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Metis überrascht mit ESG-Index-Überlegungen für Corporate Bonds

Merkur-Tochter Metis Invest, die für ihre Corporate Bond Management-Expertise bekannt ist, stellt einen selbst entwickelten ESG-Index der klassischen Benchmark in diesem Bereich, dem iBOXX Euro Corporate Bond Index, gegenüber. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus, wenn man dem neuen Index folgt?

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Mag. Bernhard Tollay (rechts) und DI Markus Zahrnhofer (links) bilden das Führungsduo der Metis Invest GmbH, der Tochter der Merkur Versicherung AG für tailormade Asset Management. 
© Metis Invest

Trotz wachsender Beliebtheit treffen ESG-Strategien bei manchen Investoren auf Bedenken: Führen ein eingeschränktes Universum durch ESG-Scores oder gar Ausschlusskriterien zwangsläufig zu Gewinneinbußen? Auch wenn es zu früh für eine endgültige Aussage
scheint, zeigen bisherige Studien, dass ESG-Produkte durchaus konkurrenzfähig sind. "Mit großer Sicherheit kann gesagt werden, dass ESG-Kriterien bestimmte Risiken eindämmen: Umweltkatastrophen mit weitläufigen Folgen, Gerichtsverfahren und Verluste infolge von mangelhafter Compliance und Governance", führt Metis-Geschäftsführer Markus Zahrnhofer aus.

ESG-Performancemessung - aber wie konkret?
ESG-Indizes sind bei Unternehmensanleihen deutlich weniger präsent als ihre Pendants ohne
Nachhaltigkeitsfaktoren, was die Performancemessung von ESG-Fonds erschwert. Eine geläufige nachhaltige Benchmark ist zum Beispiel der Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate ESG Weighted Index. Dieser gewichtet die Positionen nach Marktkapitalisierung, einem ESG- und einem Momentum-Score. "Auf Sektorenebene entsteht so eine Untergewichtung von Öl&Gas zugunsten von Financials", weiß Metis-Geschäftsührer Bernhard Tollay. "Duration und Ratingverteilung werden wenig beeinflusst. Ein Kritikpunkt ist, dass keine Ausschlusskriterien zu Tragen kommen und das so dargestellte Universum für viele Ansätze nur unzureichend anwendbar ist."

Metis mit eigens entwickeltem ESG-Index 
Der ESG-Index - als "Top 100 ESG" be­zeichnet - wird aus 100 besonders nachhaltigen Unternehmen zusammengesetzt. Tollay führt aus: "Für die Bewertung der Nachhaltigkeit greifen wir auf den historischen und aktuellen ESG-Score aus der Datenbank von "The Value Group", einem Research-Haus aus München, zu. Es werden ausschließlich Unternehmen aus einer Grundgesamtheit ausgewählt, die zum ent­sprechenden Zeitpunkt Anleihen emittiert haben, die den Kriterien des iBoxx EUR Corporate Index entsprechen." Diese Kriterien bedingen eine Benchmark Size von mehr als 500 Millionen Euro, eine Mindestlaufzeit von mehr als einem Jahr und ein Investment Grade Rating.

Angelehnt an einen Best-in-Class-Ansatz werden die zehn Unternehmen mit dem höchsten ESG-Rating pro Sektor dem Index hinzu­gefügt. Zahrnhofer geht ins detail: "Der Sektor Öl&Gas wird aufgrund der allgemein geringen Nachhaltigkeit im sektoralen Vergleich beschränkt und ist mit einer geringeren Unternehmensanzahl vertreten. Anschließend wird die noch fehlende Anzahl an Unter­nehmen auf 100 mit den nächstgereihten Unternehmen sektoren­unabhängig ergänzt. Die Gewichtung der Emittenten erfolgt über das marktgewichtete Emissions­volumen aller ausständigen Anleihen der einzelnen Unternehmen."

Monatliches Rebalancing
Für die Erstellung des Index wurde ein Betrachtungs­zeitraum von 2008 bis 2018 herangezogen.  Dabei findet eine monatliche Neugewichtung der emittierten Anleihen als auch der Unternehmen mit den höchsten ESG-Scores statt.

Vergleich der Index-Egenschaften
Die Eigenschaften des Top 100 ESG im Vergleich zum iBoxx Euro Corporates stellen sich folgendermaßen dar: Die Rating­allokation zum Stichtag 31.12.2018 unterscheidet sich, bis auf eine leichte Verschiebung des Top 100 ESG in Richtung BBB-Bonds (+2,15 Prozent), kaum. Historisch kann man jedoch erkennen, dass das linear gewichtete Durchschnitts­rating des Top 100 ESG im Vergleich etwas besser ist. Das illustriert der folgende Chart.

Historie der Top ESG Unternehmen
Der Vergleich der Kreditqualität der beiden Indizes von 2007 bis 2018 zeigt, dass die nachhaltigen Unter­nehmen durchschnittlich ein besseres Rating haben. Dies spiegelt auch die Einbeziehung von einzelnen Nachhaltigkeitskriterien großer Ratingagenturen bei der Vergabe von Ratings wider. Der Top 100 ESG Index ist somit leicht konservativer als die Benchmark aufgestellt.

Im Zeitablauf zeigt sich, dass das gewichtete Durch­schnittsrating des Top 100 ESG historisch zu einigen Zeitpunkten, insbesondere 2014 und 2015, einen niedrigeren Wert aufweist als der iBoxx Euro Corporate. 

Quelle: Markit, iBoxx

Sektorenverteilung, Duration
Hier weist der Top 100 ESG eine Untergewichtung in den Bereichen Öl&Gas, Konsumgüter und Industrie auf, was hinsichtlich all­gemeiner Nachhaltigkeitseinschätzungen plausibel er­scheint. Zusätzlich haben besonders nachhaltige Emittenten dieser Sektoren meist nur ein geringes Volumen an begebenen Anleihen. Große Emittenten von Anleihen wie VW oder andere Automobilhersteller werden aufgrund des geringen ESG-Scores nicht in den Index mit­aufgenommen. Weniger intuitiv ist die Untergewichtung von Financials, die daraus resultiert, dass die nachhaltigsten Finanzinstitute relativ gesehen ein geringeres Emissionsvolumen auf­weisen. Stark über­gewichtet sind hingegen die Sektoren Telekcommunikation und Technologie. Die durchschnittliche Duration liegt mit 5,33 im Top 100 ESG leicht über dem Wert des Vergleichsindex.

Im Performancevergleich zeigt sich ein interessanter Effekt
Während der Top 100 ESG in den für Corporate Bonds besonders erfolgreichen Jahren 2009 und 2012 gegenüber dem Iboxx EUR Corporate weniger Performance erzielte, schneidet er in den schwächeren Jahren wie 2011, 2015 und 2018 besser ab (siehe den folgenden Chart). Im Jahr 2008 ist die Differenz besonders augenfällig, was auf die konservativere Aus­richtung des ESG-Index und insbesondere auf die Unter­gewichtung von Financials zurückzuführen ist.

Performancevergleich 2008 bis 2018

Quelle: Markit, iBoxx

Résumé
Die Wahl von deutlich nachhaltigen Unternehmen wirkt sich offensichtlich besonder in schwierigen Marktverhältnissen positiv aus. "In den derzeit volatilen Märkten könnte die Einbeziehung von ESG-Kriterien zumindest gewisse unternehmensspezifische Risiken eindämmen", geben Tollay und Zahrnhofer zu bedenken. 

ESG-Fonds erfreut sich einiger Zuflüsse
Der von Metis am 2. August 2017 aufgelegte Metis Bond Euro Corporate ESG Fonds ist nun bereits auf über 36 Millionen Euro angewachsen und steht year-to-date mit 2,47 Prozent im Plus. (kb)

 

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