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Unterinvestitionen in Ölförderung treiben Energiepreise und Inflation

Die Erwartungen der Investoren haben sich innerhalb nur eines Quartals grundlegend geändert. Wurde zuvor noch mit einem starken Wachstum und vorübergehendem Inflationsdruck gerechnet, herrscht nun Angst vor Stagflation, also vor einem schwachen Wachstum bei anhaltendem Inflationsdruck.

Edouard Carmignac
Grandseigneur Edouard Carmignac
© Guy Bell/Carmignac

Der Rückgang der Wachstumserwartungen ist für Carmignac keine Überraschung, denn das Haus hat mit einer Wachstumsverlangsamung gerechnet. Besorgniserregender ist aus dessen Sicht die Zunahme des Inflationsdrucks und die Frage nach dessen Nachhaltigkeit.

Störungen in den Produktionsketten ist vorübergehender Natur
So dürfte etwa der Mangel an Halbleitern, der die Produktion bei einer Vielzahl von Automobilherstellern zumindest teilweise lahmgelegt hat, bald durch die Wiedereröffnung der Testzentren in Malaysia behoben werden. Diese verfügen über große Bestände, welche nur noch zertifiziert werden müssen. Ähnliches gilt für die Überlastung der Häfen, die angesichts des Mangels an Komponenten in vielen Branchen zu Lieferengpässen führt.

Der Aufwärtsdruck auf die Energiepreise dürfte dagegen langfristig bestehen bleiben
Zwar sind die in den letzten Wochen verzeichneten Preissteigerungen das Resultat eines außergewöhnlichen Zusammentreffens von Trockenheit, schwachen Winden in Europa und der saisonalen Abschaltung von Gasproduktionsanlagen. Die Investitionen in die Förderung fossiler Brennstoffe waren in den vergangenen Jahren jedoch zu gering. In Verbindung mit der Bevorzugung grüner Energien wird das zwangsläufig dazu führen, dass die Energiepreise steigen. Ein positiver Effekt des Anstiegs der Preise traditioneller Energien ist zumindest, dass erneuerbare Energien wettbewerbsfähiger werden.

Ob es zu anhaltendem Lohndruck kommen wird, ist schwieriger vorherzusagen
Einerseits bemühen sich Regierungen in vielen Ländern (von den USA bis China), die Ungleichheiten zu verringern, was Aufwärtsdruck bei den Löhnen von Geringverdienern zur Folge hat. Andererseits halten die Corona-Hilfen einige Menschen vom Arbeitsmarkt fern. Wird das Auslaufen dieser Hilfszahlungen ausreichen, um den Trend umzukehren?

Inflation hartnäckiger als anfangs gedacht
"Man sollte jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass sich die Inflation nach der Corona-Krise wahrscheinlich als hartnäckig erweisen wird", schreibt Edouard Carmignac in seinem Brief. Dennoch gehe man weiterhin davon aus, dass strukturelle (demografische, technologische) deflationäre Faktoren den Inflationsdruck mindern würden. Eine moderate Inflation von etwa zwei Prozent müsse man nicht fürchten. Sie würde die reale Schuldenlast verringern, die Verbraucher zum Konsum und die Unternehmen zu mehr Investitionen anregen und wäre zudem positiv für Aktienanlagen. (kb)

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