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Vontobel-AM-Chefstratege: Weitere Zinserhöhungen sind wahrscheinlich!

Für Frank Häusler, Chefstratege bei Vontobel Asset Management, sind trotz der Invertierung von Schlüssel-Laufzeiten der US-Zinskurve weitere Zinsschritte der Fed wahrscheinlich.

Frank Häusler, Chief Strategist, Vontobel Asset Management
Frank Häusler, Chief Strategist, Vontobel Asset Management
© Vontobel Asset Management

Vor dem Hintergrund, dass vor kurzem die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen unter den Dreimonatszinsen zu liegen kam, analysiert Frank Häusler, Chefstratege bei Vontobel Asset Management, wie es am wichtigsten Rentenmarkt der Welt weitergehen und welche Schritte vor allem die Fed setzen könnte. Auch wenn inversen Zinskurven und Kompressionen des Term Spread in der Vergangenheit oftmals Rezessionen vorausgingen, können Investoren noch ruhig bleiben: Denn die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern sich laut dem Vontobel-Mann erst dann, wenn sich alle relevanten Segmente der Zinskurve (2J./10J., 5J./30J. und 3M./10J.) gleichzeitig invertieren. „Noch ist es also nicht Zeit, das Kind mit dem Bade auszuschütten“, betont Häusler.

Der Vontobel-Chefstratege erinnert daran, dass Expansionsphasen unausweichlich von Rezessionen gefolgt sind. Sie sind Teil des natürlichen Wirtschaftszyklus. Sie mit hoher zeitlicher Präzision hervorzusagen sei allerdings ein schwieriges Unterfangen. Hier kommt laut Häusler der Term Spread ins Spiel. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen lang- und kurzlaufenden Staatsanleihen, die auf der Zinskurve in Abhängigkeit ihrer Restlaufzeiten dargestellt werden. Lange Zinsen sind in Regel höher als die kurzen, denn Anleger möchten für ihr langfristiges Engagement, das mit mehr Unwägbarkeiten wie Inflationsrisiken einhergeht, entschädigt werden. Im positiven Normalfall hat die Zinskurve also eine steigende Tendenz und der Term Spread ist positiv.

„Die Zinskurve flacht sich ab oder invertiert sich, wenn sich der wirtschaftliche Ausblick eintrübt oder Zentralbanken die Leitzinsen anheben. Sobald die kurzen Zinsen die langen Zinsen übersteigen, wird der Term Spread negativ. Das ist eine Situation, die in den letzten 60 Jahren Rezessionen mit Zeitverzögerungen unterschiedlicher Größenordnung vorangegangen ist“, erklärt Häusler.

17 Prozent Rezessionswahrscheinlichkeit
Bisher zeigt Häusler zufolge die 2J./10J.-Zinskurve noch einen normalen Verlauf, während sich die 5J./30J.-Zinskurve sogar noch versteilert hat. „Basierend auf diesen und weiteren Indikatoren zeigt unser Rezessionsmodell derzeit eine Rezessionswahrscheinlichkeit in den USA in den nächsten zwölf Monaten von 17 Prozent an.“

Forward Spread im Fokus
Ein weiterer viel beachteter Indikator ist der kurzfristige Forward Spread, der die Anlegererwartungen zur Fed-Politik reflektiert. Der Spread ergibt sich aus der Differenz zwischen der implizierten dreimonatigen Forward Rate in 18 Monaten und dem aktuellen Dreimonatszins. Derzeit stehen diese beiden Größen in einem inversen Verhältnis zueinander, so dass der aktuelle Zins über der Forward Rate liegt. Das signalisiert laut Häusler, dass die Marktteilnehmer in Zukunft Zinssenkungen erwarten unter der Annahme, dass die Fed über ihr Ziel der Geldpolitiknormalisierung hinausgeschossen ist, zumal die Wachstumsaussichten nach unten revidiert wurden.

Vontobel AM stellt sich gegen den Marktkonsens
„Wir sind anderer Ansicht. Im Gegenteil halten wir die derzeitige Fed-Politik für zu gemäßigt. Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum in China, Europa und auch in den USA stabilisieren wird. Die USA befinden sich lediglich auf einem Wachstumsnormalisierungspfad und nicht auf einer Abwärtsbewegung, da das Wachstum von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr auf lange Sicht einfach nicht nachhaltig war. Daher gehen wir derzeit davon aus, dass das US-Wachstum in diesem Jahr 2,2 Prozent erreichen wird und weitere Zinserhöhungen stattfinden werden. China hat kürzlich positive PMI-Daten veröffentlicht und der Li Keqiang Index signalisiert künftig stabile Bedingungen“, prognostiziert Häusler. (aa)

 

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