Vates Invest: Ob der US-Beschäftigungsrückgang ein Warnsignal ist
Der Geschäftsführer und Portfoliomanager des Vates Parade Fonds bei Vates Invest beleuchtet das aktuelle makroökonomische Bild der US-Wirtschaft und kommt zu einem optimistischen Ergebnis.

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus den USA wirken auf den ersten Blick irritierend. Der ADP-Report weist für November einen Netto-Rückgang von 32.000 Stellen aus, während der verarbeitende Sektor weiterhin im kontraktiven Bereich bleibt. "Oberflächlich betrachtet könnte dies als Beginn eines konjunkturellen Abschwungs interpretiert werden. Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass die Daten auf ein anderes, deutlich stabileres Muster hindeuten. Die USA durchlaufen kein klassisches Rezessionsszenario, sondern bewegen sich in Richtung eines Gleichgewichts, das sowohl Preisstabilität als auch Konsumkraft stützt", schreibt Benjamin Bente, Geschäftsführer und Portfoliomanager des Vates Parade Fonds bei Vates Invest, in einer aktuellen Marktanalyse.
Diskrepanz ist erklärbar
Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe liegen mit rund 191.000 auf einem Niveau, das zuletzt im Jahr 2022 erreicht wurde. Der Indikator reagiert unmittelbar auf Entlassungen und zeigt derzeit keine Anzeichen breiter Personalreduktionen. Die scheinbare Diskrepanz zwischen einem leichten Rückgang der Beschäftigung und ausgesprochen niedrigen Entlassungszahlen lässt sich Bente zufolge durch das aktuelle Anpassungsverhalten vieler Unternehmen erklären. Die verfügbaren Daten sprechen für ein Umfeld, in dem Unternehmen Veränderungen eher über geringere Neueinstellungen und natürliche Fluktuation steuern als über breit angelegte Entlassungen. Diese Low-Hire-Low-Fire-Konstellation passt zur Erfahrung der starken Arbeitskräfteknappheit der Jahre 2021 und 2022.
"Für die Gesamtwirtschaft ist dieses Muster tatsächlich günstig, obgleich kontraintuitiv. Die Einkommensbasis bleibt stabil, die Konsumneigung hoch, während sich das Lohnwachstum moderat entwickelt. Damit entsteht ein Arbeitsmarkt, der weder Überhitzung noch Abschwung signalisiert", merkt Bente an.
Licht und Schatten, Hoffnung auf Produktivitätszuwächse
Auch die übrigen Makrodaten stützen dieses Bild. Der ISM Services PMI liegt im November bei 52,6 Prozent und signalisiert Wachstum im größten Teil der US-Wirtschaft. Der Manufacturing PMI bleibt mit 48,2 Prozent zwar im kontraktiven Bereich, doch deutet die Branchenstruktur der Schwäche eher auf Lageranpassungen und Transformationsprozesse hin als auf eine breit angelegte Rezession in der Industrie.
Viele Unternehmen investieren parallel in Automatisierung, Robotik und KI-gestützte Produktionsprozesse. Dass diese Investitionen kurzfristig auf die Stimmung drücken, aber mittelfristig eine deutliche Produktivitätsverbesserung erwarten lassen, ist ein zentraler Teil der aktuellen industriellen Neuausrichtung.
Konsum bestätigt die makroökonomische Resilienz
Die Cyber-5-Periode erreichte neue Rekordwerte. Cyber Monday stieg auf 14,25 Milliarden US-Dollar, Black Friday auf 11,8 Millliarden US-Dollar. Die Nachfrage war insbesondere in diskretionären Kategorien wie Elektronik und Unterhaltungselektronik überdurchschnittlich stark, was auf anhaltende Kaufkraft hinweist. Die Nutzung von BNPL-Optionen („Buy now pay later“) spielte eine wachsende Rolle, ohne dass die aktuell verfügbaren Daten auf eine akute Verschärfung der Stressindikatoren im Konsumentenkredit hindeuten.
Investitionszyklus bleibt ein struktureller Wachstumstreiber
Die Hyperscaler haben ihre AI- und Rechenzentrumsinvestitionen 2025 deutlich angehoben. Mehrere Unternehmen berichten von CAPEX-Zuwächsen und der Gesamtmarkt bewegt sich klar in Richtung eines dreistelligen Milliardenbetrags pro Jahr. Diese Investitionen fließen nicht nur in Rechenzentren, sondern zunehmend in Energieinfrastruktur und industrielle Zulieferketten. Damit entsteht ein breit diffundierender Wachstumseffekt, der ab 2026 zunehmend produktivitätswirksam werden dürfte.
Auch die fiskalische Seite liefert Impulse
Der „One Big Beautiful Bill Act“ verlängert wesentliche Steuersenkungen für private Haushalte und stärkt Investitionsanreize, unter anderem durch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten. Zusammen mit der Aussicht auf eine vorsichtigere Geldpolitik entsteht ein policy-mix, der Konsum und Unternehmensinvestitionen gleichermaßen unterstützt.
"Die Kapitalmärkte spiegeln dieses Vertrauen wider. Die High-Yield-Spreads bleiben eng, was darauf hindeutet, dass der Markt derzeit kein systemisches Kreditrisiko einpreist", merkt Bente an.
Fazit: Kein Rückgang, sondern Übergang
In der Summe ergibt sich für Bente ein konsistentes Bild. Der Rückgang der Beschäftigung ist kein Zeichen eines einsetzenden Abschwungs, sondern Ausdruck eines arbeitsmarktpolitisch stabilen Übergangs, der Löhne, Preise und Beschäftigung gleichzeitig stabilisiert.
In Kombination mit robustem Konsum, hohen Technologieinvestitionen und unterstützender Politik entsteht ein Umfeld, das 2026 zu einem Jahr überdurchschnittlicher wirtschaftlicher Dynamik machen dürfte. (aa)

