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Institutioneller schreibt Mid-/Large-Cap-Mandat aus

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Asset Manager für Mid- & Large-Caps gesucht: Das ausgeschriebene Volumen beträgt zwischen 10 und 25 Millionen Euro. Mehr Informationen zum Mandat erhalten nur registrierte User. Mehr erfahren >>

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Vietnam: Die Langzeit-Story ist intakt, die Taktik ruft nach Einstieg

Die vietnamesische Investment-Boutique VinaCapital hat nach Closed-End Funds nun bereits seit drei Jahren den 60 Millionen US-Dollar schweren Forum One - VCG Partners Vietnam Fund (VVF), der in Luxembourg als UCITS mit täglicher Liquidität aufgelegt wurde, am Start. Soll man Vietnam jetzt kaufen?

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Vietnam ist heute viel mehr als ein Land, das vom Reisanbau lebt. Die Regierung hat viel Geld in die Hand genommen, um die Infrastruktur des Landes zukunftsfähig zu machen. Auslandsinvestitionen sorgen für Schwung. Samsung etwa ist heute der größte Investor und lässt mittlerweile 30 Prozent der Mobiltelefone des Konzerns in Vietnam fertigen. Das BIP-Wachstum liegt stabil bei sechs bis sieben Prozent, die Inflation bei drei bis vier Prozent. Dazu verfügt Vietnam einen Leistungsbilanzüberschuss und hat Devisenreserven von zirka 70 Milliarden US-Dollar auf der hohen Kante. Die Auslandsverschuldung in Dollar liegt bei 22 Prozent des BIP und damit im Rahmen. Megatreiber für den Markt in den nächsten Jahren bleibt der Konsum.
© Fotolia

Obwohl die meisten Marktexperten erwartet hatten, dass der vietnamesische Aktienmarkt im
Jahr 2018 volatiler sein würde als im Jahr 2017, hat man in den letzten Wochen eine Volatilität beobachten können, die die Erwartungen weit übertroffen hat.

Christopher Fitzwilliam-Lay (Bild links), Managing Director von VinaCapital, führt aus: "Nach einer starken Performance von 48 Prozent im Jahr 2017 stieg der VN-Index im ersten Quartal 2018 um weitere 22 Prozent.  Diese  Gewinne wurden jedoch im bisherigen Verlauf des zweiten Quartals egalisiert, so dass  Vietnams Aktienmarkt nach der Schwäche Anfang Juli aktuell zirka acht Prozent unterhalb seines Standes vom 31. Dezember 2017 notiert."

Gründe, warum der Aktienmarkt Vietnams year-to-date im Minus ist
Das sind einmal Gewinnmitnahmen zu nennen: Ausländische und inländische Investoren wollten in 2017 sowie im ersten Quartal erzielte Gewinne sichern. "Am vietnamesischen Aktienmart wird viel auf Kredit spekuliert, wobei dei Kreditzinsen für Vienamesen bei zwölf Prozent pro Jahr im Dong liegen", weiß Ong Thi Thanh Thag (Bild rechts), Co-Portfolio Managerin des VVF, zu berichten. "Margin-Spekuation gibt es in diesem Markt sowohl auf Seiten der In- als auch der Ausländer, wodurch die Volatilität seht hoch ist."   

Unreife, inländische Investorenschaft
In Ermangelung von Pensionsfonds und anderen institutionellen Investoren fehlt ein stabilisierendes Element in diesem relativ jungen Aktienmarkt. Inländische Anleger sehen die Börse als Casino an und suchen den kurzfristigen Erfolg. Sie folgen in ihrem Verhalten meist den Auslandsinvestoren mit einem gewissen Tim Lag. "Angesichts der Volatilität des Marktes und dementsprechender Abflüsse aus ausländischen Fonds könnten einige inländische Investoren den Markt ebenfalls verlassen und ihre Mittel in Richtung Immobilien oder in kurzfristige Einlagen umgeschichtet haben, zumal die Zinssätze in Vietnam in den letzten Wochen gestiegen sind", gibt Fitzwilliam zu bedenken.

Trend zu Ungunsten der Schwellenländer
Ein stärkerer US-Dollar und eine höhere langfristige Anleiherendite in den USA haben zu einem gewissen Rückzug aus Schwellenländer-Investments geführt. Dennoch bleiben in Vietnam ausländische Investoren seit Jahresbeginn Netto-Käufer in Höhe von 300 Millionen US-Dollar.

