USA könnte vor sieben Prozent Wirtschaftswachstum stehen!
Der Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management analysiert die aktuelle wirtschaftliche Situation und glaubt, dass in den USA nächstes Jahr sieben Prozent nominales Wirtschaftwachstum möglich sind. Woanders sieht es hingegen weniger gut aus, beispielsweise in Japan, UK und der Eurozone.

Die anhaltende Volatilität der Technologieaktien war in der vergangenen Woche rund um den Globus das dominierende Marktthema. Trotz starker Gewinne von Nvidia herrschte eine pessimistische Stimmung, die sich weiter zu verstärken droht. Für US-Anleihen ist das Protokoll der letzten Fed-Sitzung wichtig. Darin werden die Aussichten auf eine Zinssenkung im Dezember heruntergeschraubt, was durch einen nicht sehr aussagekräftigen Arbeitsmarktbericht für September untermauert wird. "Wir gehen jedoch davon aus, dass es noch zu einer weiteren Zinssenkung kommen könnte, bevor die Politik eine Pause einlegt. Zum jetzigen Zeitpunkt rechnen wir für 2026 aufgrund der relativ optimistischen Wirtschaftsaussichten in den USA nicht mit weiteren Zinssenkungen", schreibt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem aktuellen Wochenkommentar.
Arbeitsmarkt sollte robust bleiben
Die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen trugen diese Woche dazu bei, die Befürchtungen hinsichtlich einer Schwäche des US-Arbeitsmarktes zu entschärfen. "Wir rechnen zwar in den kommenden Monaten mit einem geringeren Beschäftigungswachstum. Da in den USA jedoch zunehmend weniger Ausländer leben, halten wir es für unwahrscheinlich, dass diese Schwäche zu einem wesentlichen Anstieg der Arbeitslosenquote führen wird", führt Dowding aus.
Sieben Prozent nominales BIP-Wachstum?
Angesichts des bereits soliden BIP-Wachstums in den USA legen die zusätzlichen Impulse durch Zinssenkungen, Steuersenkungen und Deregulierung eine Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit in der Zukunft nahe. Da die Unternehmen Pläne angekündigt haben, im Laufe des kommenden Jahres 300 Milliarden US-Dollar in KI-bezogene Projekte in den USA zu investieren, würde Dowding zufolge ein reales BIP-Wachstum von 3,5 Prozent im Jahr 2026 nicht überraschen. Auch die Preise dürften eher steigen, so dass nach Dowdings Einschätzung die Inflationsrate auf 3,5 Prozent zulegen könnte – das entspräche einer Wachstumsrate des nominalen BIP von 7,0 Prozent.
Inflation wird in den USA wieder ein Thema
Für die Unternehmensgewinne ist dies laut Dowding ein förderliches Umfeld, und niedrigere Zinsen wären deshalb nicht gerechtfertigt. Auch im Weißen Haus scheint man zunehmend zu erkennen, dass die Inflation bei den Zwischenwahlen im nächsten Jahr eine der größten Herausforderungen für die Republikaner darstellen wird.
Vieles läuft derzeit schief in Japan
Japanische Anlagen stehen seit der vergangenen Woche zunehmend unter Druck. In ihrem Bestreben, sich das Mantra der Abenomics zu eigen zu machen, drängt Premierministerin Sanae Takaichi auf eine lockerere Geld- und Fiskalpolitik, um das nominale BIP-Wachstum anzukurbeln. Damit verunsichert sie jedoch die Märkte.
Das Problem dieser reflationären Haltung ist laut Dowding: Im Gegensatz zur Amtszeit des ehemaligen Premierministers Abe kämpft die japanische Wirtschaft heute nicht mit einer zu schwachen, sondern mit einer zu starken Inflation. Eine Politik, die darauf abzielt, die Inflation weiter anzukurbeln, obwohl der Verbraucherpreisindex in den letzten drei Jahren mit 3,0 Prozent bereits über dem Zielwert lag, muss daher laut Dowding als völlig fehlgeleitet erscheinen.
"Bei Treffen mit vielen der größten japanischen Investoren letzte Woche waren Sorgen über Takaichis Agenda das beherrschende Thema. Es wird befürchtet, dass es in den kommenden Tagen und Wochen zu einem „Sell Japan Trade” kommen könnte, sofern der Kurs nicht korrigiert wird" merkt Dowding an.
UK: Labour zerstört sich und das Investorenvertrauen
Sanae Takaichi schafft sich ihre Probleme offenbar selbst, und das trifft Dowding zufolge wohl ebenso auf Rachel Reeves in Großbritannien zu. Die am vergangenen Wochenende durchgesickerten Informationen, dass Einkommenssteuererhöhungen aus dem Haushalt in der nächsten Woche ausgeschlossen werden sollen, wurden an den Finanzmärkten mit Skepsis aufgenommen. Immerhin hat die britische Finanzministerin ständig ihre Meinung geändert, was ihrer (verbleibenden) Glaubwürdigkeit schwer geschadet hat.
Die Renditen britischer Staatsanleihen sind zu Beginn der Woche stark gestiegen. Die Märkte werden zunehmend nervös, dass die Labour-Partei aufgrund des politischen Scheiterns in den kommenden Wochen Reeves und möglicherweise auch Premier Starmer ersetzen könnte. Man befürchtet, dass Labour sich in einem solchen Szenario nach links orientieren könnte, was eine noch dramatischere Schwäche britischer Vermögenswerte auslösen könnte.
Alter Kontinent mutiert zu einem Museum
In der EU bleiben die Märkte vorerst stabiler. Jüngste Treffen mit politischen Entscheidungsträgern vermitteln Dowding zufolge jedoch eine relativ pessimistische Einschätzung der Aussichten für Europa. Obwohl fiskalische Anreize das BIP 2026 anheben sollen, leidet die EU unter hohen Energiekosten, die die Industrie wettbewerbsunfähig machen.
Die deutsche Automobilindustrie verliert Marktanteile. Gleichzeitig herrscht eine Stimmung der langanhaltenden Unzufriedenheit. Verbraucher halten sich deshalb mit ihren Ausgaben zurück und Unternehmen sind nicht bereit zu investieren. "In diesem Sinne beunruhigen die Stimmen, dass Europa sich in ein Museum verwandeln könnte – einen Ort, den man gerne besucht und der schön anzusehen ist, an dem aber eigentlich sehr wenig passiert", merkt Dowding an.
Unter den Währungen tendiert Dowding und sein Team weiterhin dazu, den US-Dollar zu bevorzugen, denn das außergewöhnliche Wachstum der USA ist nach wie vor sehr lebendig und positiv.
Wann platzt die KI-Blase?
Das mögliche Platzen einer KI-Blase im kommenden Jahr dürfte Dowding zufolge weiterhin ein wichtiges Thema für Investoren sein. Doch der richtige Zeitpunkt dafür sei sehr schwer zu bestimmen. "In Blasenmärkten kann es genauso riskant sein, Short-Positionen wie Long-Positionen einzugehen, wie uns die Verdopplung des Nasdaq-Index am Ende des Dotcom-Booms 1999 vor Augen geführt hat", erinnert Dowding.
"Aus dieser Perspektive heraus befinden wir uns nicht in einem Umfeld, in dem es sich lohnt, zu hohe Risiken einzugehen. Auf makroökonomischer Ebene können jedoch spezifische Entwicklungen auf Länderebene erhebliche Chancen bieten, die sich bei politischen Fehlentscheidungen deutlich bemerkbar machen können", merkt Dowding abschließend an. (aa)

