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US-Private Equity-Riesen verweigern sich der Glasgower Klimakoalition

Während sich der Staub der bisher ehrgeizigsten Klimakoalition der Finanzindustrie legt, sind einige der größten Namen der Wall Street abwesend. Zu den wichtigsten Netto-Null-Verweigerern gehört die weltweit führende Private-Equity-Firma Blackstone, aber auch Apollo Global Management und KKR & Co..

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Sophie Flak, geschäftsführende Partnerin und Leiterin der ESG-Abteilung bei der französischen Investmentfirma Eurazeo in Paris
© Eurazeo SE

Keines der drei Unternehmen hat eine auf der COP26 enthüllte Zusage unterzeichnet, CO2-Emissionen zu eliminieren und damit eine - aufgrund von Modellrechnungen behauptete - katastrophale Überhitzung des Planeten zu verhindern. 

GFANZ fing nicht alle Titanen der FInanzwelt ein
In der "Glasgow Financial Alliance for Net Zero" (GFANZ) sind die meisten Riesen des Bank- und Versicherungswesens und der Vermögensverwaltung in den Industrieländern vertreten. Die größten Namen der globalen Finanzwelt, die immer noch darum kämpfen, ihr Image nach der Krise von 2008 wieder aufzupolieren, erklärten Anfang November, dass sie ihren Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten werden. J.P. Morgan, Citigroup, BlackRock und Goldman Sachs gehörten zu den rund 450 Unternehmen, die ihre Unterschrift unter das Dokument setzten.

Private-Equity-Branche wurde von GFANZ - bis dato ohne Erfolg - umworben
Mark Carney, der Co-Vorsitzende der GFANZ, der fast ein ganzes Jahr lang versucht hat, so viele Finanzchefs wie möglich davon zu überzeugen, dass sie es sich nicht leisten können, diese Bewegung zu ignorieren, bezeichnete das Ergebnis als "Wendepunkt". Die Gruppe, die er zusammengebracht hat, repräsentiert ein Vermögen von sage und schreibe 130 Billionen Dollar und beweise laut Carney, dass das globale Finanzwesen auf der richtigen Seite der Geschichte landet. Auch die Private-Equity-Branche wurde von GFANZ umworben, so eine Sprecherin der Allianz, die von Michael R. Bloomberg mit geleitet wird. Die GFANZ habe "mit Firmen aus dem gesamten globalen Finanzspektrum gesprochen", so die Sprecherin. Und die Allianz drängt diejenigen, die am Rande stehen, sich dem Wettlauf zum Nullpunkt anzuschließen und mit ihren Kollegen, Wissenschaftlern, den Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen zusammenzuarbeiten, um den Übergang zu einer globalen Netto-Null-Wirtschaft zu beschleunigen", sagte sie.

Optionen evaluieren
Einige kleine PE-Firmen haben sich den Unterallianzen von GFANZ angeschlossen, darunter Stonepeak und Earth Capital. Brookfield Asset Management mit seiner Private-Equity-Einheit, deren stellvertretender Vorsitzender Carney ist, ist ebenfalls Teil der Initiative. 

Private-Equity-Riesen üben Stimmenthaltung
Doch bis Ende November hatten sich die größten Namen der Branche noch nicht angeschlossen. Neben Blackstone, Apollo und KKR haben sich auch die Carlyle Group und TPG bisher der Stimme enthalten. Sprecher von Blackstone, Carlyle und Apollo lehnten eine Stellungnahme ab, als sie von Bloomberg kontaktiert wurden. Eine Sprecherin von KKR sagte, das Unternehmen prüfe derzeit künftige öffentliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit Netto-Null-Zusagen", ohne näher darauf einzugehen. 

