Überraschung: KI-Boom sorgt für höhere Dividendenausschüttungen
Der KI-Boom treibt nicht nur die Aktienmärkte an. Nach Berechnungen von Capital Group schlägt er sich zunehmend auch in den Ausschüttungen nieder. Weltweit erreichten die Dividenden im zweiten Quartal einen Rekord – besonders kräftig legte der Technologiesektor zu.

Eckpunkte:
- Weltweite Dividenden steigen im zweiten Quartal um 7,9 Prozent auf Rekordniveau
- Technologieunternehmen erhöhen ihre Ausschüttungen um 26,3 Prozent
- Capital Group hebt Dividendenprognose für 2026 auf 2,23 Billionen Dollar an
- Das überrascht am ersten Blick, wenn man an die hohen Investitionssummen vieler "Hyperscaler" denkt
Die weltweiten Dividendenausschüttungen haben im zweiten Quartal 2026 einen neuen Rekord erreicht. Insgesamt zahlten Unternehmen 827,3 Milliarden US-Dollar an ihre Aktionäre aus, 7,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bereinigt um Wechselkurse, Sonderdividenden und andere technische Faktoren betrug das Wachstum 7,5 Prozent und fiel damit höher aus als erwartet, wie aus dem aktuellen "Dividend Watch" der Capital Group hervorgeht.
Das Wachstum war zudem breit angelegt. Weltweit erhöhten 88 Prozent der Unternehmen ihre Dividenden oder hielten sie zumindest konstant. Das Medianwachstum lag bei sechs Prozent. Das zweite Quartal ist traditionell der saisonale Höhepunkt der globalen Dividendensaison.
Tech-Dividenden legen kräftig zu
Besonders dynamisch entwickelten sich die Ausschüttungen im Technologiesektor. Die Kerndividenden stiegen dort gegenüber dem Vorjahresquartal um 26,3 Prozent. Capital Group führt dies vor allem auf das starke Gewinnwachstum entlang der globalen Halbleiter-Lieferkette infolge des KI-Booms zurück. Die Hälfte des Dividendenanstiegs im Technologiesektor entfiel dabei auf den globalen Marktführer in den USA.
"Der KI-Boom treibt nicht mehr nur die Märkte an und beflügelt die Aktienkurse. Er trägt nun auch dazu bei, weltweit Rekord-Ausschüttungen für Aktionäre zu erzielen", sagt Alexandra Haggard, Head of Product, Europe and Asia-Pacific bei Capital Group.
Der Finanzsektor bleibt mit Abstand der größte Dividendensektor. Finanzunternehmen erhöhten ihre Ausschüttungen im zweiten Quartal um 26 Milliarden Dollar beziehungsweise 10,1 Prozent und leisteten damit den größten Beitrag zum globalen Rekord. Auch der Bergbausektor erholte sich weiter, hier stiegen die Ausschüttungen um 15,1 Prozent. Nach Einschätzung von Capital Group dürfte der Technologiesektor 2026 erstmals zum zweitgrößten Dividendensektor weltweit aufsteigen.
Europa hinkt hinterher
Regional verzeichneten Japan und die breitere Pazifikregion das stärkste Dividendenwachstum. Capital Group führt dies unter anderem auf eine steigende Unternehmensprofitabilität, Governance-Reformen und eine stärkere Ausrichtung börsennotierter Unternehmen auf ihre Aktionäre zurück.
Die USA kamen auf ein Kernwachstum von 8,7 Prozent. Deutlich schwächer entwickelten sich dagegen Europa und die Schwellenländer. In Europa stiegen die Kerndividenden um 3,6 Prozent, wobei vor allem Kürzungen im Automobilsektor bremsten. Robuste Ausschüttungen von Banken und anderen Finanzunternehmen glichen einen Teil der Schwäche aus. In den Emerging Markets lag das Wachstum bei 4,7 Prozent, belastet durch Rückgänge im Nahen Osten.

Prognose angehoben
Nach dem starken zweiten Quartal hat Capital Group seine Prognose für die weltweiten Dividenden 2026 angehoben. Der Asset Manager rechnet nun mit Ausschüttungen von insgesamt 2,23 Billionen Dollar, nach zuvor 2,20 Billionen Dollar. Das entspräche einem Anstieg um 6,4 Prozent. Das erwartete Kernwachstum wurde zugleich von 4,7 auf sechs Prozent erhöht. Als Gründe nennt Capital Group höher als erwartet ausgefallene Sonderdividenden, den schwächeren US-Dollar sowie die geänderte Dividendenpolitik eines großen US-Halbleiterunternehmens. (dv)