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Türkische Notenbank: Achtung, Geisterfahrer am Bosporus!

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins seit August um fünf Prozentpunkte gesenkt. Am Donnerstag wird sie wohl pausieren. Ein Sinneswandel ist dies aber noch nicht. Denn für die hohe Inflation und die Schwäche der Währung werden nach wie vor internationale Kräfte verantwortlich gemacht.

Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
© Eyb & Wallwitz

"Die türkische Regierung versucht die Folgen für die Bevölkerung über den Staatshaushalt zu dämpfen. Lange kann das nicht gut gehen. Für Investoren bieten sich mittelfristig Chancen, aktuell überwiegen aber nach wie vor die Risiken", meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

Monetäre Divergenzen sind ein zentrales Thema für die Finanzmärkte 2022
Während eine Gruppe von Notenbanken unter der Führung von Fed und Bank of England die Leitzinsen deutlich anheben wird, wird eine zweite Gruppe um EZB und Bank of Japan wohl stillhalten. Um das Risiko von Kapitalabflüssen durch höhere US-Zinsen zu verringern, orientieren sich viele Schwellenländer an der ersten Gruppe und haben ihre Leitzinsen bereits angehoben.

Die türkische Notenbank geht einen gefährlichen Sonderweg
Unter dem Druck der Regierung hat sie die Zinsen seit August 2021 um 500 Basispunkte auf 14 Prozent gesenkt, und das trotz steigender Inflation. Damit hat sie ihren 2018 begonnen Straffungskurs jäh beendet. Der Kurswechsel hat die ohnehin schwache Währung weiter stark abwerten lassen und die Inflationsrate auf zuletzt 36 Prozent zum Vorjahr katapultiert.

Internationale Investoren blicken mit Kopfschütteln auf den Kurs der Notenbank
Die Regierung verspricht sich von der Lockerung der Geldpolitik und der schwachen Lira einen positiven Konjunktureffekt durch eine Stimulierung der Exportnachfrage. Dazu kommt ein weiterer theoretischer Gedanke: Niedrigere Zinsen sollen die Finanzierungskosten von Unternehmen mindern und dadurch die Verbraucherpreise dämpften. Beide Effekte sind allerdings empirisch kaum zu sehen und werden klar dominiert von der inflationstreibenden Wirkung der Lira-Schwäche. "Eine deutliche Anhebung der Zinsen vergleichbar zum Kurs ab 2018 ist deshalb eine notwendige Voraussetzung für die Stabilisierung des Außenwertes der Währung und der Preise", ist Dr. Johannes Mayr überzeugt.

Aussichten für Investoren
Zuletzt hat die Lira zumindest nicht weiter abgewertet. Das sollte aber mehr als Durchschnaufen interpretiert werden, findet Mayr. Die Ende 2021 ergriffenen Gegenmaßnahmen der Regierung können das Problem nur zeitweise überdecken (z.B. im Fall der Zwangsabgaben für die Haltung von Devisenreserven) bzw. werden den Inflationsdruck sogar noch verstärken (u.a. die starke Anhebung des Mindestlohns). Die damit einhergehende Belastung für den Staatshaushalt könnte die Lage zusätzlich verschärfen. Im Zuge der anstehenden Zinsanhebungen in anderen Regionen könnte der Druck auf die Währung bereits kurzfristig wieder steigen.

Mittelfristig führt an einem erneuten Kurswechsel der Geldpolitik kein Weg vorbei
Für Investoren biete sich dann die Gelegenheit günstig einzusteigen, so Mayr weiter. Denn mittelfristig seien die Wachstumsperspektiven der Türkei durchaus positiv. Das Timing sei allerdings schwierig. Denn bis zur Präsidentschaftswahl Mitte 2023 werde der politische Druck auf die Notenbank hoch bleiben. Gleichzeitig bleibe in dieser Zeit das Risiko von erneuten politischen Eingriffen zur Bekämpfung der Symptome - insbesondere durch Kapitalverkehrskontrollen - substanziell. (kb)

 

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