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UBS warnt vor Ausführungsrisiken beim KI-Infrastrukturboom

Zwar steigen die Investitionen in KI weiter kräftig, doch die UBS warnt davor, hohe Nachfrage mit einer reibungslosen Umsetzung neuer Rechenzentren gleichzusetzen. Vor allem Stromversorgung, Finanzierung und Genehmigungen könnten Projekte verzögern und deren Wirtschaftlichkeit belasten.

Mark Haefele, Global Wealth Management CIO: "Es ist wichtig zu beachten, dass eine robuste Nachfrage keine rechtzeitige Lieferung garantiert."
Mark Haefele, Global Wealth Management CIO: "Es ist wichtig zu beachten, dass eine robuste Nachfrage keine rechtzeitige Lieferung garantiert."© UBS Asset Management

Eckpunkte:

  • UBS erwartet 2027 KI-Investitionen von 1,2 Billionen US-Dollar
  • Neun nordamerikanische Projekte mit rund sieben Gigawatt verzögert oder gestrichen
  • Bei Rechenzentren bevorzugt UBS bestehende Assets gegenüber Greenfield-Projekten

Nach Einschätzung der UBS dürfte nicht jedes angekündigte KI-Infrastrukturprojekt wie geplant realisiert werden. Das Chief Investment Office der Schweizer Großbank erwartet, dass die Investitionen in der KI-Branche 2027 auf 1,2 Billionen US-Dollar steigen, ein Plus von 33 Prozent gegenüber den für 2026 geschätzten 900 Milliarden Dollar. Die Prognose berücksichtigt bereits, dass Vorhaben verzögert, verkleinert oder gestrichen werden.

"KI-Nachfrage und -Lieferung sind unterschiedliche Fragen", schreiben die UBS-Strategen um Mark Haefele, Chief Investment Officer Global Wealth Management. Zwar seien die Risiken für die Investitionsprognose derzeit überschaubar. "Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine robuste Nachfrage keine rechtzeitige Lieferung garantiert."

Erste Projekte geraten ins Stocken
Das UBS Evidence Lab hat in Nordamerika bereits neun Projekte identifiziert, die von Verzögerungen oder Stornierungen betroffen sind. Zusammen stehen sie für rund sieben Gigawatt ursprünglich geplanter Kapazität und damit etwa fünf Prozent der angekündigten regionalen Pipeline von 130 Gigawatt.

Aktueller Anlass für die Analyse sind unter anderem Berichte über Oracles "Project Jupiter" in New Mexico. Der Bau des rund 1.400 Hektar großen Rechenzentrumscampus könnte sich demnach um ein Jahr verzögern. Laut Financial Times und Bloomberg will Oracle eine Vertragsklausel nutzen, die Zahlungsaufschübe ermöglicht, falls Stromprobleme die planmäßige Eröffnung verhindern. Das Projekt habe Medienberichten zufolge Kredite über 18 Milliarden Dollar gesichert. Oracle und seine Partner hätten jedoch nicht erkennen lassen, dass sie das Vorhaben aufgeben wollten.

Nach Einschätzung von UBS könnten die Risiken über einzelne Projekte hinausreichen. "Die Finanzierungs- und Ausführungsrisiken könnten über ein einzelnes Projekt hinausgehen", schreiben die Strategen. Zugleich warnen sie ausdrücklich davor, Schwierigkeiten einzelner Vorhaben auf die gesamte KI-Branche zu übertragen.

Strom wird zum entscheidenden Engpass
Besonders die Energieversorgung entwickelt sich nach Einschätzung von UBS zu einem kritischen Faktor. "Der Zugang zu Strom bestimmt zunehmend, wann Rechenkapazitäten mit der Generierung von Einnahmen beginnen können", heißt es in der Analyse. Zusätzlich könnten knappe geeignete Grundstücke, lokaler Widerstand, Umweltbedenken und lange Warteschlangen für Netzanschlüsse den Ausbau verzögern.

Die Engpässe eröffnen zugleich Investitionschancen. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt laut UBS die weltweiten Netzinvestitionen 2026 auf mehr als 540 Milliarden Dollar. UBS sieht Chancen bei Stromerzeugung und -übertragung sowie bei Speichern, elektrischer Ausrüstung, Kühlung und industrieller Automatisierung. Verzögerungen könnten auf der anderen Seite Umsätze nach hinten verschieben, Finanzierungskosten erhöhen und die Planbarkeit der Auftragslage für Zulieferer beeinträchtigen.

UBS bevorzugt bestehende Rechenzentren
Für Privatmarktinvestoren zieht UBS daraus klare Konsequenzen. Bei Immobilien und Infrastruktur bevorzugt das CIO Core- und Core-Plus-Engagements mit besser sichtbaren Einnahmen und geringerem Entwicklungsrisiko. Bei Rechenzentren favorisiert UBS bestehende Assets gegenüber Greenfield-Projekten, die zunächst fertiggestellt werden, Strom sichern und Mieter gewinnen müssen. Besonders interessant seien bestehende Rechenzentren in Primärmärkten mit niedrigen Leerstandsquoten und bonitätsstarken Mietern mit langfristigen Verträgen. "An den Privatmärkten bevorzugen wir etablierte Infrastrukturen mit sichtbaren Erträgen gegenüber Projekten, deren Renditen stark von Bau und Genehmigungen abhängen", fasst UBS die Konsequenz für Anleger zusammen. (dv)

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