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Uwe Burkert, LBBW: "Trump verkennt die Zeichen der Zeit!"

Mit feinem Gespür für die Befindlichkeit seiner Landsleute, denen sich die Krise der Jahre 2008/09 tief eingebrannt hatte, griff Trump den „Anti-Globalismus“ auf, machte ihn zum Leitfaden seiner Wahlkampagne und mit der Sensibilität einer Dampfwalze zum Motto seiner Präsidentschaft: „America first".

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"Was Trump nicht versteht: Vertrauen ist ein großes Kapital", sagt Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW. Und weiter: "Wenn eine erratische Politik zur wichtigsten erklärenden Variablen in der volkswirtschaftlichen Gesamtschau wird, ist das nicht nur für Prognostiker unangenehm. Es belastet messbar die Realwirtschaft. Konsumenten halten sich zurück, Unternehmen unterlassen Investitionen, der Wachstumsmotor gerät ins Stottern. Genau dies droht derzeit der Weltwirtschaft."
© LBBW

Der Kampfbegriff impliziere, so Burkert weiter, andere Staaten hätten die USA übervorteilt. "Dass der nationale Wohlstand in den vergangenen Jahrzehnten in den USA stärker gestiegen ist als z.B. in Japan oder Deutschland – beides Länder mit Handelsüberschüssen mit den USA –, verschweigt der Präsident. De facto sind die USA reicher als jedes Land, das Handelsüberschüsse mit ihnen aufweist."

Was in den USA wirklich fehlt, ist ein ausgleichender Sozialstaat
Dazu kommt noch das Fehlen einer wirkungsvollen Regionalförderung, um den Verlierern
des Strukturwandels zu helfen. Ein Teil der märchenhaften Gewinne der Tech-Unternehmen in Kalifornien würde reichen, um dem „Rust Belt“ wieder eine Zukunftsperspektive zu geben.

Aber dazu müsste man diese Unternehmen besteuern. Da ist es einfacher, Chinesen, Deutsche und Japaner für den Niedergang alter Industrieregionen verantwortlich zu machen. Die erratische US-Politik trübt das Wirtschaftsvertrauen weltweit 

Trump verkennt die Zeichen der Zeit …
Trump wird mit seiner Wirtschaftspolitik scheitern, ist Burkert überzeugt: "Nicht deswegen,
weil er den Konflikt mit China wagt, sondern weil er versucht, die Zeit zurückzudrehen. Er geht den Strukturwandel in den USA nicht aktiv an, sondern behindert zukunftsfähige Sektoren, die  sich durch Vernetzungsstrategien (z.B. durch ihre Fertigungen in China oder Mexiko) global bestens positioniert hatten, und erweist den USA damit letztlich einen Bärendienst."

… und lässt alle anderen mitleiden
Wenn der US-Präsident sich benimmt wie der Elefant im Porzellanladen, stehen auch anderen schwere Zeiten bevor. Das Wirtschaftsvertrauen hat Schaden genommen, denn Vereinbarungen mit Trump sind oft wenig wert – siehe Mexiko.

Vertrauen ist der Anfang von allem. Kein Land und kein Unternehmen kann sich aber derzeit darauf verlassen, dass ein „Deal“ mit den USA „twitterfest“ ist, d.h. morgen noch gilt. Somit relativiert sich auch die „Annäherung“ zwischen den USA und China auf dem Gipfel von Osaka. Burkert dazu: "Wir haben dem Rechnung getragen und unsere BIP-Prognosen nach unten revidiert. Trump spielt China trefflich in die Karten, indem er die Position der USA als Ankernation preisgibt. Auf gutem Wege sehe ich angesichts dessen die EU. Mit dem Abschluss von Freihandelsabkommen mit Japan, dem Mercosur und Vietnam hat sie gezeigt, was Politik mit Blick über den Tellerrand auch heute zu leisten vermag." (kb)

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