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UBS und Credit Suisse sträuben sich gegen Fusionsideen der Politik

Die UBS Group und die Credit Suisse Group lehnen eine Zwangsehe ab. Die staatliche Planung von Szenarien für einen von der Regierung arrangierten Zusammenschluss geht jedoch weiter, wie Bloomberg News von Informanten erfahren hat.

Gepokert wird um das weitere Schicksal der Credit Suisse Group.
Gepokert wird um das weitere Schicksal der Credit Suisse Group.

© fotofabrika / stock.adobe.com

Die UBS würde es vorziehen, ihre eigene Strategie zu verfolgen, die ganz auf das Wealth Management ausgerichtet ist. Wie es heißt, sträubt sie sich gegen die Übernahme von Risiken im Zusammenhang mit der Credit Suisse. Die kleinere, krisengeschüttelte Bank ist ebenfalls nicht begeistert von der Idee und würde lieber die Zeit nutzen, ihren Sanierungsplan umzusetzen.

Atempause, doch für wie lange?

Die Credit Suisse gewann am Donnerstag eine Atempause dank einer Liquiditätsspritze der Schweizerischen Nationalbank in Höhe von 50 Milliarden Franken. Zuvor hatte sie an die Institutionen der Eidgenossenschaft appelliert, öffentlich ihre Unterstützung zu zeigen, nachdem ihr Aktienkurs am Mittwoch eingebrochen war.

Szenarien durchgespielt

Sowohl die UBS als auch die Credit Suisse betrachten eine Fusion — die wohl eher eine Übernahme durch die UBS wäre — angesichts der erheblichen Hürden und Überschneidungen als letztes Mittel, so die Personen. Regierung und Banken spielen eine ganze Reihe von Szenarien durch, und es ist noch nicht klar, welche zusätzlichen Schritte über die Liquiditätssicherung hinaus ergriffen werden.

Analysten: Übernahme der CS durch die UBS oder Zerschlagung am wahrscheinlichsten

Eine Übernahme durch die UBS halten auch die Analysten von J.P. Morgan für das wahrscheinlichste Ergebnis der langwierigen Credit-Suisse-Krise. Jene von Keefe, Bruyette & Woods bezeichneten die Liquiditätsspritze der Nationalbank nur als “Heftpflaster”, das der Bank allenfalls Zeit verschafft, sehen aber eher eine Aufspaltung als die Lösung an. Auch Morningstar erwartet eher eine Zerschlagung, falls nicht noch eine Kapitalerhöhung kommt.

Eine Filetierung des Geldhauses ist ebenfalls eines der Szenarien, die von den staatlichen Stellen durchgespielt werden. Das Wealth Management könnte an die UBS oder einen anderen Käufer gehen, die Schweizer Banksparte als eigene Firma ausgegründet werden, um das heimische Geschäft zu bewahren. Asset Management und Investmentbank könnten ebenfalls veräußert oder abgetrennt werden.

Arbeitsplatzverluste befürchtet

Freilich kommen die Einwände gegen einen Zusammenschluss nicht nur aus den Banken selbst. Der Regierung würde der Verlust von Arbeitsplätzen Kopfschmerzen bereiten, den eine Fusion zur Folge hätte. Dennoch würde sie eine schweizerische Lösung bevorzugen, wenn dies möglich ist. Am meisten ist ihr am Schutz der lokalen Unternehmen und Einlagen gelegen, heißt es.

Too-big-to-fail-Regeln doch nur am Papier?

Eine komplette Fusion wäre eine Abkehr von den jahrelangen Too-big-to-fail-Regeln und würde in vielen Geschäftsbereichen kartellrechtliche Probleme aufwerfen. Auch war die Rivalität der beiden Schweizer Großbanken ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanz-Standorts.

Alles nur Hypothese?

UBS-Chef Ralph Hamers hatte sich gestern geweigert “hypothetische Fragen” zur Credit Suisse zu beantworten. “Wir konzentrieren uns auf unsere eigene Strategie”, zitiert Bloomberg News Hamers am Mittwoch auf einer Konferenz in London. (kb)

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