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UBP: Warum Nachrangige Bankanleihen derzeit attraktiv sind

Bankanleihen mit niedrigem Rang im Gläubigerstatus, insbesondere AT1-Anleihen, sind laut Einschätzung der Rentenchefin von Union Bancaire Privée (UBP) zurzeit eine nähere Betrachtung wert. Dafür ist interessanterweise die Pandemie verantwortlich...

Christel Rendu de Lint, Head of Global Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP)
Christel Rendu de Lint, Union Bancaire Privée (UBP)
© Union Bancaire Privée (UBP)

Institutionelle Investoren sollten sich überlegen, Nachrangige Bankanleihen höher zu gewichten. Diese Einschätzung vertritt Christel Rendu de Lint, Head of Global Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP), in einer aktuellen "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Markteinschätzung

Jede Krise hat auch ihr Gutes
Nach der Finanzkrise 2008/09 wurden diverse regulatorische Vorschriften wie das Basel III-Regelwerk eingeführt, um die Bilanzen der Banken und damit die Widerstandkraft des Bankensektors bei exogenen Schocks zu stärken. Ein Beleg für die Wirksamkeit dieser Reformen ist die inzwischen deutlich bessere Kapitalausstattung europäischer Finanzinstitute.

Der Bankensektor in seiner Gesamtheit und insbesondere systemrelevante Institute sind heute beim Eigenkapital wesentlich besser aufgestellt. So hat sich die Kernkapitalquote, ein wichtiger Indikator für die Bilanzstärke, bei größeren europäischen Banken mit rund 13 Prozent, gegenüber dem Niveau vor 2008 mehr als verdoppelt.

Zudem dürften die regulatorischen Erleichterungen und staatlichen Stützungsmaßnahmen nach dem Ausbruch von Covid-19 wie die Absenkung der antizyklischen Kapitalpuffer, eine weniger strenge Bewertung von Rückstellungen und der Aufruf zum Verzicht auf Dividendenzahlungen allesamt schockabsorbierend wirken. Diese Maßnahmen sollten somit dazu beitragen, die Bilanzen der Banken zu stärken, deren Eigenkapitalbasis zu sichern und diese so krisenfester zu machen.

Die Vorkehrungen zur Absicherung des Bankensystems wirken sich laut Rendu de Lint positiv auf Additional Tier 1 (AT1)-Anleihen aus und reduzieren die speziell bei dieser Anlageklasse bestehenden drei Risiken. Das Kuponrisiko bezieht sich auf die mögliche Aussetzung von Kuponzahlungen auf AT1-Papiere in akuten Stressphasen. Zwar hat die EZB empfohlen, die Zahlung von Aktiendividenden bis Januar 2021 auszusetzen, die Aufsichtsbehörde hat jedoch deutlich gemacht, dass sich diese Empfehlung nicht auf Kuponzahlungen bei AT1-Anleihen bezieht.

Wenn die Banken ihr Kapital nicht an Aktienanleger ausschütten, sondern einbehalten, stärkt dies das Finanzinstitut zusätzlich und sendet ein klares positives Signal an die Anleger.

Diverse Risiken
AT1-Anleihen sind Instrumente ohne Laufzeitbegrenzung, die in bestimmten Zeitabständen gekündigt werden können. Insofern besteht bei diesen Papieren das Risiko einer Laufzeitverlängerung, wenn sie nicht vom Emittenten gekündigt werden. Im bisherigen Jahresverlauf wurde die große Mehrheit der AT1-Anleihen trotz der stark erhöhten Marktvolatilität gekündigt.

Die beiden Emittenten, die ihre AT1-Anleihen nicht gekündigt haben, taten dies aus individuellen Gründen, was in beiden Fällen keine negativen Auswirkungen auf den Markt hatte.

Und schließlich weisen Rendu de Lint zufolge AT1-Anleihen ein sogenanntes Trigger-Risiko auf. Wenn die Eigenkapitalquote einer Bank unter ein vorab festgelegtes Niveau sinkt, können AT1-Anleihen in Aktien umgewandelt oder gar abgeschrieben werden (dauerhaft oder vorübergehend).

"Wie zuvor bereits erläutert, ist die Eigenkapitalausstattung von Banken aktuell jedoch wesentlich besser als in der Vergangenheit, sodass wir davon ausgehen, dass die AT1-Anleihen großer europäischer Banken selbst in mit der Lehman-Pleite vergleichbaren Verlustszenarien nicht unter das jeweilige Trigger-Level fallen würden", erklärt Rendu de Lint.

Interessante Spreads
Von diesen positiven fundamentalen Rahmenbedingungen einmal abgesehen, entsprechen darüber hinaus die Spreads von AT1-Anleihen in etwa dem Durchschnitt seit ihrer Markteinführung 2013 und liegen deutlich über dem Niveau vor der Coronakrise. In einem Stabilisierungsszenario sind diese Papiere somit unter Ertragsgesichtspunkten attraktiv. "Sollten sich die Spreads weiter einengen und die Renditen auf das Niveau vor Covid-19 sinken, bestehen bei Anlagen in AT1-Anleihen zusätzlich zum Ertragspotenzial große Chancen auf Kursgewinne", sagt Rendu de Lint abschließend. (aa)

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