfehlen könnten. Der Vontobel-Experte rät Investoren deshalb, sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der die Inflation für Unruhe und Nervosität und damit für Volatilität sorgt. 

Zweischneidiges Schwert
Höhere Zinsen und Inflationsraten sind ein zweischneidiges Schwert, erinnert Benkendorf. Sie haben in der Regel negative Auswirkungen für Besitzer von Anlagen mit langer Laufzeit, sie sind aber auch einfach ein positives Signal für ein starkes Wirtschaftswachstum, was eine gute Sache ist. Sie sollten auch für ein allgemein gesünderes Preisumfeld für Risikoanlagen sorgen. Höhere Zinsen sind also nicht unbedingt etwas Negatives.

Kommt die Lohn-Preis-Spirale in Schwung?
Und auch Benkendorf erwartet, dass Aktien bestimmter Branchen, wie Energie, Grundstoffe oder Basiskonsumgüter, zunächst stärker von steigenden Zinsen profitieren könnten.  Problematisch werde es, wenn sich im Zeitverlauf inflationäre Kräfte ausbreiteten und Inputpreise und die Löhne anstiegen. Dadurch könnte ein Zyklus in Gang gesetzt werden, der die Margenverbesserungen durch eine einfache Erhöhung der Verkaufspreise zunichtemachen könnte.  Auch die Wiederbeschaffungswerte und Investitionszyklen wären davon betroffen.

Investoren fordern höhere Risikoprämien
Da die Finanzprognose immer komplizierter und damit die wirtschaftliche Zukunft der Unternehmen immer unklarer werde, würden Investoren zu Recht eine größere Sicherheitsmarge bei Aktienpreisen erwarten. Wenn also die Renditen im Laufe der Zeit steigen, würden die KGVs wahrscheinlich ebenfalls unter Druck geraten.

In den letzten Monaten war Benkendorf zufolge bereits eine Marktrotation von Growth zu Value zu beobachten. Diese Value-Rally wurde durch die Verteilung des Impfstoffs und die anhaltend starke Unterstützung durch Konjunkturprogramme, insbesondere in den USA und Europa, unterstützt. Steigende zehnjährige Treasury-Renditen und die Ansicht, dass die Inflation anzieht, haben einige der zyklischeren Bereiche des Marktes angetrieben. Am anderen Ende des Spektrums haben sich einige der momentumgetriebenen Aktien des Jahres 2020 zurückgezogen.

Preissetzungsmacht wichtig
Benkendorf sieht darin Anzeichen dafür, dass sich viele Volkswirtschaften schneller erholen als zuvor prognostiziert. Für ihn spielt Qualität bei der Aktienauswahl eine tragende Rolle. Diese äußert sich in der Preissetzungsmacht der Unternehmen. Preissetzungsmacht ist für ihn die beste Verteidigung gegen ein inflationäres Umfeld. Unternehmen, die über Preissetzungsmacht verfügen, z. B. in den Bereichen Basiskonsumgüter und zyklische Konsumgüter, seien besser in der Lage, steigende Inputkosten weiterzugeben und die Margen zu schützen und sogar reine Preiserhöhungen weiterzugeben.

In den heutigen Märkten sieht Benkendorf mehr denn je die Notwendigkeit, sich auf Qualität zu konzentrieren. "Durch die Suche nach Unternehmen mit beständigem und nachhaltigem Gewinnwachstum können Anleger sich sicher sein, dass diese aus der unvermeidlichen anhaltenden Marktvolatilität stark hervorgehen würden", erklärt Benkendorf abschließend. (aa)

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