Buyout-Giganten profilieren sich als "Forces for Good" und streben nach Profit
Ein Sprecher von TPG sagte, dass das Unternehmen einen Beitritt "in Betracht zieht". Er verwies auf den bereits vorhandenen "sektoralen Fokus auf geringere Kohlenstoffemissionen" im Portfolio von TPG und sagte, dass sich das Unternehmen "am meisten darauf konzentriert", in "Unternehmen zu investieren, die die Technologien zur Kohlenstoffreduzierung entwickeln, die zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens erforderlich sind".

Netto-Null-Ziele durch Private Equity-Firmen leichter erreichbar
Ironischerweise ist Private Equity besser als die meisten anderen Unternehmen geeignet, die Netto-Null-Ziele zu erreichen. Die Branche neigt dazu, "große oder kontrollierende Eigentumsanteile" zu halten, ein Einflussniveau, das "auf den öffentlichen Märkten viel schwieriger zu erreichen ist", so Mary Nicholson, Abteilungsleiterin für  verantwortungsvolles  Investieren bei Macquarie Asset Management. 

Die wahren Gründe
Vertreter von Private-Equity-Firmen, die unter der Bedingung der Anonymität sprachen, sagten, der Hauptgrund, der sie zurückhält, sei die bisherige Unfähigkeit, glaubwürdige Pläne zur Beseitigung ihres Kohlenstoff-Fußabdrucks bis 2050 vorzulegen. Viele verwiesen auch auf ihre bestehenden Klimapläne, die zwar nicht speziell auf eine Netto-Null-Emission bis Mitte des Jahrhunderts abzielten, aber sinnvolle Schritte zur Reduzierung der finanzierten Emissionen unternahmen, so die Bloomberg-Informanten.

Soverein Wealth Funds (SWFs) machen ebenfalls nicht mit
Ein Argument, das auch die Staatsfondsindustrie, die sich größtenteils im Besitz von Petro-Staaten befindet, aufgegriffen hat, um ihren fast vollständigen Boykott der GFANZ zu erklären. 

Klimaaktivisten skeptisch gegenüber GFANZ aus anderen Gründen
Diese haben sich ebenfalls skeptisch geäußert, allerdings aus anderen Gründen. Sie warnen, dass es keine eingebauten Mechanismen gibt, um zu kontrollieren, ob die Unterzeichner ihre Zusagen tatsächlich einhalten. Und einige befürchten, dass die Mitglieder das Bündnis nur als Markenzeichen benutzen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Effektivität von GFANZ im Dunkeln
"Die große Frage ist hier, wie effektiv all diese Allianzen und Verpflichtungen sein werden: Werden sie aufgebaut, um die besten verfügbaren wissenschaftlichen Standards für die Dekarbonisierung zu verfolgen, oder sind sie einfach dazu gedacht, Finanzdienstleister so aussehen zu lassen, als würden sie Maßnahmen in Klimafragen ergreifen, während sie sich selbst an eine niedrigere Messlatte halten", sagte Sophie Flak, geschäftsführende Partnerin und Leiterin der ESG-Abteilung bei der französischen Investmentfirma Eurazeo in Paris.

Netto-Null gegen den Rest
Doch nur wenige Umweltschützer bestreiten die Bedeutung des Netto-Null-Ziels. Die frühere UN-Klimachefin Christiana Figueres kritisierte in diesem Jahr diejenigen, die "die Chancen des kohlenstoffarmen Übergangs" als Investitionsstrategie nutzen, ohne sich zu Netto-Null zu verpflichten. "Angesichts der Schwere der Klimakrise reicht das nicht mehr aus", sagte Figueres, die dem Pariser Abkommen von 2015 vorstand.

Laut Eurazeo sind die Erfolgsaussichten umso geringer, je mehr Netto-Null-Verweigerer es gibt. "Damit ein Projekt wie GFANZ erfolgreich sein kann, müssen sich alle wichtigen Akteure dazu verpflichten, Netto-Null-Emissionen zu erreichen und einen am Pariser Abkommen ausgerichteten Dekarbonisierungsfahrplan zu erstellen", so Flak. "Dazu gehört ganz sicher auch privates Beteiligungskapital." (kb)

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