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Überraschend? Britische Hedge-Fonds haben einen patriotischen Bias

Eine "patriotische Voreingenommenheit" gegenüber in London notierten Aktien hat bei britischen Hedgefonds während der Covid-19-Pandemie zugenommen und lässt die Bemühungen der Manager um eine Diversifizierung der Portfolios hinanstehen, stellt eine neue Branchenumfrage fest.

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Briticshe Hedgefonds haben tatsächlich einen Home Bias in ihren Anlagen. 
© niyazz / stock.adobe.com

Der institutionelle Prime-Broker IG Prime befragte 250 Hedge-Fonds-Portfoliomanager und Hedge-Fonds-Händler, um herauszufinden, was ihre Diversifizierungsstrategien beeinflusst, welche internen und externen Faktoren die Determinanten ihrer Anlageentscheidungen sind und was sie beim internationalen Handel berücksichtigen.

Ausgeprägter Home Bias
Bemerkenswerte 96 Prozent der befragten Hedge-Fonds glauben, dass britische Aktien im Vergleich zu anderen Märkten erfolgreicher sind - und das, obwohl US-Aktien im Verlauf der Covid-19-Pandemie die britischen Aktien überflügelt haben. Dies deute auf eine patriotische Tendenz hin, die die Entscheidungen der britischen Hedge-Fonds bei der Portfolio-Allokation beeinflusse, so IG Prime. "Unsere Umfragedaten zeigen, dass sich die Hedgefonds auf die Märkte konzentrieren, die sie am besten kennen und in denen sie sich am wohlsten fühlen", sagte Chris Beauchamp, leitender Marktanalyst der IG Group. 

USA waren aber objektiv besser
Obwohl Märkte wie die USA das Vereinigte Königreich deutlich überflügelt haben, werden "sichere" Anlagen, bei denen die Manager überzeugt sind, dass sie eine Rendite abwerfen, wahrscheinlich gegenüber "riskanteren" Anlagen bevorzugt - trotz deren Potential im Hinblick auf höhere Gewinne.

Managementdruck als gewichtige Ursache für Diversifikation
Der Bericht untersuchte interne und externe Faktoren, die auf die Investitionsentscheidungen und den Portfolioaufbau von Hedgefonds einwirken. Trotz ihres allgemeinen Vertrauens in britische Aktien gaben mehr als die Hälfte - 57 Prozent - der Befragten an, dass der Druck des Managements" ein Faktor für die Diversifizierung außerhalb britischer Anlagen sei, während ebenso viele den Wunsch äußerten, von anderen Märkten mit starker Performance zu profitieren". 

Hedgefonds-Händler sind stärker auf die Performance fokussiert als Portfolio-Manager
59 Prozent der Portfoliomanager gaben an, dass der Druck des Managements der Grund für die Diversifizierung war, und 53 Prozent sagten, es sei der Wunsch, von anderen Märkten mit guter Performance zu profitieren. Hedge-Fonds-Händler hingegen scheinen sich mehr auf die Performance zu konzentrieren - 52 Prozent nannten den Druck des Managements, während 65 Prozent das Engagement in Märkten mit guter Performance nannten. Weitere Prioritäten sind der Risikoausgleich (64 Prozent) und die Minimierung der Volatilität (65 Prozent).

Detailergebnisse
In dem Bericht heißt es: "Trotz des allgemeinen Vertrauens in britische Aktien könnte der angegebene Druck zur Diversifikation auf die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen sein, die durch die Pandemie und geopolitische Einflüsse wie die US-Wahlen und den Brexit ausgelöst wurde. An anderer Stelle gaben 46 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie sich aufgrund mangelnder Erfahrung immer noch vorsichtig mit dem Handel auf internationalen Märkten fühlen, während weitere 46 Prozent aller Befragten angaben, dass sie über die Auswirkungen der politischen Volatilität auf die Märkte besorgt seien. Weitere 45 Prozent nannten unterschiedliche Handelsgesetze als Hindernis für den Aktienhandel auf Märkten außerhalb ihres Hauptwohnsitzes.

Brit-Bias ungebrochen, doch kleine Verschiebung hin zu europäischen Aktien
Vor der Pandemie gaben etwa 59 Prozent der britischen Hedgefonds an, dass sie zwischen 76 und 100 Prozent ihres Portfolios in britische Anlagen investiert hätten. Inzwischen ist diese Zahl auf 63 Prozent gestiegen. Gleichzeitig gab es seit Beginn der Pandemie auch eine geringfügige Verschiebung hin zu europäischen Aktien, stellte IG Prime fest, wobei die Zahl der Hedgefonds, die 26-50 Prozent ihres Portfolios in europäische Aktien investierten, von 6 Prozent vor der Pandemie auf 8 Prozent anstieg. "Obwohl vor der Pandemie die Ausrichtung auf das eigene Land ein wichtiger Faktor in den Portfolios der Hedgefonds war, haben die patriotischen Investitionen seither zugenommen, da die Anleger einen größeren Teil ihrer Mittel in britische Aktien investiert haben", heißt es in der Studie.

Brexit wirkt nach
"In der Zwischenzeit könnte der leichte Anstieg der europäischen Investitionen das Ergebnis der lokalen politischen Unsicherheit sein, die durch den Brexit ausgelöst wurde, was dazu geführt haben könnte, dass einige Anleger versuchen, von europäischen Unternehmen zu profitieren, die von der Neuordnung des EU-Handels profitieren könnten. Es ist jedoch anzumerken, dass der Anstieg der europäischen Investitionen minimal ist und möglicherweise nicht auf einen breiteren Trend hindeutet."

In Krisenzeiten besinnt man sich gerne auf Heimisches, auch bei Aktien
Beauchamp: "Es ist keine Überraschung, dass Hedge-Fonds in Krisenzeiten versuchen, so viel Risiko wie möglich zu minimieren, und wenn mangelnde Kenntnisse und Erfahrungen mit einem bestimmten Markt als Risiko angesehen werden, dann scheint diese Risikominderung eine Triebfeder für fortgesetzte patriotische Investitionen während der Pandemie zu sein."

Birtische Hedgefonds im Stimmungshoch für 2022
Die Studie folgt einer kürzlich gemeinsam von der Alternative Investment Management Association (AIMA), Simmons & Simmons und Seward & Kissel veröffentlichten Untersuchung, die zeigt, dass das Vertrauen der britischen Hedgefonds in ihre Geschäftsaussichten für das kommende Jahr deutlich gestiegen ist und die Stimmung der in den USA, der EMEA und dem asiatisch-pazifischen Raum ansässigen Manager übertrifft. (kb)

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