Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Verschwiegenes deutsches Single Family Office meidet das Risiko

Für ein Single Family Office aus der deutschen Provinz steht bereits zum Jahresauftakt fest: Sicherheit und Substanzerhalt haben Vorrang. Vorhandene Liquidität werde vorerst geparkt, bis sich Einstiegschancen ergeben.

dr._rahn_jrg.jpg
Jörg Rahn, Chief Investment Officer von Wirtgen Invest in Windhagen (vormals M.M. Warburg & CO)
© M.M. Warburg & CO

"Das Ende des Konjunkturzyklus wird wohl 2019 schon erreicht", sagte Jörg Rahn, Chief Investment Officer von Wirtgen Invest in Windhagen in einem Gespräch mit Bloomberg. Das Single Family Office der Familie Wirtgen hat rund 20 Mitarbeiter und investiert in vier Anlagesegmente: Immobilien, Energieinvestments, Beteiligungen und Finanzanlagen.

Relative Geldknappheit wird sich wohl nachteilig auf die Realwirtschaft auswirken 
In den letzten Wochen haben sich zahlreiche Konjunkturindikatoren weltweit abgekühlt. Die US-Notenbanker signalisieren eine Zinspause, gemäß der Dot Plots mindestens jedoch eine gemächlichere Gangart beim künftigen Leitzinskurs. Rahn stellt daher auch bei seiner Einschätzung weniger auf die politische Situation in der Welt ab, sondern macht seine pessimistische Einschätzung vor allem an der wirtschaftlichen Entwicklung fest. Insbesondere die relative Geldknappheit würde sich allmählich auf die Realwirtschaft auswirken. Diese macht er am Wachstum des Geldmengenaggregats M1, also dem Bargeldumlauf zuzüglich der Sichteinlagen der Nichtbanken, in Beziehung zum nominalen Wachstum einer Volkswirtschaft fest. Die Entwicklung des Geldmenenaggregats M1 zeigt der folgende Bloomberg-Chart.

M1-Wachstum geht zurück

Quelle: Bloomberg

Das Umschalten auf eine restriktivere Geldpolitik habe zu einer deutlichen Reduzierung des M1-Wachstums geführt. Die Änderung der Geldpolitik hat Auswirkungen auf die Kreditvergabe, insbesondere in den USA, denn dort wird die Erhöhung der Fed Funds Zielzone zusätzlich vom Abbau der Fed-Bilanz begleitet. China hatte ebenfalls auf eine restriktivere Geldpolitik umgeschaltet, würde den Kurs inzwischen aber wieder lockern. Im Euroraum sieht es dagegen noch besser aus. Das M1-Wachstum ist noch kräftig. Letztlich hat die EZB den Kurswechsel mit dem Ende der Nettoanleihekäufe erst zu Jahresbeginn eingestellt.

Kaum noch Wachstumsimpulse erwartet
Neben der starken Verlangsamung des Wachstums der monetären Größe gibt Rahn zu bedenken, dass aufgrund der lang anhaltenden Phase niedriger Zinsen, gepaart mit dem wirtschaftlichen Aufschwung die Unternehmen und Konsumenten ihre langfristigen Investments getätigt hätten. Von dieser Seite erwartet er kaum noch zusätzliche Impulse, also weder von den Unternehmensinvestitionen noch vom Konsum.

ISM-Indizes im Rückwärtsgang 
Mit der US-Steuerreform hätten die kleinen und mittleren US-Unternehmen als letzte noch einmal einen kräftigen Investitionsschub ausgelöst. In den jüngsten Wirtschaftsdaten sei das bereits zu erkennen. So schwächen sich US-Indikatoren wie die ISM Indizes für das verarbeitende und das Dienstleistungsgewerbe ab. Die vergleichbaren Indikatoren aus dem Euroraum sind schon seit längerer Zeit auf Talfahrt. Das Ende ist noch nicht erreicht.

Wachstumsenttäuschungen gemahnen zur Vorsicht
"Die Wachstumsenttäuschungen aus den wichtigen Volkswirtschaften werden sich fortsetzen", führte Rahn aus. "Das kann in einer Rezession enden, die in 2019 ihren Ausgangspunkt haben wird", so der CIO. In diesem Zusammenhang bereitet ihm die deutlich gestiegene Verschuldung der Unternehmen in den USA und China Sorgen. "Die Ausweitung des Leverage wird unmittelbare Wirkung auf die Kreditqualität der Unternehmen haben, wenn die Cash Flows wegen einer Rezession einbrechen". Die Insolvenzen dürften daher zunehmen.

Kommt bald ein neues EZB-Kaufprogramm?
"Für die EZB ist die Entwicklung am aktuellen Rand bitter", führt Rahn aus. Mit einer Zinsanhebung rechnet er auch in Anbetracht der sinkenden Inflationsrisiken nicht mehr. Vielmehr geht er davon aus, dass sie die Anleihekäufe im Zuge der Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung im laufenden Jahr wieder aufnehmen wird. "Die Wahrscheinlichkeit für negativen Bundrenditen am langen Ende im ersten Quartal ist hoch. Das kann sogar relativ schnell gehen", sagte Rahn. Als Folge dürfte es dann zu Spreadsausweitungen gegenüber Bunds kommen.

Werterhalt zentraler Baustein des Portfolios
Dank der vorsichtigen Anlagestrategie sei das Single Family Office gut durch das schwierige Jahr 2018 gekommen. Für 2019 setzt er vor allem auf Assets mit geringen Kreditrisiken wie Bunds, DSLs, Pfandbriefe und auch Gold. Mit Neuanlagen wird Duration des bestehenden Portfolios erhöht. Im Corporatebereich seien die Risiken deutlich gestiegen, was die Gefahr von Ratingherabstufungen deutlich erhöhe.

Aktien spielen in dem Portfolio derzeit nur eine geringe Rolle
"Seit dem Anstieg der Aktienmärkte seit Weihnachten ist bereits vieles an positiven Nachrichten vorweg genommen und wieder eingepreist worden. Viel Luft nach oben gibt es nicht mehr", führt Rahn aus. In den Jahren 2020 und 2021 könnten sich für die geparkte Liquidität attraktive Einstiegschancen bei Aktien, Energieinvestments und Immobilien ergeben. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen