Timing-Pech? So kurz dauert der Verlust am Weltaktienmarkt
Viele befürchten, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen und dann lange im Minus zu liegen. Doch wie lange wäre man im globalen Aktienmarkt im Verlust geblieben – selbst, wenn er den denkbar ungünstigsten Einstiegstag erwischt hätte? Pascal Kielkopf hat das für jeden Handelstag seit 1972 ausgerechnet.

Eckpunkte:
- Die meisten Aktienmarktverluste sind schnell aufgeholt
- Selbst bei ungünstigem Einstieg ist man meist relativ bald im Plus
- Bei der Dotcom-Krise dauerte es aber mehr als 13 Jahre, bis man Land sah
In seiner Untersuchung betrachtete Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege von HQ Trust, alle Börsentage seit Anfang 1972. Für jeden Einstiegstag prüfte er, wie lange ein Investor – nach vorne geschaut – im Minus gewesen wäre. Die Analyse erfasst damit nicht nur die großen Krisen wie den Dotcom-Crash, die Finanzkrise oder die Corona-Korrektur, sondern auch all die kleinen, heute oft bereits vergessenen Marktrückschläge.

Erkenntnisse
„In den meisten Fällen war der Verlust verblüffend kurz. Im Median – also in der Hälfte aller untersuchten Einstiegstage – lag der Investor maximal zwei Tage im Minus, bevor der Markt wieder über seinen Kaufkurs stieg. In neun von zehn Fällen dauerte die Verlustphase maximal einen Monat. Wer drei Monate Geduld hatte, lag mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits wieder vorne.“ Selbst bei sehr ungünstigem Einstiegszeitpunkt war man nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder im Plus. Kielkopf dazu: "Mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit lag die maximale Dauer bei 3,3 Jahren.“ Den absoluten Negativrekord markierte die Dotcom-Blase: Wer am Hochpunkt des Jahres 2000 einstieg, wartete 13,2 Jahre, bis er im Plus lag.
Pascal Kielkopf analysierte zusätzlich aber noch einen zweiten Fall
In diesem hat er auch berücksichtigt, ob man zu einem späteren Zeitpunkt (wieder) unter seinen Kaufkurs fiel. Für diesen Fall berechnete der Experte, wie lange es gedauert hätte, bis der Anleger – von seinem Einstiegszeitpunkt aus betrachtet – dauerhaft im Gewinn lag.
Ab wann man dauerhaft auf der Gewinnerstraße war
„In diesem zweiten Szenario steigen die Zeiten deutlich: Hier dauerte es im Median 1,5 Jahre, also rund 18 Monate, bis man als Investor dauerhaft im Gewinn war. In neun von zehn Fällen wäre man aber auch hier nach maximal 9,6 Jahren dauerhaft im Gewinn gewesen.“
Die langen Verlustphasen konzentrieren sich hier allerdings auch auf wenige Krisen
„Besonders ausgeprägt waren sie in den 1970ern, während der Dotcom?Korrektur und in der Finanzkrise. Viele andere Perioden zeigen nur kurze Minusstrecken“, stellte Kielkopf fest.
Was man aus der Analyse mitnehmen sollte
„Geopolitische Krisen wie die aktuelle Lage im Iran fühlen sich bedrohlich an – und kurzfristig können sie die Märkte durchaus durchrütteln. Doch die historische Evidenz zeigt: Wenn man global gestreut investiert, sind die meisten Verlustphasen überraschend kurz, selbst wenn die Nachrichtenlage dramatisch wirkt. Entscheidend ist, investiert zu bleiben und nicht aus Angst vor kurzfristigen Schwankungen zu verkaufen oder bis zum Sankt-Nimmerleinstag auf den Einstieg zu warten.“
Résumé
Langfristig orientierte Anleger profitieren von der Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit der globalen Weltwirtschaft, die nach Krisen immer wieder die Grundlage für eine Erholung der Aktienmärkte bildet. (kb)