Dominanz einer Handvoll Large-Caps im VN-Index
Vingroup (VIC) und seine börsennotierten Tochtergesellschaften Vingroup Retail (VRE) sowie die erst kürzlich notierte Vinhomes (VHM) machen fast ein Viertel der Marktkapitalisierung des VN-Index aus. Diese drei Aktien sind für fast den gesamten bisherigen Marktanstieg im Jahr 2018 verantwortlich. Diese hohe Indexkonzentration macht es für aktive Manager wie VinaCapital mit insgesamt zwei Milliarden US-Dollar Assets under Management schwierig, den Index zu schlagen.

Aktuell schwieriges Terrain für aktive Manager
Diese und weitere Faktoren haben in den letzten sechs Monaten auch die relative Performance
des Forum One – VCG Vietnam Partners Fund (ISIN: LU1214545136), dem einzigen in Deutschland und Österreich zum Vertrieb zugelassenen UCITS-Fonds mit täglicher Preisfeststellung, beeinflusst. 2016 und 2017 konnte man seine Peers deutlich outperformen. Nun liegt man nach einem guten Start hinter dem Markt. Dabei positioniert sich das Fondsmanagement aktiv und hat den Anteil der unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Auslandsinvestoren liegenden MidCaps auf 40 Prozent (Indexgewicht nur 20 Prozent) zu Lasten der Large Caps ausgebaut.

Überbewerteten Aktien nachzlaufen, ist nicht Sinn der Sache
So hatte etwa VVF-Fondsmanagerin Thu Nguyen die Aktien des Mischkonzerns Vingroup nicht, da sie der Meinung war, dass eine Bewertung zum 50-fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) überhöht ist. Für den Gesamtmarkt hat die jüngste Korrektur das KGV des VN-Index auf einen recht vernünftigen Wert von 14x zurückgebracht, der Höchststand Anfang April war bei 22,5x gelegen. Auf diesem Niveau handelt Vietnam wieder im Einklang mit regionalen Peers. Zudem lassen sich wachstumversprechende Titel auch mit einem KGV von 10x finden.

Langfristperspektive stimmt
Trotz der Marktbewegungen in den letzten Wochen ist Fonds-Co-Managerin Ong Thi Thanh Thag überzeugt, dass die langfristigen Aussichten des vietnamesischen Aktienmarktes und des Forum One – VCG Vietnam Partners Fund positiv sind: "Die makroökonomischen Daten und das Verbrauchervertrauen sind weiterhin stark, während das erwartete Gewinnwachstum im VN-Index bei soliden 15 bis 18 Prozent liegt. „Wir glauben, dass das aktuelle volatile Aktienmarktumfeld in Vietnam aktiv gemanagte Strategien unterstützt. Das KGV unseres Portfolios beträgt 13x, während das erwartete Gewinnwachstum bei 21 Prozent – also über der allgemeinen Markterwartung - liegt. Da die meisten Large Caps weiterhin hoch bewertet sind, investieren wir lieber in unterbewertete kleinere Unternehmen Vietnams". Von Neuemissionen hält man sich fern, so sie überzogene Preisvorstellungen reflektieren. Zudem ist das Price-Earning-to-Growth, also die PEG-Ratio, kleiner als eins und die niedrigste der Märkte der Region. 

Was ist mit Trumps Handelspolitik?
Hier taucht zwar Vietnam nicht auf Trumps Liste auf, trotzdem ist aber zu befürchten, dass es bei Sanktionen gegen China und vielleicht auch Korea dann zu Zweitrundeneffekten kommt, die das nachgelagerte Vietnam treffen könnten. Bei VinaCapital ist man aber überzeugt, dass die Wachstumsstory im Binnenbereich stark genug ist, um etwaige Einschläge abzufedern.

Investoren mit ruhiger Hand gesucht
VinaCapital wir beim Einwerben neuer Mittel aus Deutschland und Österreich von ANODOS Asset Management mit Sitz in München unterstützt. Hauke Höfer (Bild links), Prokurist bei Anodos, bestätigt, dass relativ wenige Dachfondsmanager im VVF engagiert seien, sodass man keine hektischen In- und Outflows befürchten müsse. 

Fazit
Vietnam ist ein Langfrist-Engagement allemal wert. Den Markt timen zu wollen, ist keine gute Idee. Jetzt allerdings hat sich ein "Window of Opportunity" durch die jüngsten Kursrückgänge geöffnet, das für den Investor mit ruhiger Hand eine Einstiegschance verspricht. Wer antizyklich agiert, wird die besseren Ergebnisse auf lange Sicht ernten können. Wo sonst lässt sich noch Wachstum in dieser Höhe zu einem vernünftigen Preis finden. Institutionelle Anlger, die über das nötige Risikobudget und den sprichwörtlichen langen Atem verfügen, können Vietnam neben ihrer breit aufgesetzten Emerging Markets-Tangente als Satelliten-Investment durchaus in Erwägung ziehen. (kb)

 

 

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