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Top-Ökonom Rajan: "Geld gibt es nicht umsonst"

Die Zinsen liege auf Nullniveau. Wer deshalb glaubt, dass Notenbank-Geld nichts kostet ist, irrt. Der frühere indische Zentralbankchef und Top-Ökonom Raghuram Rajan erklärt, woraus die Kosten der Geldschöpfung bestehen.

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Raghuram Rajan war von 2013 bis 2016 Gouverneur der Reserve Bank of India (RBI)
© Simon Dawson / Bloomberg

Es klingt einfach: Die Notenbank druckt Geld, um damit Staatsanleihen zu kaufen. Die Regierung überweist dieses Geld an ihre Bürger, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Wer als Privatperson genug Vermögen besitzt, lässt die Finanzspritze einfach auf seinem Bankkonto liegen. Die Bank wiederum deponiert das Geld auf ihrem Reserven-Konto bei der Zentralbank. Anhänger der "Modern Monetary Theory" (MMT) glauben, dass sich so die Finanzierung des Staates langfristig sichern lässt. Ein Trugschluss, ist Raghuram Rajan, ehemaliger Starreferent am "Institutional Money Kongress" überzeugt.

Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) warnt der frühere indische Notenbankchef und Starökonom entschieden davor, sich von vermeintlich einfachen Lösungen blenden zu lassen. "Die Vorstellung, dass man irgendwie Geld unentgeltlich bekommt, ist nicht haltbar", sagte er der Zeitung. Denn das System funktioniert nur, solange Geschäftsbanken bereit sind, hohe Beträge zu Nullzinsen bei der Zentralbank zu deponieren. In diesem Szenario könnte die Regierung das Geld auch direkt von den Geschäftsbanken leihen, statt den Umweg über die Zentralbanken zu gehen.

Paradoxe Zinslage
Das Modell der MMT stößt allerdings an seine Grenzen, sobald Geschäftsbanken anfangen, lieber Unternehmen für zwei Prozent Geld zu leihen, statt es zinslos auf Zentralbankkonten zu lagern. In diesem Fall müssen die Zentralbanken auf die Reserven Zinsen zahlen. Noch signalisiert das niedrige Zinsniveau zwar, dass die Lage ungefährlich ist. Von den Finanzmärkten kämen aber unterschiedliche Signale, warnt Rajan. Die Aktienbörsen haussieren, an nahezu allen Märkten steigen die Kurse. "Das unterstellt beste Aussichten. Dann können aber die niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen eigentlich nicht möglich sein", sagt Rajan. Woher die Entkopplung kommt, sei unklar. (fp)

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