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Über ignorierte Risiken und eine heimliche Monetarisierung

Inflation und Staatsschulden laufen gefährlich in die falsche Richtung – und das unabhängig vom Irankonflikt. Laut Beat Thoma, CIO bei Fisch AM, sind die Anleihenrenditen zehnjähriger US-Treausuries derzeit zu niedrig und sollten laut Taylor-Rule eher bei sechs Prozent liegen.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management: "Derzeit werden potenzielle Gefahren an den Finanzmärkten fast vollständig ignoriert, was kurzfristig entsprechend unterstützend wirkt." 
Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management: "Derzeit werden potenzielle Gefahren an den Finanzmärkten fast vollständig ignoriert, was kurzfristig entsprechend unterstützend wirkt." © Fisch Asset Management

Eckpunkte:

  • Staatsschulden und Inflation laufen insbesondere in den USA seit einiger Zeit in die falsche Richtung.
  • Da es sich hier um langfristige strukturelle Trends handelt, ist auch nach einer allfälligen Beendigung des Irankriegs keine Besserung in Sicht.
  • Allerdings wirken aktuell verschiedene schadensdämpfende Faktoren, welche einem imminenten Kontrollverlust entgegenwirken.

Die aktuell zu beobachtende Kombination aus steigender Staatsverschuldung, zunehmendem Inflationsdruck, steigenden Staatsanleihenrenditen und gleichzeitig rückläufiger Finanzmarktliquidität ist eine gefährliche Kombination für die globalen Aktien- und Staatsanleihenmärkte. Dieser Ansicht ist Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, in einem aktuellen Kommentar.

Problematisch ist laut Thoma zudem, dass es sich bei den Treibern der Staatsverschuldung und der Inflation um strukturelle Faktoren handelt, die nur schwer umzukehren sind und zudem auch nach einem allfälligen Ende des Irankrieges weiterwirken. "Die globale Liquidität fällt ebenfalls strukturell aufgrund eines regelmäßigen Sieben-Jahreszyklus und einer aktuell anziehenden globalen Konjunktur, die Kapital von den Finanzmärkten absaugt. Exemplarisch zu nennen sind hier die riesigen Kapitalinvestitionen der Mag7 in den USA", erklärt Thoma.

Teufelskreis voraus?
Zudem drohen Thoma zufolge verschiedene Rückkopplungsschleifen, die zu einem schnellen Aufschaukeln von Problemen führen können: "So führt eine solide Konjunktur zu mehr Inflation und höheren Zinsen. Das reduziert die Liquidität, was den Aktienmarkt und nachgelagert auch die Konjunktur dämpft. Das wiederum reduziert die Steuereinnahmen und erhöht somit das Staatsdefizit noch weiter, was abermals zinssteigernd wirkt. Und damit schließt sich der Kreis."

Vorerst bleibt die Situation aber unter Kontrolle
Die erwähnten Rückkopplungen wirken Thoma zufolge noch nicht. Grund dafür sind zwei wichtige positive Faktoren, welche die Inflation und das Staatsdefizit derzeit noch dämpfen:

  • Erstens steigen die für die Inflation zentralen Geldmengen M2 aufgrund restriktiver Notenbanken nur moderat und zu wenig für eine starke Beschleunigung der Inflation.
  • Zweitens dämpfen die derzeit enorm hohen Steuereinnahmen in den USA (wegen guter Konjunktur und steigender Aktienmärkte) das Staatsdefizit und damit die langfristigen Zinsen. Zudem führen Inflationsraten von derzeit knapp 3,5 Prozent zu einer zusätzlichen Reduktion der realen Staatsschuldenlast.

Handlungsimplikationen
Da aktuell wichtige Treiber für die Finanzmärkte wie die Inflation und Staatsverschuldung global zwar in die falsche Richtung laufen, aber aufgrund der oben erwähnten Faktoren vorerst noch unter Kontrolle sind, bleiben die Marktstrategen von Fisch AM beim Risiko- und Zinsexposure in einer neutralen Bandbreite.

FED-Put als Sicherheitsnetz
Zudem ist im Fall von größeren Marktturbulenzen (sowohl an den Aktien- wie auch Kreditmärkten) mit einem schnellen Eingreifen der Notenbanken zu rechnen. In den USA werden bereits jetzt gewisse Kapitalvorschriften für das Bankensystem gelockert, was zu einer beträchtlichen Liquiditätsausweitung und höheren Kreditvergabe führt.

Heimliche Monetarisierung der US-Staatschulden
Zusammen mit der zunehmenden Finanzierung der US-Staatsverschuldung über kurze T-Bills und Rückkäufen langlaufender Staatsanleihen durch das US-Treasury, was einer heimlichen Monetisierung der Staatsverschuldung entspricht, entsteht laut Thoma ein stark dämpfender Effekt auf das langfristige Zinsniveau in den USA.

Deshalb werden laut Thoma potenzielle Gefahren an den Finanzmärkten derzeit fast vollständig ignoriert, was kurzfristig entsprechend unterstützend wirkt. Trotzdem sollten die drohenden negativen Rückkopplungen und die aktuelle Divergenz zwischen fallender Finanzmarktliquidität aufgrund restriktiver Zentralbanken und gleichzeitig steigenden Aktienkursen im Auge behalten werden.

Zudem besagt Thoma zufolge die bekannte "Taylor-Rule" indirekt, dass das US-Zinsniveau für 10-jährige Staatsanleihen bei 6,0 Prozent liegen sollte und eben nicht bei den aktuellen ca. 4,37 Prozent. "Insgesamt sind die Risikoprämien an den Märkten derzeit also unzureichend und die Bewertungen zu hoch", hält Thoma fest, um abschließend zu empfehlen: "Wir empfehlen zudem, bereits jetzt Aktien in Wandelanleihen zu tauschen, da diese ein interessantes asymmetrisches Chancen-/Risiko-Profil bieten." (aa)

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