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Droht den Volks- und Raiffeisenbanken eine Pleitewelle?

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken erwarten angesichts der Coronakrise mehr Risikovorsorge, sehen aber keine Schieflagen von Instituten. Vor allem das nächste Jahr könnte eine Herausforderung werden.

Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
© BVR

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, die zuletzt auf eine Bilanzsumme von rund eine Billion Euro kamen, sehen der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen, rechnen aber nicht mit Bankzusammenbrüchen aufgrund von Kreditausfällen. „Wir haben ein gutes Frühwarnsystem innerhalb unseres Institutssicherungssystems”, sagte Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), in einem Interview mit Bloomberg. “Momentan steht keine Ampel auf Rot, wenn es um mögliche Stützungsmaßnahmen für einzelne Mitglieder aufgrund der Coronakrise geht.“

2021 wird herausfordernd
Gleichwohl machte sie deutlich, dass sich die gut 800 Volks- und Raiffeisenbanken auf Kreditausfälle einstellen, auch weil bei Firmenkunden wegen der Pandemie die Einnahmen wegbrechen. Für 2020 erwartet Kolak zunächst lediglich einen geringen Anstieg der Risikovorsorge. “Eine weiter erhöhte Risikovorsorge sehe ich eher für 2021 und die darauffolgenden Jahre”, sagte sie.

Ausfälle dürften sich erst deshalb mit Verzögerung zeigen, weil zahlreiche Sondervereinbarungen geschlossen wurden. So gibt es bei den Genossenschaftsbanken derzeit Kredite im Volumen von 15,7 Milliarden Euro mit Zahlungsaufschüben. Das entspricht 2,7 Prozent des gesamten Kreditvolumens.

Zahlreiche Warnungen
Das Leibniz-Institut für Wirtschafts­forschung Halle (IWH) hatte Anfang Juli vor einer neuen Bankenkrise angesichts hoher Kreditausfälle gewarnt. Die Forscher halten mindestens sechs Prozent aller deutschen Banken für gefährdet.

Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind laut IWH besonders bedroht, weil sie ihr Geld meist an Firmen verleihen, die jetzt doppelt gefährdet seien. “Zum einen, weil sie klein und damit generell krisenanfälliger sind als Großunternehmen. Zum anderen weil diese Firmen insbesondere solchen Branchen angehören, die vom Corona-Lockdown schwer getroffen wurden, darunter Einzelhandel und Gastgewerbe”, schrieb das IWH.

Auch die Boston Consulting Group kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass eine Bankenkrise nicht auszuschließen sei. In diesem Jahr drohe den deutschen Instituten ein deutlicher Ertragseinbruch, hieß es.

BaFin und Bundesbank haben unterdessen einen speziellen Covid-19-Stresstest für kleinere Banken unter nationaler Aufsicht durchgeführt. Dem Ergebnis zufolge sind diese “auch bei einem schweren Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im Durchschnitt ausreichend kapitalisiert”, wie es in der vergangenen Woche hieß (Institutional Money berichtete).

Südliche Banken gefährdeter
Nicht alle Volksbanken- und Raiffeisenbanken sind von der Pandemie im selben Maße betroffen. „Die Kreditvorsorge fällt bei unseren Mitgliedsinstituten sehr unterschiedlich aus”, sagte Kolak. Sie hänge unter anderem davon ab, welche Wirtschaftszweige und Branchen in der jeweiligen Region überwiegen würden. In Süddeutschland gilt etwa besonders die Autoindustrie als angeschlagen.

Themen, die den BVR bewegen
Kolak äußerte sich in dem Interview mit Bloomberg auch zu zahlreichen anderen Themen, darunter:

Dividenden: “Wir werben bei der Aufsicht dafür, Dividendenverbote nicht pauschal auszusprechen, sondern die Situation jedes einzelnen Instituts zu betrachten. Wenn eine Bank beispielsweise genügend Eigenkapital hat und auch sonst wichtige Kennzahlen wie die Liquiditätsausstattung erfüllt, sollten Ausschüttungen ab Herbst wieder erlaubt sein. Diese Erwartung haben wir auch der Aufsicht gegenüber signalisiert und um diese Differenzierung gebeten.“

Filial-Sterben: “Hybridmodelle aus online und persönlicher Beratung sind das Modell der Zukunft. Eine spürbare Reduzierung der Filialen sehe ich in unserer Gruppe nicht.“

Negativzins: “Die Anreize, die durch die TLTROs bereitgestellt werden, gleichen bei weitem nicht die Kosten der Negativzinsen aus. Je länger die extreme Zinspolitik der EZB anhält, desto schwieriger wird es.”

Wirecard: “Der Fall Wirecard hat dem Ruf des Finanzstandorts Deutschland geschadet. Er stellt aber nicht dessen Funktionalität oder die Stabilität in Frage. Wirecard ist ein Anbieter unter vielen. Das Unternehmen hat keine systemtragende Bedeutung.“ (aa)

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