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Vierjahreszyklus: Folgt jetzt eine längere Baisse nach der US-Wahl?

Mit der Corona-Epidemie hatte 2020 eine böse Überraschung parat, die auch die Märkte stark beeinflusste. Außerdem fand im November die Wahl des US-Präsidenten statt. Die Wahl wiederum beeinflusst die Aktienkurse – und zwar über den Wahltag hinaus, weiß man bei Seasonax Capital.

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Tea Muratovic, Co-Founder und Managing Partner von Seasonax (rechts), gemeinsam mit ihrem Mitgründer- und Geschäftsführer-Kollegen Dimitri Speck, Head Analyst (links).
© Seasonax

Anders, als viele Anleger denken, ist es jedoch weniger der Wahlausgang, der die Kurse
beeinflusst. Vielmehr spielt es für die Märkte eine Rolle, in welchem Jahr des vierjährigen Wahlzyklus wir uns befinden. "Der Verlauf der Aktienmärkte ist nämlich kaum davon abhängig, ob ein Republikaner oder Demokrat Präsident wird. So gab es feste Börsen sowohl unter demokratischen, als auch unter republikanischen US-Präsidenten", analysiert Dimitri Speck, Head Analyst, Co-Gründer und Geschäftsführer von Seasonax, der auf Saisonalität  spezialisierten Investment-Boutique.

Der Vierjahreszyklus beeinflusst die Märkte nachhaltig
Dieses Phänomen differenziert dementsprechend nicht nach der Partei, sondern nach dem Jahr der Präsidentschaft. In den letzten 120 Jahren stieg der Dow Jones Industrial Average (DJIA) durchschnittlich 5,9 Prozent, wenn es sich um ein Präsidentenwahljahr handelte. In den
Vorwahljahren schnitt er mit 9,0 Prozent sogar noch besser ab. In den Nachwahljahren waren es hingegen lediglich 4,5 Prozent, in den darauffolgenden Zwischenwahljahren sogar nur 1,4 Prozent.

Der Vierjahres-Wahlzyklus im Detail
Doch wie sieht die Entwicklung im Detail aus? Dazu sehe man sich den durchschnittlichen Vierjahresverlauf des Dow Jones über die vergangenen 120 Jahre im Chart an. Dadurch ist es möglich, Entwicklungen auch innerhalb des Jahres genau zu betrachten.

Dow Jones, 4-Jahreszyklus, ermittelt über 120 Jahre
 Die Skala rechts weist Gewinn prozentual aus. Die Skala unten zeigt das Jahr im Vierjahreszyklus. Oberhalb von „Election“ ist somit der durchschnittliche Verlauf aller Wahljahre dargestellt, oberhalb von „Post-Elect.“ der aller Nachwahljahre, oberhalb von „Midterm“ der aller Zwischenwahljahre, und oberhalb von „Pre-Election“ der aller Vorwahljahre. Die guten Phasen im Wahlzyklus sind mit grünen Pfeilen markiert, die schlechten mit roten. Dabeizeigt sich, dass die beiden Jahre nach der US-Wahl problematisch sind.

Quelle: Seasonax

Die beiden mittleren Jahre im Vierer-Zyklus versprechen kaum Gewinne
Wie man anhand des Endwertes der Skala sehen kann, lag der Anstieg über gesamten Vierjahreszeitraum bei durchschnittlich gut 22 Prozent. Das Wahljahr (links) und ganz rechts das Vorwahljahr waren im Schnitt gute Börsenjahre. Die beiden mittleren Jahre des Charts, also das Nachwahljahr und das Zwischenwahljahr, brachten den Investoren hingegen kaum  Gewinne. 

Diese beiden Jahre stehen mit 2021 und 2022 jetzt an
Sie drohen, schlechtere Börsenjahre als ihre beiden Vorgänger zu werden. Doch sollte man sich nun das jetzt anstehende Jahr im Zyklus, das Nachwahljahr, genauer ansehen. Es handelt sich um einen gefilterten saisonalen Chart, bei dem nur Kurse der Nachwahljahre  berücksichtigt werden. Er wurde aus dem Durchschnitt der Erträge der vergangenen 30 Jahre errechnet, die dem Wahljahr folgten. Die horizontale Achse weist den Zeitpunkt im Jahr aus, die vertikale Achse den Stand des saisonalen Index. So kann man sofort erkennen, wie das  Nachwahljahr typischerweise verläuft.

Typischer Verlauf der Nachwahljahre im Dow Jones, 1901 bis 2017
Nach schwachem Start steigen die Kurse bis Anfang August. 

Quelle: Seasonax

In den ersten dreieinhalb Monaten geht der Markt im Schnitt nur seitwärts
"Von Mitte April bis Anfang August geht es jedoch im Nachwahljahr typischerweise
solide nach oben", weiß Dimitri Speck. "Danach kommt es zu einer recht ausgeprägten
Spätsommerschwäche, der eine nur mäßige Jahresendrallye folgt." Doch gibt es Gründe für den typischen Verlauf des Dow Jones im Wahlzyklus? Dann wäre die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Muster profitabel genutzt werden kann. 

Die Gründe des Präsidentenwahlzyklus 
Wieso nun sind die beiden Jahre nach der Wahl kraftlose, die beiden vor der Wahl hingegen recht gute Börsenjahre? Speck dazu: "Die Gründe liegen in der Geld- und Fiskalpolitik: Präsidenten wollen wiedergewählt werden, beziehungsweise wünschen sich einen Nachfolger aus ihrer Partei. Sie bemühen sich deshalb vor der Wahl, die Wirtschaft anzukurbeln und die Wähler positiv zu stimmen. Dazu zählen durch Deficit-Spending finanzierte Maßnahmen. Die lockere Politik befördert die Märkte. Aber auch die nicht völlig unabhängige Notenbank scheint durch ihre Geldpolitik den jeweils amtierenden Präsidenten zu unterstützen."

Nach der Wahl hingegen häuften sich unpopuläre Maßnahmen, etwa solche gegen ein ausuferndes Staatsdefizit. Dies drücke auf die Aktienkurse. Auch wenn es angesichts aktueller Billionendefizite ausufernder Zentralbankbilanzen schwer vorstellbar sei: In den kommenden
Monaten werde womöglich weniger Geld „gedruckt“, als dies der Fall wäre, wenn wir vor einer Wahl stünden, analysiert Speck. (kb)
 

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