US-Inflation: Zu hoch für Trump, (noch) nicht für Fed-Chef Warsh
Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz, beleuchtet die jüngsten US-Inflationszahlen und erklärt, wie sich diese auf die Zinspolitik der Fed, aber auch auf die Zufriedenheit der US-Konsumenten auswirken könnten.

Eckpunkte:
- Die US-Verbraucherpreise sind im Mai um ein halbes Prozent erneut kräftig gestiegen
- Die Inflationsrate erhöhte sich auf 4,2 Prozent und liegt weit über dem Inflationsziel der US-Notenbank.
- Verantwortlich war vor allem der erneute Anstieg der Energiepreise.
- Ohne Energie und Nahrungsmittel stieg die jährliche Teuerung dagegen nur leicht auf 2,9 Prozent
- Die Mai-Daten erhöhen damit vor allem den politischen Druck auf die Trump-Administration
Immer höhere Inflationsraten
Die US-Verbraucherpreise sind im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen. Die jährliche Inflationsrate erhöhte sich damit von 3,8 auf 4,2 Prozent. "Ausschlaggebend war erneut die Entwicklung der Energiepreise. Nachdem der Energieindex bereits im März und April kräftig gestiegen war, legte er im Mai nochmals um 3,9 Prozent zu. Die Benzinpreise erhöhten sich sogar um 7,0 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegen um 40,5 Prozent höher als vor einem Jahr", weist Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz, in einer aktuellen Marktkommentierung hin.
Kerninflation steigt langsamer
Abseits des Energiesektors fiel der Preisauftrieb im Mai dagegen vergleichsweise moderat aus. Die Kernteuerung ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei lediglich 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und fiel damit etwas geringer als erwartet aus. Die jährliche Kerninflationsrate stieg nur leicht von 2,8 auf 2,9 Prozent. "Bemerkenswert ist, dass die Preise für Güter weiterhin kaum Dynamik zeigen. Die Preise für Neuwagen gingen sogar um 0,3 Prozent zurück. Die befürchteten Zweitrundeneffekte durch höhere Energiepreise oder Importzölle bleiben weiterhin begrenzt", merkt Mayr an.
Noch kann Kevin Warsh die Zinsen unten lassen
Der erneute Anstieg der Inflation ist geldpolitisch unangenehm, liefert dem neuen FED-Chef Warsh aber wohl noch keinen überzeugenden Grund für einen unmittelbar restriktiveren Kurs, meint Mayr.
Vieles spricht für eine Fortsetzung der abwartenden Haltung. Die Argumente für die von Warsh bislang in Aussicht gestellten Zinssenkungen bleiben aber mindestens so schwach wie die für rasche Zinsanhebungen.Die US-Wirtschaft befindet sich klar in einem Regime des inflationären Wachstums, in dem die Leitzinsen tendenziell steigen sollten.
Unmittelbar problematisch sind die Daten aber für die Trump-Administration. Die Verbraucher spüren den starken Anstieg der Energiepreise täglich an der Zapfsäule. Die Kaufkraft bleibt stark vom Ölpreis abhängig.
"Sollte der Energiepreisschock anhalten, wird die Konsumlaune wohl weiter sinken und mit ihr die Zustimmungswerte der Trump-Administration im Vorfeld der Zwischenwahlen im Herbst. Der Amtsantritt des neuen FED-Chefs findet damit in einem sehr herausfordernden Umfeld statt, datenseitig, aber vor allem politisch", erklärt Mayr abschließend. (aa)



