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Vertrauenskiller Nr.2: Lufthansa Hybrid mit Kupon-Ausfall

Das Phänomen darf durchaus als eher unüblich beschrieben werden: Die Deutsche Lufthansa hat sich entschieden, auf die ausstehenden 500 Millionen Euro Hybridanleihe, die 2015 begeben wurde, den Kupon von 4,38 Prozent vorerst auszusetzen.

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© Lufthansa

Die Deutsche Lufthansa wird also Kuponzahlungen der Hybridanleihe 2015, die - sollte sie nicht eher gekündigt werden - bis 2075 läuft, vorläufig aussetzen, wie die Lufthansa Group Investor Relations mitteilt.

Nun hat der Emittent einer Hybridanleihe im Industriebereich die diskretionäre Entscheidungsfreiheit, den Kupon auszusetzen, ohne dass damit ein Default-Ereignis eintritt. In vielen Fällen sind diese Kuponausfälle jedoch kumulativ, müssen also irgendwann nachgezahlt werden. Sobald der Emittent Dividenden auf Aktien zahlt, muss der Kupon für Hybridanleihen fließen. Dazu muss man wissen, dass Hybride im Industriebereich in aller Regel von stabilen, Cashflow-starken Häusern (Telcos, Energy usw.) mit Dividendenhistorie emittiert werden.

Interpretation des Events
Ein nicht namentlich genannt werden wollender Experte meint, dies sei eine strukturelle Ausnahme und könne nicht mit übrigen Hybridanleihen im Industriebereich gleichgesetzt werden. Das Risikobild der Assetklasse habe sich also - erst einmal - nicht verändert. Am Markt sei zudem zu hören gewesen, dass die Zahlungen auf den Hybrid aufgrund der KFW-Hilfen ausgesetzt werden sein könnte. Das zeige auch, wie es der Kranich-Airline gehe und die Anforderung der KFW, dass kein Geld aus dem Konzern fließt, dass nicht unbedingt müsse.

Emittent macht sich mit einem solchen Vorgehen keine Freunde am Kapitalmarkt 
Der Aspekt „Reputation“ sei ebenfalls nicht außer Acht zu lassen, wenn es um die Handhabe der Hybridanleihen vor den Investoren gehe. Der Emittent werde sich mit dieser Vorgehensweise keine Freunde bei künftigen Emissionen machen, dies scheine jedoch derzeit weniger wichtig. Der Markt strafte den Bonds bei viel Unklarheit zum Pricing um fünf bis sieben Prozentpunkte ab, was man als Opportunität begreifen könne. 

Kein Einfluss auf Hybridanleihen anderer Segmente wie Financials
Bei Tier2-Anleihen muss der Kupon fließen, sonst bedeutet dies Zahlungsausfall (Default), bei AT1-Anleihen gibt es fest definierte Mechanismen („Maximum Distributable Amount" oder MDA), wo Abstände zu kritischen Schwellenwerten messbar sind. Dieser vorübergehende Ausfall sei kein Game-Changer für dieses spannende Anlagesegment, so der Experte. Zu denken gibt dieser Event aber allemal. (kb)

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