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US-Regierung sitzt auf 1,6 Billionen US-Dollar Cash: Was hat sie vor?

Unterhalb des Radars vieler Beobachter hat das US-Finanzministerium beispiellose Barreserven angelegt. „Dies kann drei Gründe haben – und zwei davon würden zu großer Vorsicht mahnen“, sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant.Capital Management.

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Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH
© Quant.Capital Management GmbH

Die Barreserven, die das Department of the Treasury auf einem Konto bei der Fed liegen hat, sind von April bis Ende Juni sprunghaft auf rund 1.650 Milliarden US-Dollar gestiegen. Zum Vergleich: Bis 2015 schwankte dieser Wert zwischen 0 und rund 100 Milliarden US-Dollar, danach pendelte er in einem Bereich zwischen 150 und 400 Milliarden US-Dollar. „Eine solch außergewöhnliche Entwicklung spricht dafür, dass die Treasury in näherer Zukunft mit beispiellosen Ereignissen rechnet oder aber beispiellose Maßnahmen plant“, sagt Mlinaric.

Kein Zufall
Dass es sich dabei nicht um einen Zufall handelt, zeigt auch, dass die US-Regierung selbst bei den aktuell niedrigen Zinsniveaus eine zusätzliche Zinslast von rund 300 Millionen US-Dollar pro Monat in Kauf nimmt, um diese Reserve zu finanzieren. „Wir sehen drei Szenarien, was die US-Regierung mit dem Geld vorhat“, sagt Mlinaric. „Investoren sollten sehr genau schauen, welches davon eintritt, denn mit einer solchen Menge Geld kann viel bewegt werden.“

Was hat die US-Administration vor? Drei Gründe identifiziert
Die erste Variante wäre negativ zu sehen: Ähnlich wie viele Unternehmen könnte die Treasury die Gunst der Stunde genutzt haben, um sich verhältnismäßig günstig mit Liquidität zu versorgen. „Das würde allerdings dafür sprechen, dass die Regierung für die kommenden Monate mit einer deutlichen Verschlechterung der Situation für die Liquiditätsaufnahme rechnet“, sagt Mlinaric. Traut also die Regierung ihrer Notenbank nicht mehr, die bisher die Neuverschuldung der Regierung überwiegend finanziert hatte? „Das wäre ein Indiz für ein zunehmend zerrüttetes Verhältnis zwischen den staatlichen Organen und damit ein sehr negatives Vorzeichen für die zweite Jahreshälfte“, so Mlinaric. „Möglich ist das, aber aus unserer Sicht wenig wahrscheinlich.“

Das zweite Szenario ist wahrscheinlicher und auch positiver: Die bisherigen Erfahrungen mit der Regierung Trump lassen auch den Schluss zu, dass hier die breite Ausschüttung von Wahlgeschenken für die Monate vor der Präsidentenwahl im November vorbereitet wird. „Für Investoren wären das ausgesprochen gute Nachrichten. Es wäre mit einem deutlichen, politisch getriebenen Anheizen der Märkte für September/Oktober zu rechnen“, sagt Mlinaric. Dieses geschähe allerdings vor dem Hintergrund schwacher fundamentaler Rahmendaten. „Investoren sollten sich in solch eine Wahlrallye nur mit einem strengen Risikomanagement hineinstürzen“, so Mlinaric.

„Es gibt aber noch ein drittes Szenario und das macht uns Sorgen“, sagt Mlinaric: „Die Frage ist, ob die Treasury einen außergewöhnlich pessimistischen Ausblick auf die kommende wirtschaftliche Entwicklung hat und deshalb diese außerordentlichen Rücklagen anlegt?“

Die Einnahmen des Bundes lagen im April 2020 um 54 Prozent unter denen des Vorjahres, im Mai 2020 waren es 25 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Allein im Mai 2020 betrug das Defizit 399 Milliarden US-Dollar, für das aktuelle Fiskaljahr bis Mai 2020 insgesamt waren es 1.880 Milliarden US-Dollar.

Warnung an den Markt oder Munition für Wahlzuckerln?
„Die dramatisch ansteigenden Corona-Zahlen könnten weitere Zwangsmaßnahmen bis hin zu einem neuerlichen Lockdown notwendig machen“, sagt Mlinaric. Dann flössen kaum noch Einnahmen, das Polster wäre für die Überbrückung einiger Monate notwendig. „Damit wäre diese extreme Maßnahme der Treasury zugleich eine Warnung an den Markt vor weiteren dramatischen wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, so Mlinaric. „Egal aber welches der drei Szenarien sich am Ende als richtig erweisen sollte: Wir gehen davon aus, dass in den USA in der zweiten Jahreshälfte ein neuer destabilisierender Faktor in das Marktgeschehen eingreifen wird. Und das spricht für eine Risikoabsicherung der gerade wieder erzielten Gewinne.“ (kb)

 

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