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Tikehau Capital: „Die Märkte zeigen gewisses Maß an Sorglosigkeit“

Bei Anleihen und auf den Kreditmärkten spricht Tikehau Capital von einem „goldenen Zeitalter“. In der Hormus-Krise eine Deeskalation einzupreisen, lasse jedoch steigende Renditen und erhöhte Ölpreise und ihre Folgen für die Märkte außer Acht, findet Raphael Thuin von Tikehau Capital.

Insbesondere Aktien und Unternehmensanleihen zeigten sich im aktuellen Umfeld erstaunlich widerstandsfähig, so Tikehau Capital. KI stelle den zentralen Risikofaktor dar. 
Insbesondere Aktien und Unternehmensanleihen zeigten sich im aktuellen Umfeld erstaunlich widerstandsfähig, so Tikehau Capital. KI stelle den zentralen Risikofaktor dar. © Funtap /Adobe Stock

Eckpunkte:

  • Tikehau Capital: Goldenes Zeitalter bei Anleihen und Kreditmärkten
  • KI als zentraler Risikofaktor
  • In der Berichtssaison sind zwei Fragen entscheidend

Während weiterhin Unsicherheit über eine tatsächliche Beilegung des Konflikts im mittleren Osten um die Blockade der Straße von Hormus herrscht, zeigte sich die Weltwirtschaft erstaunlich robust. So sei die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Weltwirtschaft gegenüber dem Schock, der von der Straße von Hormus ausgeht, bemerkenswert, schreibt Raphael Thuin, Head of Capital Market Strategies bei Tikehau Capital in einem Marktkommentar. „Im Großen und Ganzen sehen wir, dass sich die Aktien und Unternehmensanleihen bislang trotz höherer Ölpreise, steigender Renditen von US-Staatsanleihen und zunehmender Volatilität über verschiedene Anlageklassen hinweg relativ widerstandsfähig zeigen.“ Die Märkte gingen scheinbar weiterhin davon aus, dass es letztlich zu einer Deeskalation kommen und sich die vernünftigeren Kräfte in diesem Konflikt durchsetzen werden. „Das hilft zu erklären, warum die Ölpreise zwar erhöht geblieben sind, bislang aber nicht deutlich nach oben ausgebrochen sind. Aus unserer Sicht zeigen die Märkte in dieser Phase jedoch ein gewisses Maß an Sorglosigkeit, zumal höhere Ölpreise und steigende Renditen nach wie vor zu den wichtigsten Bedrohungen für das Marktumfeld gehören“, so der Kapitalmarktstratege.

Credit Spreads spiegeln Fundamentaldaten wider
Zur Einordnung schreibt er von engen Kredit-Spreads, die nach Einschätzung von Tikehau aber die soliden Fundamentaldaten widerspiegeln, die man in den Kreditmärkten sehe. „Sie lassen zwar wenig Raum für Fehler, von einer echten Fehlbewertung kann man derzeit jedoch noch nicht sprechen.“

„Goldenes Zeitalter"
Auch äußert sich Raphael Thuin zu KI und dem damit verbundenen Investitionsboom.
Die Investmentstory rund um KI befinde sich immer noch in einer frühen Phase. „Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass wir uns bei Anleihen und Kreditmärkten in einer Art goldenem Zeitalter befinden, in dem solide Fundamentaldaten, unterstützende technische Faktoren und ein attraktiver Carry zusammenkommen.“ Ertragsquellen in Portfolios aufzubauen, indem man in qualitativ hochwertige Unternehmen investiert und dafür gut entlohnt wird, können einen Puffer aus relativ schwankungsarmen Erträgen schaffen. „Das sehen wir als eine eher seltene Gelegenheit. Bei Aktien sind wir dagegen vorsichtiger, da hohe Bewertungen und spekulative Übertreibungen in einzelnen Marktsegmenten Anlass zur Zurückhaltung geben“, so Raphael Thuin.

KI als zentraler Risikofaktor
Nach seiner Ansicht ist Künstliche Intelligenz (KI) derzeit weiterhin der mit Abstand wichtigste Treiber für die globalen Finanzmärkte. Die Art und Weise, wie sich KI-bezogene Risiken über die verschiedenen Anlageklassen ausbreiteten, sowie das Volumen an Kapital, das in dieses Thema fließe, machten KI zu einem zentralen Risikofaktor in diesem Marktumfeld. „Die anstehende Berichtssaison wird daher sehr spannend. Fokus sind zwei Kernfragen: Erstens, ob sich eine Veränderung im Investitionstempo abzeichnet, und zweitens, ob Unternehmen anfangen, konkrete und überzeugende Nachweise für einen Return auf ihre Investitionen zu liefern“, erwartet Thuin.

Grundsätzlich sei man bei Tikehau von der Tragfähigkeit des Themas überzeugt und halte einen Teil dieses Investitionszyklus für gerechtfertigt. Zugleich gingen große Investitionsbooms oft mit einer gewissen Fehlallokation von Kapital und mit Wertvernichtung einher. „Deshalb achten wir besonders auf Bereiche mit erhöhter Spekulation und mit Übertreibungen. Insgesamt wirken die Bewertungen anspruchsvoll, insbesondere in einer Welt, in der der Preis für Kapital deutlich gestiegen ist und die Unsicherheit weiterhin ungewöhnlich hoch bleibt. Theoretisch sollten die Märkte hierfür stärkerer Abschläge einpreisen, als dies aktuell der Fall ist.“

Outperformance Europas erwartet
Zur regionalen Diversifikation sagt Thuin: „Wir sind nach wie vor überzeugt von Europa. Wir sind der Ansicht, dass die Voraussetzungen für eine Rückkehr der Outperformance zunehmen. Niedrigere Bewertungen, robuste Unternehmensgewinne, fiskalische Impulse und ein außerhalb des Energiesektors besser kontrollierbares Inflationsumfeld sollten die eher industriell und zyklisch geprägten Teile des Marktes unterstützen. Dies gilt auch für Sektoren wie Verteidigung und Finanzwerte“, so Thuin. (de)

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