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Unigestion: Small- und Mid-Market-Private-Equity hat seine Meriten

Nach Ansicht von Christophe de Dardel, Head of Private Equity bei Unigestion, sollten sich Private-Equity-Investoren insbesondere das KMU-Segment ansehen. Denn viele margenstarke Nischenplayer sorgen auf lange Sicht für mehr Defensive in der Privatmarktanlagentangente.

Christophe de Dardel, Head of Private Equity bei Unigestion
Christophe de Dardel, Head of Private Equity bei Unigestion
© Unigestion

Die letzte Rezession der Weltwirtschaft hatte ihren Ursprung in der globalen Finanzkrise (GFK) von 2007/08. Zwar haben die GFK und die aktuelle Krise unterschiedliche Auslöser, aber die Rahmenbedingungen aus vorangegangenem starkem globalen Wirtschaftswachstum, robusten Finanzmärkten und die überhöhten Bewertungen sind ähnlich. Aus Sicht von Christophe de Dardel, Head of Private Equity bei Unigestion, können deshalb Beobachtungen aus der GFK immer noch relevant sein. Der Schweizer Vermögensverwalter hat in einem "Institutional Money" vorliegenden Papier analysiert, welche Auswirkungen sich möglicherweise auf kleine und mittlere Unternehmen mit Private-Equity-Beteiligung ergeben.

Kleine und mittelgroße Unternehmen resistenter
Zwar schnitten während der globalen Finanzkrise insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) aus zyklischen Sektoren wie Öl und Gas, Tourismus/Freizeit, Automobil und Konsumgüter, nicht besonders gut ab.

De Dardel verweist aber darauf, dass trotzdem die meisten Portfoliounternehmen von Private-Equity-Fonds mit KMU-Fokus widerstandsfähiger waren als die von Fonds mit Fokus auf Large- und Mega-Caps (siehe nachfolgende Abbildung).

Renditen von Buyout-Fonds in Rezessionszeiten

Quelle: Pitchbook, Stand Januar 2020. Unigestion basierend auf PEVARA, Stand: August 2019.

Nischenplayer überstehen Krisen besser
KMUs haben tendenziell einen geringeren Verschuldungsgrad und sind oft in Nischensektoren tätig, die von wirtschaftlichen Auf- und Abschwüngen weniger stark betroffen sind. Zudem sind sie in der Regel agiler und könen schneller reagieren um beispielsweise Kosten zu senken oder Investitionen zu reduzieren. Dank ihres geringeren Fremdkapitaleinsatzes und ihrer im Allgemeinen solideren Bilanzen können sie eine vorübergehende Verringerung des EBITDA und einen Anstieg ihrer Schuldner und/oder Lagerbestände leichter auffangen. Deshalb sind diese Eigenschaften für Unigestion auch in der aktuellen Krise entscheidende Merkmale bei der Unternehmensauswahl.

Gute Vintages
Die besten Auflagejahre für Fonds mit einem KMU-Fokus in den zurückliegenden 15 Jahren waren tatsächlich die Jahre 2008 und 2009, also mitten in der GFK. Für diese starke Performance gab es nach Einschätzung von de Dardel mehrere Gründe.

Erstens konnten die Private-Equity-Investoren in den Jahren unmittelbar nach der GFK von niedrigeren Eintrittsbewertungen profitieren.

Zweitens waren die KMU, in die Private-Equity-Firmen investierten, diejenigen, die bereits die Krise überlebt hatten, ein klarer Beweis für die Widerstandsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle. Schließlich bot die spätere wirtschaftliche Erholung ab 2009 einen nützlichen Rückenwind für alle Unternehmen.

De Dardel erwartet, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren ähnliche Bedingungen für Investoren in KMUs herrschen werden.

Langfristige Investmentthemen im Blickfeld
Attraktiv sind nach seiner Meinung Unternehmen, die von langfristigen Investmentthemen wie der demografischen Entwicklung und dem technologischen Fortschritt profitieren. Quarantäne, Selbstisolierung und Heimarbeit oder Heimstudium sind durch COVID-19 für Milliarden von Menschen zur neuen Realität geworden. Anlagethemenwie die „Zukunft der Arbeit“, „Umgestaltung des Gesundheitssystems“ und „Lokalisierung der Versorgung“ werden deshalb von der aktuellen Situation positiv beeinflusst.

Die Zukunft der Arbeit umfasst neue Arbeits- und Lernformen. Technologie-, Bildungs- und Medienunternehmen, die verschiedenen Formen des E-Learnings und des virtuellen Unterrichts anbieten, haben hier Rückenwind.

COVID-19 hat wichtige Lücken in den Gesundheitssystemen aufgedeckt, was ihre Umgestaltung vorantreiben dürfte. Davon profitieren Bereiche wie Diagnostik, Impfstoffe, medizinische Ausrüstung, medizinische Geräte für den Heimgebrauch und Online-Konsultationen. Lieferunterbrechungen und Probleme mit der Versorgungsqualität dürften zu einer stärkeren Lokalisierung der Versorgung führen. Dies betrifft die Versorgung lebenswichtiger Bestandteile wie Wirkstoffe für Medikamente (APIs) und Lebensmittel sowie strategische Komponenten für viele Branchen wie Telekommunikation, Automobil und Textilien. Am Ende könnten die Neugestaltung der globalen Lieferketten und eine erhöhte Nachfrage nach lokalen Produkten stehen.

De Dardel erwartet Investitionsopportunitäten in unterschiedlichen Situationen, etwa bei:

  • Spinouts aus notleidenden Konzernen
  • Unternehmen mit unmittelbarem Liquiditätsbedarf für Rekapitalisierung, Wachstum oder Expansion
  • Portfoliounternehmen von General Partners, die Liquidität für ihre Limited Partners generieren müssen
  • Unternehmen, die von General Partners gesourced werden, die keine Kapazität für weitere Deals in ihrem aktuellen Fonds haben und nicht in der Lage sind, für ihren neuen Fonds Kapital zu beschaffen

Der Vergleich mit der GFK zeigt, dass kleine und mittelgroße Unternehmen, insbesondere wenn sie von Private Equity unterstützt werden, im Vergleich zu größeren Unternehmen in einer Krise eine höhere Widerstandsfähigkeit aufweisen. Deshalb sieht man bei Unigestion in diesem Segment das höchste Renditepotenzial und empfiehlt Investoren nachhaltige Anlagethemen zu verfolgen und sich auf robuste Unternehmen zu konzentrieren. (aa)

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